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Kommentar

Sozialpartner im Stress

Zwei Jahre lang trugen die Gewerkschaften die Lohnabschlüsse jeweils geduldig mit. Damit ist nun Schluss. Doch der Spielraum ist eng geworden. Die Gewerkschaften haben es versäumt, ihre Kampfkraft früher unter Beweis zu stellen.
Daniel Zulauf
Wirtschaftsredaktor Daniel Zulauf.

Wirtschaftsredaktor Daniel Zulauf.

Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Schweiz mussten im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Reallohneinbusse von 0,4 Prozent hinnehmen. Ein unhaltbares Ergebnis, befanden die Gewerkschaften einhellig. Diesmal soll es anders werden. «Wir appellieren an die Arbeitgeber, im Rahmen der Sozialpartnerschaft wieder Hand für faire Lohnerhöhungen zu bieten», fordert der Dachverband Travailsuisse. Andernfalls müsse die Verteilungsfrage «vermehrt durch starke gewerkschaftliche Aktionen» entschieden werden.

Das tönt nach einer verkappten Streikdrohung. Mit Blick auf die sich schnell eintrübende Konjunktur kommt diese in einem denkbar ungünstigen Moment. In Teilen der Industrie geht es schon jetzt bergab. Szenarien einer tiefen und langen Rezession werden immer realistischer. Die Gewerkschaften haben es versäumt, ihre Kampfkraft früher unter Beweis zu stellen. Jetzt ist der Spielraum eng geworden.

Dass die Arbeitnehmervertreter dennoch drohen, hat einen einfachen Grund. Ihre Mitgliederzahlen sinken seit Jahren, und ihr Einfluss nimmt weiter ab. Die Gewerkschaften brauchen Erfolge. Auf die Fahne schreiben dürfen sie sich, mit ihrer moderaten Politik einen Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie geleistet zu haben. Das hilft zwar allen Beschäftigten im Land, aber für die Mitgliederstatistik ist diese Leistung wenig wirksam.

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