Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Sika, Familienerben und Saint-Gobain beenden Streit

Der seit Ende 2014 dauernde Übernahmestreit zwischen der Sika-Führung, der Besitzerfamilie und dem französischen Industriekonzern Saint-Gobain ist vom Tisch: Die Parteien haben sich geeinigt. Saint-Gobain wird Aktionärin, übernimmt aber nicht die Kontrolle bei Sika.
Daniel Zulauf
Nach langen Verhandlungen: Nun ist der Streit bei Sika vom Tisch. (Bild: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)

Nach langen Verhandlungen: Nun ist der Streit bei Sika vom Tisch. (Bild: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)

Der Zuger Baustoffkonzern Sika bleibt unabhängig und kommt nicht unter die Fittiche der Saint-Gobain-Gruppe. Die überraschende Einigung um den Verkauf einer Kontrollbeteiligung der Gründererben liessen Verwaltungsratspräsident Paul Hälg und dessen Konzernchef Paul Schuler auf einer kurzfristig einberufenen Medien- und Analystenkonferenz mit eisgekühltem Champagner begiessen. Noch vor zwei Tagen hätte Saint-Gobain-Chef Pierre-André de Chalendar diese Geste als Provokation auffassen müssen. Doch nun nimmt die dreieinhalbjährige Fehde sowohl für ihn wie auch für die Erben des Unternehmensgründers ein versöhnliches Ende.

De Chalendar spricht in einer Medienmitteilung von einem «sehr positiven» Ausgang des in der Geschichte des Schweizer Kapitalmarktes beispiellosen Konfliktes. Für die Saint-Gobain-Aktionäre springt ein Gewinn von 600 Millionen Euro heraus. Urs Burkard zeigt sich im Namen der Gründerfamilien «begeistert» von der Lösung. Als wichtigster Sika-Kunde werde Saint-Gobain nun doch noch dessen grösster Aktionär. Burkard und seine Nächsten machen auch finanziell einen guten Schnitt: Die Familie hält zwar nur etwas mehr als 16 Prozent aller Kapitalanteile, kontrolliert über die privilegierten Namenaktien aber eine Stimmenmehrheit von 53 Prozent. Diese lässt sie sich nun mit 3,22 Milliarden Franken versilbern. Der Betrag entspricht einer Prämie von 754 Millionen Franken oder 23,3 Prozent gegenüber dem Schlusskurs der Sika-Inhaberaktien vom 4. Mai. Ende 2014 hätten sich die Erben noch mit 2,75 Milliarden zufriedengegeben. Damals hätte die Prämie aber noch mehr als 80 Prozent betragen. Möglich wurde der Deal nicht zuletzt durch die spektakuläre Kursentwicklung der Sika-Inhaberaktien. Deren Wert ist seit Ende 2014 um mehr als 150 Prozent auf über 8000 Franken gestiegen. Im Kampf gegen eine unfreundliche Übernahme gehöre eine gute Kursentwicklung zu den matchentscheidenden Faktoren, erklärt Sika-Anwalt Peter Nobel am Rande der Pressekonferenz (siehe Interview).

Saint-Gobain verzichtet auf Sitz im Sika-Verwaltungsrat

Technisch wird die komplexe Situation in zwei Schritten aufgelöst: Sika kauft den Familienaktionären zunächst zwei Drittel derer Beteiligung (6,97 Prozent) ab. Die auf den 11. Juni anberaumte ausserordentliche Generalversammlung soll schliesslich die Vernichtung dieser Aktien beschliessen. Für die verbleibenden Sika-Aktionäre ergibt sich daraus eine Gewinnverdichtung pro Aktie, die Hälg mit 5 Prozent bis 6 Prozent bezifferte. Die restlichen Aktien gehen an Saint-­Gobain. Damit erlangt der französische Konzern einen Kapitalanteil von 10,75 Prozent und wird der grösste Aktionär von Sika. Die Franzosen verzichten jedoch auf das Stimmrechtsprivileg und werden deshalb am 11. Juni auch der Schaffung einer Einheitsaktie zustimmen. Auch erhebt Saint-Gobain keinen Anspruch auf Einsitz im Sika-Verwaltungsrat mehr. Dennoch verpflichtet man sich, die Sika-­Titel während mindestens zweier Jahre zu halten. Für den Fall einer Weiterveräusserung darf Sika während sechs Jahren jeweils das erste Angebot unterbreiten. Während dieser Zeit ist es Saint-Gobain auch verboten, ein öffentliches Übernahmeangebot an die Sika-Aktionäre abzugeben.

Die Börse nahm den Durchschlag des Gordischen Knotens euphorisch auf. Die Sika-Aktien legten gestern zeitweise fast 10 Prozent zu und gingen 8 Prozent höher aus dem Handel. Der Börsenwert beträgt derzeit rund 18 Milliarden Franken. Die juristischen Kosten der Auseinandersetzung belaufen sich auf mehr als 50 Millionen Franken. Für Sika war die Pattsituation aber auch operativ eine Bremse. Man sei bei verschiedenen Übernahmeversuchen nicht mehr zum Zug gekommen, weil verkaufswillige Unternehmer sicher sein wollten, dass ihre Firma in einem Grosskonzern wie Saint-Gobain nicht einfach untergingen, sagte CEO Paul Schuler. Auch für das Management sei die Situation sehr belastend gewesen. Nicht nur seien für den Abwehrkampf unzählige freie Wochenenden draufgegangen. Auch die Rekrutierung von Schlüsselmitarbeitern sei ­zunehmend schwierig geworden.

Dass Sika den Umsatz in den letzten drei Jahren trotzdem um durchschnittlich 7 Prozent pro Jahr zu steigern vermochte, grenzt deshalb an ein Wunder. Schuler erklärte dies mit der starken Firmenkultur, die sich noch weiter verfestigt habe. Schon zu Beginn des Konfliktes hatte die Sika-Führung den geschlossenen Rücktritt angedroht, sollte Saint-Gobain die Gesellschaft übernehmen. Obwohl Sika die Auflösung des Streites über die Aufnahme zusätzlicher Schulden finanzieren musste, sieht Schuler keine Beschränkung des künftigen Wachstums. Der hohe Mittelfluss reiche aus, die Bilanz schnell ins Lot zu bringen. In Zukunft will Sika in puncto Übernahmen noch aggressiver zu Werke gehen. Bislang hätten sich die Familienaktionäre aus Risikoüberlegungen gegen grössere Übernahmen im Umfang von 500 Millionen Franken oder mehr gesträubt.

Die drei Vertreter der Familienaktionäre haben den Sika-Verwaltungsrat per sofort verlassen. An der nächsten Generalversammlung dürften Hälg und seine Mitstreiter die Nachzahlung der von den Familien blockierten Verwaltungsratshonorare beantragen. «Davon dürfen Sie ausgehen», sagte der Präsident auf eine entsprechende Journalistenfrage.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.