Singapur steigt bei Julius Bär ein – Spekulationen um CEO 

Der Staatsfonds des asiatischen Stadtstaats überschreitet eine Beteiligungsschwelle und löst kräftige Anschlusskäufe aus. Bei der Vermögensverwaltungsbank könnte zudem ein Chefwechsel anstehen.

Daniel Zulauf
Drucken
Teilen
Über seine Zukunft bei Julius Bär wird vermehrt spekuliert: CEO Bernhard Hodler (rechts). (Bild: Stefan Wermuth/Bloomberg, Zürich, 23. Juli 2018)

Über seine Zukunft bei Julius Bär wird vermehrt spekuliert: CEO Bernhard Hodler (rechts). (Bild: Stefan Wermuth/Bloomberg, Zürich, 23. Juli 2018)

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Ausstieg bei UBS taucht der singapurische Staatsfonds GIC wieder bei einer Schweizer Bank als Gross­aktionär auf. Diesmal heisst die Glückliche Julius Bär. Am 29. Mai hat der Fonds die meldepflichtige Beteiligungsschwelle von 3 Prozent überschritten. Am Dienstag erging via Börse die entsprechende Pflichtmeldung.

Den Grossteil der 6,9 Millionen Aktien mit einem aktuellen Marktwert von rund 280 Millionen Franken dürfte GIC allerdings schon vor längerer Zeit erworben haben. Schliesslich haben die Papiere seit Anfang Mai um die 20 Prozent an Wert verloren. Nun hat die Nachricht über die Ankunft des neuen Grossaktionärs den Abwärtstrend gestoppt. Die Aktien gingen am Dienstag zu einem Kurs von über 40 Franken aus dem Handel – ein Tagesgewinn von mehr als 3 Prozent.

Investition in UBS-Aktie ging schief

Was sich die Anleger von GIC versprechen, ist naturgemäss pure Spekulation. Mit einiger Sicherheit ausschliessen lässt sich indessen, dass der Fonds einen aggressiven Beteiligungsaufbau nach dem Vorbild des chinesischen Finanzkonglomerates HNA im Schilde führt. Dafür gehen die Geldmanager des Stadtstaates viel zu systematisch vor. Das Vermögen von über 100 Milliarden Dollar ist auf mehr als 40 Länder und auf eine grosse Zahl von Firmen verteilt, wie sich der GIC-Website entnehmen lässt. Der Fonds verfolgt den sogenannten Value-Ansatz, er sucht also nach Aktien, deren aktueller Kurs tiefer ist als ihr angenommener Wert. Das dürfte am Dienstag eine zentrale Handelsanleitung für viele Nachahmer gewesen sein.

Doch wie das Beispiel UBS zeigt, können sich auch ausgefuchste Investmentspezialisten schwer täuschen. Ende 2007, als die Krise des Finanzkonzerns schon überall deutlich sichtbar war, schaffte der damalige UBS-Präsident Marcel Ospel das Wunder, GIC zu einer Investition von 11 Milliarden Franken zu bewegen. Doch bald sollte sich zeigen, dass die Krise noch weit gravierender war, als es in den ersten Monaten den Anschein machte. GIC war bei einem Kurs von 46 Franken eingestiegen. Beim Ausstieg im Mai vor zwei Jahren notierten die Aktien nur noch knapp über 16 Franken. Abgesehen von einem kurzen Ausflug auf knapp 20 Franken im Januar 2018 hat sich der Kursrückgang bis heute fortgesetzt.

Aber warum interessiert sich GIC für Julius Bär? Nach dem eineinhalbjährigen Übergangsregime unter CEO Bernhard Hodler steht die Bank unmittelbar vor einem Chefwechsel. Eine entsprechende Bekanntmachung könnte es nach Informationen aus gut unterrichteten Kreisen schon in den nächsten Monaten geben.

Wachstum der Vermögen hat sich verlangsamt

Bereits seit April hat Julius Bär in der Person des früheren Börsen-Präsidenten und ehemaligen Credit-Suisse-Managers Romeo Lacher einen neuen Verwaltungsratschef. Dieser will der Bank frische Impulse geben. In den ersten vier Monaten des Jahres hat sich das Wachstum der Kundenvermögen deutlich verlangsamt und ist unter den langfristigen Zielwert von 4 bis 6 Prozent pro Jahr abgerutscht.

Dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Eine davon ist, dass der frühere CEO Boris Collardi einige Kunden und ihre Berater nach Genf locken konnte. Collardi ist seit einem Jahr für die Bank Pictet tätig. Das Thema bewegt zwar die Finanzmedien, aber von einem Exodus bei Julius Bär kann bislang dennoch kaum die Rede sein. Auch ein neuer Bär-CEO dürfte keine schnellen Wunder in der Kundenakquise vollbringen. Zu erwarten sind vielmehr handfeste Taten im operationellen Betrieb.

Das künftige Führungsduo wird Antworten auf die Frage liefern müssen, wo Julius Bär ohne Qualitätsverlust noch Kosten sparen kann. GIC scheint sich einiges davon zu versprechen.

Julius Bär steigert Vermögen in ersten vier Monaten

Die Vermögensverwaltungsbank Julius Bär hat in den ersten vier Monaten 2019 von der guten Entwicklung der Finanzmärkte profitiert. Die verwalteten Vermögen sind auf einen neuen Rekordstand gestiegen. Der Neugeldzufluss harzte allerdings.