Software ersetzt die Manager

Die Automatisierung der Arbeitswelt schreitet weiter voran. Nun könnte auch das Management automatisiert werden. Der Fahrdienstleister Uber etwa tut das bereits. Der Weg zu virtuellen Chefs wirft aber auch viele Fragen auf.

Adrian Lobe
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In Amazons Logistikzentren sortieren Tausende Roboter Pakete. In einigen Krankenhäusern führen Roboter bereits Operationen durch. Und mittlerweile können Computer sogar Artikel schreiben. Fabrikarbeiter, Ärzte, Journalisten – kaum ein Beruf, wo nicht Roboter arbeiten.

Manager denken darüber nach, welche Folgen die Automatisierung für die Arbeitswelt haben könnten. Was sie dabei vergessen: Auch ihr Job könnte davon betroffen sein. Forscher des Think Tanks «Institute for the Future's Future of Work» haben kürzlich ein virtuelles Managementsystem entwickelt, das komplexe Arbeiten durch Aufspalten in kleinteilige Arbeitsschritte automatisiert. Der virtuelle Manager – iCEO genannt – delegiert Aufgaben über multiple Softwareplattformen und führt diese Stück für Stück zusammen.

«Wir waren erstaunt»

In einem ersten Test wurde der iCEO für die Organisation eines 124-Seiten-Berichts für einen prestigeträchtigen Kunden (Fortune-50-Unternehmen) programmiert. «Wir verbrachten ein paar Stunden, um die Parameter des Projekts einzustellen, etwa den Fluss der Aufgaben zu strukturieren, und drückten dann auf Start», schreibt Devin Fidler in einem Artikel für die Harvard Business Review. Ein Knopfdruck, und der virtuelle Manager stand bereit.

Um herauszufinden, wie der Werkstoff Graphen produziert wird, beauftragte der iCEO verschiedene Schreiber von Amazons Crowdworking-Plattform Mechanical Turk mit der Erstellung von Artikeln. Nachdem die Duplikate entfernt wurden, wurden die Texte an einen Pool technischer Redaktoren zum Redigieren weitergereicht. Ein gutes Dutzend Freiberufler aus 23 Ländern arbeitete dem virtuellen Manager zu. Am Ende stand dann der Bericht, ohne dass die Programmierer hätten intervenieren müssen. «Wir waren erstaunt von der Qualität des Endergebnisses und der Geschwindigkeit, mit der es produziert wurde», schreibt Fidler. Die Recherche für solch ein Papier würde typischerweise mehrere Wochen dauern, der iCEO schaffte es in nur drei Tagen.

Ein schmaler Grat

Der virtuelle Manager arbeitet schneller und vor allem: billiger. Fidler schreibt: «Unser iCEO-Prototyp verweist auf eine nicht allzu ferne Zukunft, in denen Programmierschnittstellen nicht nur simple Prozesse managen werden, sondern auch helfen, eine endlose Breite an Projekten zu konzeptualisieren und betreuen – Funktionen, die traditionell vom Management ausgeübt werden.» Kann eine Software Manager ersetzen?

J. P. Eggers, Professor für Management und Organisation an der Stern School of Business in New York, sagt im Gespräch mit dieser Zeitung: «Im gleichen Masse, wie Automatisierung den Bedarf von Managern reduziert hat, gibt es Manageraufgaben, die automatisiert werden können.» Es sei einfach, Dinge zu automatisieren, die eingespielt sind und gut funktionieren. Dinge, die schlecht laufen oder neue Aufgaben seien aber schwerer zu automatisieren – dafür müsse man mit dem Kontext und operativen Geschäft vertraut sein.

Wenn zu viele Prozesse automatisiert werden, weiss der eine Computer nicht mehr, was der andere tut. Der Einsatz künstlicher Intelligenz in den oberen Chefetagen hat also Grenzen.

Mittlere Ebene abgeschafft

Der Fahrdienstleister Uber hat das mittlere Management faktisch abgeschafft. Es gibt keinen Einstellungsprozess, keinen Arbeitsvertrag und faktisch keine Vorgesetzten. Der Fahrer wird von einer Software zum nächsten Kunden geschickt, den Preis bestimmt ein Algorithmus. Auf Grundlage eines Ratings können Fahrer entlassen werden – völlig geräuschlos, ohne dass Personalprozesse dazwischen geschaltet sind. Es gibt überhaupt keine Interaktion zwischen Fahrern und Firma. Die einzigen Personen, die involviert sind, sind der Fahrer und der Kunde.

Peter Reinhardt, Chef des Start-ups «Segment», schreibt in einem Blogeintrag: «Die Softwareschicht zwischen dem Unternehmen und ihren Armeen von Leiharbeitern eliminiert eine grosse Menge des mittleren Managements und schafft eine besorgniserregende Trennung zwischen Jobs, die automatisiert werden, und Jobs mit wachsendem Einfluss und Wert.» Doch auch in Zukunft wird es ohne Manager aus Fleisch und Blut wohl nicht gehen. Komplexe Entscheidungen bedürfen menschlicher Intelligenz. Unantastbar ist die Managergilde aber trotzdem nicht.