World Economic Forum 2021
Singapur statt Bürgenstock: Das nächste WEF findet definitiv im Ausland statt

Das Weltwirtschaftsforum 2021 findet definitiv nicht in der Schweiz sondern in Asien statt. Laut den Organisatoren des WEF wird das nächste Treffen im kommenden Mai in Singapur abgehalten.

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Schwätzchen mit den Mächtigen: Klaus Schwab empfängt Anfang Jahr zum zweiten Mal US-Präsident Donald Trump in Davos.

Schwätzchen mit den Mächtigen: Klaus Schwab empfängt Anfang Jahr zum zweiten Mal US-Präsident Donald Trump in Davos.

Keystone

(wap/sat) Das nächste Weltwirtschaftsforum (WEF) findet definitiv nicht in der Schweiz statt. Wie die Organisatoren am Montag mitteilten, haben sie sich definitiv für Singapur entschieden. Das Nachsehen haben damit die Stadt Luzern respektive der nahegelegene Bürgenstock im Kanton Nidwalden.

In einem Jahr will das WEF dann jedoch zurückkehren in die Schweiz. Dies jedoch nach Davos. Traditionellerweise fand das Treffen der weltweiten Eliten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten jeweils in der letzten Januarwoche im Landwassertal statt.

«Ein Gipfeltreffen der globalen Führung ist von entscheidender Bedeutung, um zu diskutieren, wie wir uns gemeinsam von der Pandemie erholen können», wird WEF-Gründer Klaus Schwab in der Mitteilung zitiert.

Die Tagung solle das erste globale Treffen in der Pandemie sein, an dem sich Führungskräfte aus Wirtschaft, Regierung und Zivilgesellschaft persönlich treffen könnten. Zudem solle der Ortswechsel die Priorität des Forums widerspiegeln, «die Gesundheit und Sicherheit der Teilnehmer und der Gastgebergemeinschaft zu schützen», wie es in der Mitteilung heisst.

Virtuelle «Davos»-Tagung als Ersatz

Laut der Nachrichtenagentur Reuters schrieb WEF-Chef Borge Brende am Montag in einer Mail, die Leitung des Jahrestreffens habe sich «leider» gegen Europa entscheiden müssen, weil es angesichts der aktuellen Covid-19-Situation hier «unwahrscheinlich» sei, dass man in der Lage wäre, die notwendigen Voraussetzungen für den Anlass zu schaffen. Singapur dagegen sei «sehr erfolgreich im Umgang mit der Pandemie» gewesen, so WEF-Chef Brende. In dem Stadtstaat bewegen sich die Zahlen der Coronainfektionen derzeit pro Tag lediglich im zweistelligen Bereich.

Wie das WEF in seiner Mitteilung schreibt, soll jedoch für die traditionelle Schweizer «Davos-Woche» Ende Januar ein virtuelles Angebot auf die Beine gestellt werden. Dies nicht zuletzt, um das «Vertrauen wiederherzustellen». An dieser «Davos-Agenda» sollen Staats- und Regierungschefs, CEOs sowie Vertreter der Zivilgesellschaft teilnehmen.

Bereits zweiter Ortswechsel in der Pandemie

Noch bis vor zwei Wochen war vorgesehen, dass das WEF 2021 auf dem Bürgenstock in Nidwalden stattfinden soll. Dann wurde bekannt, dass die WEF-Leitung zwei Bundesräte über einen möglichen Wegzug nach Singapur informiert hatte. Der asiatische Stadtstaat hat im Gegensatz zur Schweiz die Ausbreitung des Coronavirus unter Kontrolle gebracht und kommt Geschäftsleuten in seinen Quarantäneregelungen entgegen. Davor war zugleich länger geplant gewesen, dass das WEF auch kommendes Jahr in Davos stattfinden solle – allerdings im Frühsommer und in reduziertem Rahmen.

Bereits einmal wurde das WEF aufgrund weltpolitischer Ereignisse ins Ausland verlegt: 2002 fand es als Antwort auf die Terroranschläge vom 11. September in New York statt. Bereits im Jahr darauf trafen sich die Mächtigen der Welt aber wieder in Davos. Das erste WEF hatte 1971 stattgefunden. Organisiert vom 32-jährigen Klaus Schwab wurde in Davos damals über den Aufstieg amerikanischer Grosskonzerne und den «Einfluss von Computern auf das Leben jedes Einzelnen» diskutiert.

Feindbild der Globalisierungskritiker von links und rechts

Unumstritten war das WEF nur in seinen frühen Jahren. Dass sich die globale Elite von Wirtschaft und Politik bei einem privat organisierten Anlass in einem Alpenkurort traf, war immer auch eine Provokation. Ende der 1990er-Jahre geriet das WEF in den Brennpunkt der links-alternativen Antiglobalisierungsbewegung. In Schweizer Städten war der Slogan «Wipe out WEF» an den Hauswänden zu lesen, an Anti-WEF-Demonstrationen kam es regelmässig zu Ausschreitungen. Steigende Sicherheitskosten warfen nach der Jahrtausendwende gar die Frage auf, ob sich die Schweiz das WEF noch leisten könne.

Mit dem Wahlkampf von Donald Trump vor vier Jahren wurde das WEF schliesslich auch für die Rechte zu einem Symbol für ungebremste Globalisierung und internationalen Elitismus. Trump sprach vom «Davos Man», der für den Niedergang des amerikanischen Industriearbeiters verantwortlich sei. Als Präsident liess es sich Trump dann jedoch nicht nehmen, selbst gleich zwei Mal nach Davos zu reisen – letztmals im Januar. Dabei nahm er sich auch Zeit für ein Treffen mit Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Dann kam das Coronavirus.

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