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«Solange die Arbeit noch Freude bereitet» - wann es gilt, die Nachfolge in der Firma zu regeln

Nachfolgeplanungen in Unternehmen sind eine heikle Sache. Fachleute touren als Anlaufstelle durchs Land.
Thomas Griesser Kym
«Nachfolge wird nicht einfacher, wenn man älter wird», sagt Expertin Carla Jane Kaufmann. (Bild: Getty)

«Nachfolge wird nicht einfacher, wenn man älter wird», sagt Expertin Carla Jane Kaufmann. (Bild: Getty)

Der Patron kommt in die Jahre, irgendwann muss er loslassen. Sein Familienunternehmen geht auf die nächste Generation über, und weiter geht’s. Das war lange gängige Praxis. Noch bis in die 1980er-Jahre hinein wurden laut Schätzungen vier von fünf Betrieben familienintern übergeben. Doch die Zeiten haben sich geändert. «Heute werden noch 40 Prozent der Nachfolgen familienintern geregelt», sagt Carla Jane Kaufmann, Nachfolge­expertin und Partnerin bei der Companymarket AG. Diese bezeichnet sich als grösste unabhängige Vermittlungsplattform für die Nachfolge in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie grösseren Firmen in der Schweiz.

Kaufmann weiss, woran es harzt. «Das Thema Nachfolge gibt es seit es Unternehmen gibt, aber es wird ihm zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, und der Markt ist zu wenig transparent.» Will heissen: Verkäufer und Käufer finden oft nicht zusammen, weil sie nichts voneinander wissen. Um das zu ändern, hat Kaufmann eine Firmendatenbank aufgebaut. In die Pflicht nimmt sie aber auch die Expertinnen und Experten, die Unternehmer bei Nachfolgeplanungen beraten. «Sie müssen raus zu den Leuten.» Aus dieser Erkenntnis ist auf Initiative des Experten Giacomo Garaventa die Idee entstanden, einen «Nachfolge­bus» auf die Strasse zu schicken. Dieser tourt durch die Schweiz, stoppt in einer Stadt, und ein Team aus 15 Fachleuten steht bereit für kostenlose Einzelgespräche. Zielpublikum sind einerseits Verkäufer von Firmen und andererseits Kaufwillige.

Carla Jane Kaufmann, Expertin für Unternehmensnachfolge. (Bild: PD)

Carla Jane Kaufmann, Expertin für Unternehmensnachfolge. (Bild: PD)

So will Kaufmann Patrons sensibilisieren. Denn: «Die Frage der Nachfolge wird in vielen Unternehmen zu spät an die Hand genommen. Es wird nicht darüber geredet.» Das kann sich rächen, wenn der Tag X naht und sich noch immer keine Lösung abzeichnet. «Man muss handeln, solange die Arbeit noch Freude bereitet. Es wird nicht einfacher, wenn man älter wird. Das gilt sowohl für den Unternehmer als auch für das Unternehmen», sagt Kaufmann. Hinzu komme, dass als Folge der Digitalisierung ältere Firmen oft nicht mehr genügend innovativ seien. «In diese muss man investieren. Das ist dann ein Risiko, aber auch spannend.» Das erfordere aber auch Zeit und Vorbereitung.

«Eine Firmengründung ist ein brutaler Prozess»

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Von den 600000 Unternehmen in der Schweiz stehen derzeit fast 74000 vor einer Nachfolgeregelung. Damit steht die Zukunft von 400000 Arbeitsplätzen auf dem Spiel. In der Summe scheitert die Nachfolge in rund 30 Prozent der Fälle. So gehen gut 5000 Betriebe und 30000 Arbeitsplätze jährlich verloren, wie eine Studie der Daten- und Analysefirma Bisnode D&B festhält.

2018 ging der «Nachfolge­bus» zum ersten Mal auf Tour. Der Start in Chur war «eine Herausforderung mit sehr geringer Resonanz». Besser lief es dann an den folgenden Etappen­zielen. Dieses Jahr war der Bus bereits in Zürich, Luzern und Weinfelden zu Gast, am kommenden Donnerstag macht er Halt in St.Gallen. «Inzwischen führen wir pro Etappenziel 30 bis 40 Einzelgespräche», sagt Kaufmann. In der Metropole Zürich seien die Besucher mehrheitlich Kaufinteressierte gewesen, in Weinfelden waren Verkäufer in der Überzahl. «Wir haben Vertreter spannender KMU getroffen.» Einige hätten bei den Fachleuten auch eine Zweitmeinung einholen wollen.

Was Kaufmann politisch stört:

«Der Bund fördert die Gründung von Start-ups mit Mitteln in Höhe von rund 300 Millionen Franken. Das ist eine gute Sache, aber er kümmert sich nicht um die Nach­folgeproblematik.»

Damit seien aber viele Unternehmer überfordert. Kaufmanns Rat: «Sich informieren und Hilfe suchen bei Fachleuten.» Zumal es nach ihrer Erfahrung oft einfacher ist, ein Unternehmen zu übernehmen und weiterzuführen, als selber eines zu gründen. «Eine Firmengründung ist ein brutaler Prozess, man muss alles von null auf aufbauen, viel Zeit, Kapital und Energie investieren, und man hat einen kleinen Output.» Dagegen sei eine Firmenübernahme vergleichbar mit dem Aufspringen auf einen fahrenden Zug. «Auch das ist ein Risiko und braucht Mut, aber das Ding läuft.»

Der «Nachfolgebus» in St.Gallen: Donnerstag, 12. September, 7 bis 12 Uhr, vor dem Scala am Bohl.

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