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Slack: Brecher der Informationsflut

Die Büro-App Slack hat einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Branchengrössen wie Microsoft und Amazon versuchten bisher vergebens, sich das erfolgreiche Start-up einzuverleiben.
Adrian Lobe
Der Kopf hinter Slack: Stewart Butterfield. (Bild: David Paul Morris (San Franciso, 31. Januar 2017))

Der Kopf hinter Slack: Stewart Butterfield. (Bild: David Paul Morris (San Franciso, 31. Januar 2017))

Das Gefühl ist bekannt: Man kommt aus den Ferien ins Büro zurück, öffnet sein Mail-Postfach und sieht, dass in der Abwesenheit 500 Nachrichten aufgelaufen sind: Mails von Kollegen, externe Anfragen und jede Menge Spam. 1971 wurde die erste Mail verschickt. Inzwischen ist daraus ein ernstes Problem erwachsen: Jeden Tag werden weltweit 270 Milliarden E-Mails versandt. Das sind ungefähr 72 Mails pro Person (nur die Hälfte der Weltbevölkerung hat überhaupt einen Internetzugang). Eine gigantische Informationsflut, mit deren Abarbeitung man kaum noch hinterherkommt.

Die Bürosoftware Slack will Abhilfe schaffen: Auf einer Benutzeroberfläche können Nutzer Direktnachrichten versenden, Videokonferenzen mit Kunden organisieren und Dateien austauschen. Slack, ein Akronym für «Searchable Log of All Conversation and Knowledge» (etwa: suchbares Log für Unterhaltung und Wissen), bündelt die Bürokommunikation auf einer Plattform. Man kann es sich wie einen Gruppenchat fürs Büro vorstellen. Statt endlos langer E-Mail-Ketten können Teammitglieder Channels nach Bedarf beitreten und sie wieder verlassen. Die Software wurde vom Magazin «Time» zum E-Mail-Killer ausgerufen.

Liebling der Investoren

Klar, dass so ein Versprechen bei Unternehmen auf Resonanz stösst. Slack ist eine der am schnellsten wachsenden Business-Apps. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen mittlerweile acht Millionen Nutzer und über 50 000 «Teams», also Chatgruppen. Das Start-up geht seit seiner Gründung 2014 regelrecht durch die Decke. Der Marktwert liegt inzwischen bei über 5 Milliarden Dollar, bei der nächsten Finanzierungsrunde soll das Unternehmen 400 Millionen Dollar Kapital einsammeln.

Gründer Stewart Butterfield ist der Liebling der Investoren: bodenständig, bescheiden, beredt. 1973 in dem kanadischen Fischerdorf Lund geboren, wuchs er bei seinen Eltern in einer Hippie-Kommune auf. Die Familie hatte in ihrem Landhaus weder Wasser noch Strom. Im Alter von sieben Jahren brachte sich der Autodidakt mit Hilfe von Computer-Fachzeitschriften am heimischen Apple-II-Rechner das Programmieren bei. In der High School verlor er das Interesse an Computern. Nach seinem Schulabschluss schrieb er sich an der University of Victoria für ein Studium der Philosophie ein. Auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms zog es ihn ins Silicon Valley. Mit seiner Frau Caterina Fake gründete er 2004 den Fotodienst Flickr, den er ein Jahr später für kolportierte 25 Millionen Dollar an Yahoo verkaufte. Eine Entscheidung, die Butterfield heute als «falsch» bezeichnet – er hätte einen wesentlich höheren Preis aufrufen können. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, ein Video-Spiel auf den Markt zu bringen, baute er die Chat-Funktion des Games zur Kommunikationsplattform aus. So wurde aus einer gescheiterten Spiele-Idee eine erfolgreiche Büroanwendung.

Von der Idee bis zur Firma mit 1000 Mitarbeitern

Butterfield hat eine typische Karriere im Silicon Valley hingelegt: Hippie-Sozialisation, Studium der Sozialwissenschaften, mehrfaches Scheitern. Seine unternehmerischen Ziele verknüpft er mit einer persönlichen Mission: Für ihn ist der Mail-Verkehr das Übel der digitalen Gesellschaft. Mails nannte er einmal die «Kakerlaken des Internets». Der Entrepreneur ist sich inzwischen bewusst, dass E-Mails nicht totzukriegen sind. Doch je mehr er Mails als standardisierte Form der Internet-Kommunikation zurückdrängt, desto mehr Wachstumspotenziale hat sein Unternehmen.

Slack beschäftigt mittlerweile über 1000 Mitarbeiter, neben seinem Hauptquartier hat das Unternehmen Büros auf der ganzen Welt: in Dublin, Vancouver, New York, Toronto, London, Tokio, Oslo, Paris, Hongkong und Melbourne. Microsoft war 2016 offenbar bereit, 8 Milliarden Dollar für den Messenger zu bezahlen (die Übernahme scheiterte am Veto von Bill Gates und Satya Nadella, die den hauseigenen Internettelefonie-Dienst Skype ausbauen wollten), Amazon bot angeblich 9 Milliarden Dollar – das wäre ein Marktpreis von 6000 Dollar pro Nutzer. Zum Vergleich: Facebook zahlte bei der Übernahme von Instagram für eine Milliarde umgerechnet 33 Dollar für jeden Nutzer – obwohl der Fotodienst damals kein Geld verdiente. Zwar ist Slack noch immer nicht profitabel, was für ein Unicorn keine Seltenheit ist. Von den 8 Millionen Nutzern sind lediglich 3 Millionen zahlende Kunden, welche die Standard- und Plus-Version mit zusätzlichen Features wie interaktive Bildschirmfreigabe und Videoanrufen bis 15 Teilnehmer für 6,25 Euro bzw. 11,75 Euro im Monat nutzen. Doch das Messenger-Unternehmen sitzt auf einem wahren Datenschatz.

«Man könnte sich einen ständig verfügbaren virtuellen Chef vorstellen, der jede Nachricht in Slack liest und diese Infos dann auf Basis Ihrer Präferenzen darstellt.»

Gründer Butterfield verfolgt das ambitionierte Ziel, den Nutzern einen virtuellen Assistenten zur Seite zu stellen, der aus den Suchanfragen mit Hilfe künstlicher Intelligenz lernt und ihnen proaktiv Empfehlungen unterbreitet. In einem Interview mit der Fachzeitschrift «MIT Technology Review» sagte er: «Man könnte sich einen ständig verfügbaren virtuellen Chef vorstellen, der jede Nachricht in Slack liest und diese Infos dann auf Basis Ihrer Präferenzen darstellt, die er über die Zeit gelernt hat. Egal, ob man morgens aufsteht, aus einem Meeting rauskommt oder aus dem Flugzeug steigt – wenn man Slack checkt, könnte dieser virtuelle Chef auf Sie warten, idealerweise mit einer nahezu perfekten Liste, die am wichtigsten für Sie sind.» Dass eine solche künstliche Büroassistenz mit dem Datenschutz in Konflikt steht, ist offenkundig.

Erst jüngst sorgte Slack für Aufsehen durch eine Policy-Lockerung, die es Arbeitgebern ermöglicht, über eine Option in den Einstellungen Direktnachrichten ihrer Mitarbeiter ohne deren Einverständnis mitzulesen. Auch auf arbeitsrechtlichem Wege können Arbeitgeber den Datenexport erstreiten. Laut dem Transparenzbericht erhielt Slack zwischen dem 1. November 2017 und dem 30. April 2018 14 Datenanfragen von US-amerikanischen Strafverfolgungs- und Regierungsbehörden: acht Vorladungen, eine gerichtliche Anordnung sowie fünf Durchsuchungsbefehle. Wer anonym im Internet kommunizieren will, ohne dass der Chef oder die Geheimdienste mitlesen, sollte besser eine verschlüsselte E-Mail schreiben.

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