Sika-Erben strafen Verwaltungsrat über Vergütungen

Die Familien-Erben der Sika zeigen ihren Unmut, indem sie den Vergütungsbericht 2014 ablehnten und zu den bis zur nächsten Generalversammlung geplanten Entschädigungen des Verwaltungsrats Nein sagten. Ausserdem wurde entschieden, dass die Umstrittene Opting-Out -Klausel bestehen bleibt.

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Eine Übersicht über die Generalversammlung. (Bild: Keystone)

Eine Übersicht über die Generalversammlung. (Bild: Keystone)

Der Vergütungsbericht 2014 wurde mit etwas über 70 Prozent abgelehnt. Das habe aber keine rechtlichen Konsequenzen, da es sich um eine konsultative Abstimmung gehandelt habe, sagte Verwaltungsratspräsident Paul Hälg.

Hingegen fehlt nun für die künftige Vergütung des Verwaltungsrats die Grundlage: Das Entschädigungspaket für die nächste Amtsdauer wurde mit knapp 70 Prozent abgelehnt. Der Verwaltungsrat hatte für seine neun Mitglieder eine Gesamtentschädigung von total maximal 3 Millionen Franken vorgeschlagen.

Der Verwaltungsrat bedauere den Entscheid der GV, dieser ändere aber nichts an der Wahlannahme der Verwaltungsräte und an ihrem Engagement, sagte Hälg. Fast ohne Gegenstimmen genehmigt wurde die Vergütung von total bis zu 18 Millionen Franken für die Konzernleitung.

Im Nein zur Entschädigung für den Verwaltungsrat macht sich die Stimmenmacht der Erben-Familie (SWH) bemerkbar, denn sie konnte mit ihrer vollen Stimmkraft entscheiden. Bei einigen anderen Traktanden blieben ihre Rechte beschnitten - ein juristischer Kniff, den der Verwaltungsrat anwendet, um den Verkauf ihrer vollen Stimmkraft an Saint-Gobain vorerst zu verhindern.

Opting-Out-Klausel bleibt

Die Opting-Out-Klausel, mit welcher neue Grossaktionäre auf ein öffentliches Kaufangebot verzichten können, bleibt bestehen. Den Antrag gestellt hatte die Aktionärsvertreterin Ethos. Ihr Direktor Dominique Biedermann bat die Generalversammlung vergeblich um Unterstützung. Allerdings war ihm nach eigener Aussage bewusst, dass er mit dem Antrag nicht durchkommen wird, da die Erben-Familie mit ihrer vollen Stimmkraft entscheiden konnte. Der von der Familie unabhängige Verwaltungsrat wäre für die Streichung gewesen.

Diese statutarische Klausel ist im Streit um Sika ein wichtiges Element. Durch sie ist es möglich, dass die Familien-Erben ihren Mehrheitsanteil an Saint-Gobain verkaufen können und zugleich alle anderen Aktionäre aussen vor bleiben.

Ohne die Klausel müsste Saint-Gobain für den Rest des Aktienkapitals ein öffentliches Kaufangebot machen. Nach Schweizer Börsengesetz ist ein Übernahmeangebot ab einem Anteil von einem Drittel erforderlich, sofern keine Ausnahmeregelung besteht.

Gemäss der Anlagestiftung Ethos ist es durch die Kombination dieser Klausel und den zwei Kategorien von Aktien möglich geworden, dass die Familien Burkard ihren Anteil am Kapital der Sika mit einer Prämie von rund 80 Prozent verkaufen. Die Minderheitsaktionäre, die kein Kaufangebot erhalten, werden gemäss Ethos benachteiligt. (sda)

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