Spanien und Marokko buhlen um schwarzes Gold

MADRID. Dieser Tage wird sich das Bohrrohr des mächtigen Bohrschiffs Rowan Renaissance 800 Meter tief durch den Atlantik schrauben, bis es auf den Meeresboden trifft. Von dort soll sich der Bohrkopf weitere 2300 Meter ins Erdinnere fressen und lohnende Rohölblasen aufspüren.

Ralph Schulze
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MADRID. Dieser Tage wird sich das Bohrrohr des mächtigen Bohrschiffs Rowan Renaissance 800 Meter tief durch den Atlantik schrauben, bis es auf den Meeresboden trifft. Von dort soll sich der Bohrkopf weitere 2300 Meter ins Erdinnere fressen und lohnende Rohölblasen aufspüren. Das Bohrloch liegt 54 Kilometer östlich der Kanareninsel Fuerteventura, 62 Kilometer vor dem benachbarten Lanzarote. Auf den Ferieninseln laufen die Menschen seit Monaten Sturm gegen den Plan, vor ihren Küsten nach Erdöl zu suchen. Die Angst vor einem Unfall und nachfolgender Umweltkatastrophe ist so gross, dass Inselregierung, Umweltschützer und Tourismusverbände eine Protestfront gebildet haben namens «Save Canarias – Rettet die Kanarischen Inseln». Mit Demonstrationen, Unterschriften und Gerichtsklagen versuchen die Verbündeten das Projekt zu stoppen – vergeblich.

Der spanische Energiekonzern Repsol spricht von Propaganda, «um der Bevölkerung Angst zu machen»: Die Ölsuche, sagt Repsol-Sprecher Marcos Fraga, finde unter «extremen Sicherheitsmassnahmen» statt. Der konservative spanische Premier Mariano Rajoy doppelt nach: «Es besteht kein Risiko.»

Anführer des Widerstands ist der kanarische Regierungschef Paulino Rivero. Er wirft Madrid vor, die Inseln «wie eine Kolonie» zu behandeln. Sein Zorn wuchs, als die Zentralregierung auch noch jene Volksabstimmung verbot, mit der er die Insulaner über das Öl befragen wollte.

Der Streit wird weiter angeheizt, weil in den Gewässern des Nachbarn Marokko die Ölindustrie ebenfalls Probebohrungen vorantreibt. Spaniens Industrieminister José Manuel Soria sagt denn auch, dass aus seiner Sicht der Widerstand der Kanaren nicht viel Sinn mache: «Wenn wir die Öllager nicht anzapfen, dann wird es Marokko tun.»