Spagat vom Laden ins Internet

Der Black Friday eröffnet in den USA die Einkaufszeit vor Weihnachten. Während der Detailhandel mit Rabatten lockt, verschiebt sich ein immer grösserer Teil der Käufe ins Internet, mit ständig neuen Angeboten zum Nachteil der Läden.

John Dyer
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Menschenmassen am Black Friday in einem Wal-Mart im US-Staat Arkansas. (Bild: ap/Gunnar Rathbun)

Menschenmassen am Black Friday in einem Wal-Mart im US-Staat Arkansas. (Bild: ap/Gunnar Rathbun)

BOSTON. Der Wahnsinn hat in Leominster um 5 Uhr früh begonnen. Gestern Freitag, dem Tag nach dem Erntedankfest (Thanksgiving), wurde traditionell das Christmas Shopping eröffnet. Melissa McCarthy wollte keine Zeit verlieren und stürmte das Spielwarengeschäft Toys 'R' Us in der Kleinstadt bei Boston schon im Morgengrauen. Der Black Friday, wie er genannt wird, ist der umsatzstärkste Tag des Jahres im US-Detailhandel.

Auf 200 $ bis 300 $ schätzt McCarthy ihre Ersparnis aufgrund der gebotenen Rabatte. Diese werden seit Jahrzehnten am frühen Morgen geboten, um Konsumenten in die Geschäfte zu locken. Doch scheint dieser Trend allmählich ein Ende zu finden. John Cappabianca hatte jedenfalls keine Lust, sich in den Trubel zu stürzen: «Online gibt es noch bessere Konditionen, und man vermeidet die Schlangen.»

Online erhöht den Druck

Laut des Adobe Digital Index, der Internetkäufe in Echtzeit festhält, konnte der Onlinehandel im Vorjahresvergleich bereits am Donnerstagvormittag um ein Viertel zulegen. Die Beratungsfirma Deloitte hat ermittelt, dass 59% der Amerikaner online zwischen Donnerstag und Sonntag einkaufen wollen. 36% wollten die physischen Läden besuchen. Und oft schon früher als in Leominster: Zu Thanksgiving am Donnerstag öffneten viele Geschäfte bereits vor Mitternacht.

Diese Entwicklung lässt klassische Detailhändler wie Target, Best Buy oder Wal-Mart gegenüber Onlinehändlern wie Amazon an Boden verlieren. Amazon erhöht den Druck durch sein Prime-Angebot, wobei Kunden gegen Gebühr in den Genuss besonders schneller Lieferungen kommen. Die Detailhändler versuchen mit einem Ausbau ihrer Onlineangebote zu kontern, dürfen aber gleichzeitig das Ladengeschäft nicht vernachlässigen, um volle Regale zu gewährleisten. «Beim Trend Richtung Internet muss man versuchen, mit dem Angebot zu punkten», sagt Deloitte-Vizechef Rodney Sides.

Target verfolgt das Konzept, Kunden den Onlinekauf zu bieten bei anschliessender Abholung im Laden. Wal-Mart konzentriert sich lieber auf die Läden. «Es ist eine geschäftige Zeit, und wir wollen unseren Kunden eine gute Erfahrung in unseren Geschäften garantieren», sagt Wal-Mart-Sprecher Dan Toporek. Onlinekunden müssten daher 48 Stunden warten, bis ihre Einkäufe bei ihnen ankommen.

Neue Onlineangebote

Auch Target will seine Kunden nach wie vor in die Läden locken. Daher werden die grössten Rabatte ausschliesslich den Kunden geboten, die frühmorgens in die Geschäfte kommen. Doch Händler finden immer neue Methoden für besondere Angebote auch online. «Wir sehen, dass Konsumenten, die ein Geschäft auf Facebook unterstützen, die besten Nachlässe erhalten», sagt Jim Willcox, Sprecher bei Adobe Digital Index. Ähnliche Modelle gebe es auch hinsichtlich Twitter oder spezielle Onlineprogramme zur Kundenbindung.