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Sika wird auf einen Schlag modern

Die Aktionäre haben den jahrelangen Streit um den Bauchemiekonzern Sika an der ausserordentlichen Generalversammlung definitiv beendet. Neu sind alle Anteilseigner gleichgestellt. Das Unternehmen will jetzt möglichst zügig weiterwachsen.
Livio Brandenberg
Stand gestern einmal mehr im Fokus: Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Baar, 11. Juni 2018)

Stand gestern einmal mehr im Fokus: Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg. (Bild: Urs Flüeler/Keystone, Baar, 11. Juni 2018)

Die Erleichterung war am Montag allseits spürbar an der ausserordentlichen Generalversammlung (GV) der Sika in Baar. So war die Stimmung beim Management, den anwesenden Aktionären sowie bei den Analysten positiv, schwappte teilweise sogar ins Euphorische. Mitte Mai hatten sich die Erbenfamilie Burkard, das Sika-Management und auch der ursprüngliche Wunsch-Käufer, die französische Saint-Gobain, in einem komplizierten Deal geeinigt, der die ausserordentliche GV notwendig machte.

An dieser wurden nun am Montag alle Anträge des Verwaltungsrats mit über 99 Prozent genehmigt. Die wohl wichtigste Neuerung: Ab sofort gibt es bei der Sika nur noch eine Einheitsaktie, die Zeiten der Stimmrechtsaktie sind vorbei. Die grösste Aktionärin ist Saint-Gobain mit einem Kapitalanteil von 10 Prozent, dahinter folgt mit 6,8 Prozent der weltgrösste Vermögensverwalter, Blackrock. Drittgrösster Sika-Aktionär ist die Investorengruppe Cascade Investment und die Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung mit 6 Prozent. Die Namenaktien, welche Sika von der Schenker-Winkler-Holding gekauft hat (entsprechend 6,97 Prozent des Kapitals), werden wie geplant vernichtet. Der letzte Handelstag der alten Inhaberaktie wird laut Verwaltungsratspräsident Paul Hälg voraussichtlich am Dienstag sein; am Mittwoch sollen die neuen Einheitsaktien erstmals an der Börse gehandelt werden.

Im gleichen Zug stimmte die GV der Aufhebung der Opting-out-Klausel zu, die einem Käufer erlaubt, eine Übernahme ohne öffentliches Kaufangebot an alle Aktionäre der Firma zu tätigen. Ebenso strich die Versammlung die Vinkulierung, also die Möglichkeit, einem bestimmten Halter von Namenaktien den Eintrag ins Aktienbuch zu verwehren und somit dessen Stimmkraft zu beschneiden. Damit wird Sika auf einen Schlag moderner.

Der neue Sika-Verwaltungsrat Justin Howell. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Der neue Sika-Verwaltungsrat Justin Howell. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)

Die Aktionäre wählten ausserdem mit Justin Howell einen Vertreter der Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung in den Verwaltungsrat. Die Stiftung des Microsoft-Gründers ist seit vielen Jahren Sika-Aktionärin und hatte dem Management im dreieinhalbjährigen Übernahmestreit stets die Stange gehalten. Der Kanadier Howell übernimmt einen der drei freigewordenen Sitze, die bis anhin für Familienvertreter reserviert waren. Howell ist laut eigenen Angaben ein Experte im Bereich Mergers & Acquisitions (M&A), in welchem der Anwalt unter anderem bei der Bank of America arbeitete. Er kennt sich also mit Übernahmen aus. Und da Sika ja gerade auch nichtorganisch – also durch Zukäufe – wachsen wolle, könne er im Aufsichtsgremium helfen, so Howell. Hälg strich denn auch Howells gutes Beziehungsnetz hervor.

Zukäufe und personelle Wechsel

Denn die Absicht, die Erfolgsgeschichte der letzten Jahre zügig weiterzuführen, war gestern mindestens so deutlich zu spüren wie die Erleichterung. Die Aussichten, weiter zu wachsen, seien «hervorragend», war zu hören. Hälg sagte auch, es habe sich eine ganze Liste von Übernahmekandidaten «angesammelt». Denn die Pattsituation habe hier gebremst, man sei vermehrt nicht mehr zum Zug gekommen, weil verkaufswillige Unternehmer sich und ihre Firma nicht in eine unsichere Situation hätten hineinmanövrieren wollen. Nun schaue man diese Liste seriös an und wolle das Tempo wieder erhöhen. Vor allem in Nordamerika, aber auch in Europa seien grössere Akquisitionen gut denkbar.

Weiter könnten bei Sika personelle Wechsel anstehen. Einer ist bereits fix: Ulrich W. Suter wird nächstes Jahr aufgrund der Alterslimite aus dem Verwaltungsrat ausscheiden. Man werde wohl einen oder zwei Kandidaten vorschlagen, sagte Hälg. Und CEO Paul Schuler, der stets sagte, er bleibe sicher, bis der Streit vorüber sei, ist 63 Jahre alt. Schuler bleibe vielleicht auch über das Pensionsalter hinaus, sagte Hälg. Man werde ohne Druck eine Nachfolgelösung aufgleisen. Und man könne davon ausgehen, dass es eine interne sein werde.

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