Sorgen der UBS in der Karibik

Der Freistaat Puerto Rico, ein Aussengebiet der USA, steht vor der Pleite. Keine Bank kann dabei mehr verlieren als die UBS. Sie hat der Karibikinsel 1,7 Milliarden Dollar geliehen und nicht genügend abgesichert.

John Dyer
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BOSTON. Die Karibik ist Schauplatz der jüngsten Staatsschuldenkrise: Puerto Rico. Der Inselstaat leidet unter einer schrumpfenden Bevölkerungszahl, einer schwächelnden Wirtschaft mit 14% Arbeitslosen und einem Kreditrating nahe der Einstufung Ramsch. Der Regierung Puerto Ricos fällt es immer schwerer, ihren überbordenden Haushalt zu finanzieren. Jetzt schlagen die Banker Alarm.

Die UBS teilte mit, dass sie Puerto Rico 1,7 Mrd. $ (1,55 Mrd. Fr.) geliehen habe, gegen Sicherheiten von Staatsanleihen Puerto Ricos im Nominalwert von 3,2 Mrd. $. In den vergangenen Monaten aber ist der Wert dieser Anleihen um 40% gesunken, nachdem klargeworden war, dass die Finanzierungspolitik der Regierung in San Juan nicht zu halten ist.

Ein Kreislauf aus Schulden

Über viele Jahre hat die Insel immer wieder Anleihen ausgegeben, um mit den Einnahmen frühere Verbindlichkeiten zu bedienen. Jetzt sind die Zinsen für die Staatsschulden auf 10% verdoppelt worden, um nochmals Anleger anzulocken. In jüngster Zeit hat die Regierung versucht, ihre Finanzierung mittels kurzfristiger Bankkredite zu sichern, um einen Stillstand (Government Shutdown) zu verhindern.

Die Misere setzt die UBS unter Druck. Wenn sich die Anleihen Puerto Ricos schlechter an Investoren bringen lassen, dann sind die gegebenen Sicherheiten weniger wert. «Das Schlimmste wäre, wenn die ganzen Puerto- Rico-Papiere wertlos würden», sagt John Dalby von der Vermögensverwaltung der UBS: «Das würde 1,7 Milliarden Kredit ohne jede Sicherung bedeuten.»

Bankrott ist keine Option

Die UBS hat wenig in der Hand, falls die Sicherheiten der Inselregierung wertlos werden. Puerto Rico ist ein Territorium, das ähnlich wie die Regierung eines US-Bundesstaates keinen Gläubigerschutz zur Restrukturierung verlangen kann. Ein US-Bundesgericht schuf einen Präzedenzfall, als es 2012 die Bankrotterklärung der Nördlichen Marianen ablehnte, weil die Pazifikinseln ein Territorium sind. «Bankrott kommt für Puerto Rico nicht in Frage», sagt der Vizepräsident der Entwicklungsbank Puerto Ricos, José Coleman.

Für Hilfe der US-Regierung an Puerto Rico müsste der Kongress in Washington einer vollen Finanzrettung der Insel zustimmen. Das scheint wenig Aussicht auf Erfolg zu haben. Es ist auch nicht klar, ob Puerto Rico eine solche Rettung überhaupt will. Das würde ein Kontrollgremium auf die Insel entsenden, ähnlich der Troika in Griechenland.

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