Sony nun ohne Laptop-Sparte

Sony hat jahrelang Marktanteile verloren. Um wieder profitabel zu sein, werden auch heilige Kühe geschlachtet. Die Computersparte ist eine davon.

Felix Lill
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TOKIO. Videorecorder, Telefone mit Farbbildschirm und der Laptop für Privatnutzer: Diese Produkte kamen einst allesamt aus Japan. Doch das ist inzwischen Vergangenheit: Sony machte seinen letzten grossen Zug 1978 mit dem Walkman.

Der Weg des Konzerns ist beschwerlich geworden. Im Geschäftsjahr bis März 2014 machte die Sony-Gruppe 1,1 Mrd. Fr. Verlust. So schwierig ist die Situation, dass man sich von mehreren Geschäftsfeldern trennt.

Ab 2015 wieder profitabel

Das bekannteste ist eines, in dem Sony noch vor einigen Jahren weltweit führend war – Computer. Letzte Woche stiess der Tokioter Konzern die Sparte endgültig ab. Die bekannten Vaio- Laptops sind ab jetzt nicht mehr von Sony. «Es tut uns leid, dass wir die Erwartungen der Aktionäre nicht erfüllen konnten», hatte Firmenchef Kazuo Hirai an der Jahresversammlung Mitte Juni kleinlaut gesagt. Gleichzeitig stellte er in Aussicht, dass Sony ohne die zuletzt kriselnde Computersparte schon ab 2015 wieder profitabel werden dürfte.

Verzögerungen hat es unter Japans einst führenden Elektronikkonzern und andere Firmen zu viele gegeben. Das trifft auf die Computer ähnlich zu wie auf das Geschäft mit Kameras, Spielkonsolen, Mobiltelefonen oder Fernsehern. Bis zum Platzen einer Spekulationsblase Anfang der 90er-Jahre war Japan in diesen Feldern Weltmarkt- und Innovationsführer, danach rutschte es langsam ab.

Sony, vielleicht Japans bekanntestes Unternehmen, hat sich für mehrere drastische Schritte entschlossen. 1 Mrd. Fr. werden in die Restrukturierung investiert. Künftig will sich das Unternehmen auf Videospiele und Konsolen, Filme und Unterhaltung, Mobiltelefone, Tablet-Computer sowie Fernseher konzentrieren.

Neben dem Verkauf der Computersparte wird das seit Jahren ebenfalls defizitäre Fernsehgeschäft allerdings ausgelagert, um es als kleine Institution innovativer zu machen.

Führend in 4K-Technologie

Mit seiner 4K-Technologie bietet Sony Bildschirme an, deren Auflösung viermal so hoch ist wie die von High-Definition-Modellen, womit es in Japan und den USA den Markt dominiert. So besteht hier noch Optimismus. Im 1. Quartal 2014 wuchs der Umsatz immerhin schon um 30% auf 1,7 Mrd. Fr.

Anfang Juli sind die neuen Vaio-Laptops Pro und Fit herausgekommen. Sie sehen praktisch genauso aus wie die letzten Modelle. Der entscheidende Unterschied: Der Schriftzug von Sony ist nicht mehr zu sehen. Die durch eine Investmentgruppe erstandene Vaio Corporation sieht sich nun als kleiner Marktteilnehmer, zählt nur noch 240 Mitarbeitende.

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