Spaniens Jugend hofft weiter

Viele Jugendliche in Spanien sind arbeitslos. Einige gehen nun auf Wanderschaft im eigenen Land – um zu zeigen: «Wir sind nicht faul, wir wollen eine Chance.»

Ralph Schulze
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MADRID. Sie waren nach dem Studium arbeitslos, frustriert, ohne Perspektive. Deswegen beschlossen sie, ihre sieben Sachen zu packen. Und – ganz wie früher die Handwerksgesellen – mit dem Rucksack auf Wanderschaft zu gehen. «Wir wollen beweisen, dass die spanische Jugend Initiative hat und nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher rumhängt», sagen die drei jungen Spanier aus der Region Galicien, welche seit Wochen zu Fuss durch Spanien ziehen.

Ohne Geld, aber mit viel Illusion. Mit der Hoffnung, irgendwo einen Job zu finden. Und mit der Kamera in der Hand, um ihre inzwischen schon mehr als tausend Kilometer lange Leidenstour zu dokumentieren. Inzwischen haben die drei arbeitslosen Wandergesellen Txetxu González (24), David Correa (23) und Alejo Rodríguez (24), die Film- und Fernsehwissenschaften studierten, eine Internet-Videoserie aus ihrem Trip gegen die Arbeitslosigkeit gemacht. «Man muss laufen», könnte man den Titel ihrer Web-Serie (hayqueandar.com) übersetzen, mit der sie zeigen wollen, «das wir etwas Gutes leisten können». Und die gleichzeitig auch eine ermutigende Botschaft an die verzweifelte spanische Jugend schicken soll. Dass man sich bewegen muss, Initiative haben muss, um einen Job zu finden. Man könne nicht zu Hause auf dem Sofa bleiben «und auf Arbeit warten». Aber die Gesellschaft müsse «den Jungen auch eine Chance geben».

Generell viel Arbeitslose

Mehr als 57% jener bis 25jährigen Spanier, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sind derzeit ohne Job. Nur in Griechenland sieht es noch schwärzer aus. Die generelle Arbeitslosenquote im Krisenland Spanien liegt laut spanischem Statistikamt derzeit bei über 27%. Von den insgesamt sechs Millionen Arbeitslosen sind etwa eine Million unter 25 Jahren. Meist wohnen sie bei ihren Eltern und schreiben sich mit Bewerbungen die Finger wund.

Ansturm auf Ausschreibungen

Wie gross die Not am spanischen Arbeitsmarkt ist, spiegelt sich in einer Stellenausschreibung des Madrider Prado-Museums: Die weltberühmte Bildergalerie suchte elf Museumswächter, die freilich kaum mehr als 1000 € brutto im Monat erwarten können. Es meldeten sich trotzdem fast 19 000 Bewerber, darunter nicht wenige junge Hochschulabgänger.

Auch die jungen spanischen Wanderburschen Txetxu, David und Alejo sind bereit, jeden Hilfsjob zu akzeptieren, um sich über Wasser zu halten. Sie helfen den Bauern auf den Feldern, spülen Geschirr in Gasthäusern, mähen in den Gärten von Privatleuten den Rasen, putzen Fenster.