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SMARTPHONES: Apple am Pranger

Investoren setzten Apple unter Druck – weil das führende Produkt des Technologiekonzerns Kinder und Jugendliche süchtig mache.

Die Börsianer gaben sich vorerst unbeeindruckt. Der Kurs der Apple-Aktie gab an der New Yorker Technologiebörse gestern nur leicht nach, nachdem der Konzern übers Wochenende unter Druck aktivistischer Anteilseigner gekommen war. In einem offenen Brief forderte der Hedgefonds Jana Partners im Gespann mit der Pensionskasse der Lehrerinnen und Lehrer im Staat Kalifornien (CalSTRS), Apple müsse dem Missbrauch von iPhones durch Kinder und Jugendliche ­einen Riegel schieben.

Die Aktionäre, im Besitz von Apple-Papieren im Wert von 2 Milliarden Dollar, verlangten, dass der Konzern eine neue Software entwickle, die es Eltern ermögliche, besser zu kontrollieren, wie oft ihre Kinder zum iPhone greifen. Auch möchten die Investoren eine Studie, die aufzeigt, wie sich der Gebrauch von Smartphones auf die Gesundheit von Minderjährigen auswirkt.

«Wir lieben unsere Telefone mehr als Menschen»

Anlass für die Kampagne sind Studien, in denen in einem zunehmend alarmistischen Tonfall über junge Amerikanerinnen und Amerikaner und ihre Beziehung zu modernen Telefonen gesprochen wird. Die Psychologin Jean Twenge, die an der San Diego State University in Kalifornien forscht, prägte in diesem Zusammenhang den Begriff «iGen», um das Sozialverhalten der amerikanischen Teenager zu beschreiben. Twenge ist der Meinung, dass junge Amerikaner süchtig nach ihren Smartphones seien und dies erschreckende Auswirkungen auf ihre Gesundheit habe. So ist die Zahl der klinischen Depressionen und Selbstmorde seit 2011 explodiert. «Ich glaube, wir lieben unsere Telefone mehr als Menschen aus Fleisch und Blut», zitiert Twenge in ihrem aktuellen Buch – das Ende Mai unter dem Titel «Me, My Selfie and I» erscheinen wird – eine Teenagerin.Apple könne diese bedrohliche Entwicklung endlich ernst nehmen, heisst es im Brief der Investoren an den Technologiekonzern – und im Silicon Valley eine Vorreiterrolle spielen. Falls Apple das Problem ignoriere, dann drohe nicht nur die Reputation der Firma Schaden zu nehmen, sondern auch ein Zerfall des Aktienkurses. Apple ist mit einem Börsenwert von fast 900 Milliarden Dollar derzeit (mit Abstand) die wertvollste amerikanische Firma. Das iPhone wiederum ist die Stütze der Firma, die im Fiskaljahr 2017 einen Gewinn von mehr als 48 Milliarden Dollar erwirtschaftete, wie das «Wall Street Journal» vorrechnete. Eine Antwort von Apple auf den ungewöhnlichen Appell eines namhaften Aktionärs war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch ausstehend.

Jana Partners und CalSTRS deuteten in ihrem offenen Brief aber an, dass sie recht hartnäckig um die Verfolgung ihrer Ziele kämpfen werden. So gelang es den Investoren, nebst Professor Jean Twenge und anderen Fachleuten auch den Sänger Sting, seine Gattin Trudie Styler sowie die katholische Ordensschwester Patricia Daly einzuspannen. Diese besitzt unter aktivistischen Aktionären einen klingenden Namen, weil es ihr gelang, dem Erdöl-Multi Exxon Mobil umweltpolitische Zugeständnisse abzuringen.

Renzo Ruf, Washington

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