Interne Revision

So will sich Novartis selber kontrollieren: «Wer Angst hat, kontrolliert zu werden, der versteckt Dinge»

Gesetzeswidrige Verkaufspraktiken, Schmiergelder, frisierte Studien – Novartis sorgte immer wieder für negative Schlagzeilen. Nun schaltet sich die interne Revision ein. Sie soll keine Polizei sein, aber sehr unabhängig.

Stefan Schuppli
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Novartis-Chef Joe Jimenez. Key

Novartis-Chef Joe Jimenez. Key

KEYSTONE

Immer wieder sorgte Novartis für negative Schlagzeilen, sei es wegen gesetzeswidriger Verkaufspraktiken in den USA, Schmiergeldern in China und Korea oder frisierten Studien in Japan.

Ob die Vorwürfe rechtens sind oder nicht: Diese Themen rufen die Konzernjuristen auf den Plan. Und die interne Revision. Es war deshalb interessant, dass Noch-Novartis-Chef Joe Jimenez an der europäischen Konferenz zur internen Revision gestern in Basel zu Wort kam.

Merkmal der internen Revision ist die hybride Form: Sie gehört zwar zur Firma, ist aber nicht Teil der operativen Organisation. Sie muss unabhängig untersuchen können. Sie ist dem Verwaltungsrat unterstellt und hilft diesem bei der Erfüllung seiner Aufsichtspflichten.

«Eine heikle Balance»

Gleichzeitig ist die Revision aber auch darauf angewiesen, dass Firmenmitarbeiter frei erzählen, was Sache ist – ohne Rücksichten. Aber: «Niemand hat es gern, von der internen Revision befragt zu werden», sagt Jimenez. Und es gibt Leute, die haben Angst vor Audit, sagt er. «Wenn jemand Angst hat, kontrolliert zu werden, versteckt er Dinge», sagte Jimenez.

«Unsere internen Revisoren müssen die heikle Balance finden, sehr unabhängig zu sein und trotzdem eine Geisteshaltung der Zusammenarbeit zu finden.» Die Revisoren sollten keine Polizei, aber auch keine mit der Belegschaft oder dem Management verbandelte Truppe sein.

Wenn eine Unregelmässigkeit entdeckt wird, müsse der Lerneffekt das Ziel sein, nicht das Bestrafen. Wichtig sei, aus Fehlern die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Ein Fehler soll nur einmal vorkommen. Dies müsse sich in der ganzen Firmenkultur spiegeln.

Nach seiner Auffassung sollte es sogar so sein, dass die internen Revisoren auch berichten können, ob sich diese Kultur in die richtige Richtung bewegt. «Die Kultur muss die Strategie tragen, sonst scheitert die Firma kläglich», so Jimenez.

Wie wirksam sind Revisoren?

Wichtig sei auch, dass Risiken früh erkennt würden. Revisoren müssen das Ohr am Geschäft haben. Die wohl grösste Herausforderung ist, die nötigen Fachleute für diese Aufgabe zu finden.

Sie müssen eine Art Tausendsassas sein, die in sehr vielen Bereichen sehr gut beschlagen sind. Wie wirksam die interne Revision denn sei, wurde Jimenez gefragt. «Wichtig ist, dass sie schon mal da ist. Ich weiss nie, wenn die in mein Büro hereinplatzen.»

Auch Denis Neukomm, Geschäftsführer des Schweizerischen Verbandes für interne Revision, sagt, dass Entwicklungen antizipiert werden müssten. Das Verhalten von Mitarbeitern sei von strategischer Bedeutung für den Unternehmenserfolg, sagt Neukomm.

Eine stabile Corporate Governance, eine geordnete, korrekte Unternehmensführung hätten direkten Einfluss auf den Unternehmenswert, den Investoren und Gesellschaft einer Firma beimessen.

An der Konferenz in Basel nahmen 800 Fachleute aus 50 Ländern teil.