Sie machten in demselben Betrieb die Stifti – jetzt führen sie zusammen eine Sicherheitsfirma: Die Geschichte von zwei Thurgauer Jungunternehmern

Geht es um Sicherheit in Banken, an Flughäfen oder in Firmengebäuden, ist die MS Protect AG oft nicht weit.

Thomas Griesser Kym
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Die Jungunternehmer und Chefs der MS Protect AG, Manuel Füllemann (links) und Simon Schefer, neben einer Personenschleuse. (Bild: Urs Bucher)

Die Jungunternehmer und Chefs der MS Protect AG, Manuel Füllemann (links) und Simon Schefer, neben einer Personenschleuse. (Bild: Urs Bucher)

Lenggenwil – bekannt für seine Fasnacht. Mit dem Auto durchquert man das Dorf, Teil der Gemeinde Niederhelfenschwil, in einer Minute. Hier finden sich ein Restaurant, eine Tankstelle, der Dorfladen samt Postfiliale, ein gutes halbes Dutzend Gewerbebetriebe. Und mit der MS Protect AG einer der marktführenden Betriebe seiner Branche, der vor kurzem die Hand gewechselt hat.

Auf einen Satz reduziert, ist das Unternehmen im Sicherheitsmetallbau tätig. Konkret entwickelt, produziert und vertreibt die Firma mit rund 50 Mitarbeitenden hauptsächlich Personenschleusen, Tresore und automatische Kundenmietfachanlagen, dazu auch Sicherheitstüren, Einwurfanlagen usw. Die grösste Kundengruppe sind die Banken. Immer wichtiger werden aber die Bundesverwaltung, Flughäfen, Hochschulen, Botschaften, die Armee, Firmen aus Branchen mit kritischer Infrastruktur wie Telekommunikation, Strom, Wasser und Schienenverkehr oder Firmen aus Industrie, Handel, Dienstleistungen usw.

30 Jahre lang haben Beatrice und Karl Schlierenzauer das Unternehmen geführt und innegehabt. Nun haben sie, per 1. Oktober, die MS Protect je hälftig an Manuel Füllemann und Simon Schefer verkauft, die sich auch die Geschäftsleitung teilen.

Viele Gemeinsamkeiten und eine ideale Ergänzung

Die beiden Jungunternehmer haben viel gemeinsam. Beide sind Jahrgang 1987, beide wohnen in Winterthur, stammen aber aus dem Thurgau, Füllemann aus Steckborn, Schefer aus Berg. Ihre Wege haben sich immer wieder gekreuzt, beide haben bei Müller-Martini Polymechaniker gelernt, wobei Füllemann Schefers Unterstift war.

Nach der Ausbildung haben die beiden Männer wiederholt bei der gleichen Firma gearbeitet, unter anderen auch bei der MS Protect. Als sich ihnen dann, mittlerweile bei einem Unternehmen in Winterthur angestellt, die Chance bot, im Rahmen von Schlierenzauers Nachfolgeregelung die MS Protect zu übernehmen, griffen sie zu. «Wir wollten immer schon selbstständig werden, das war uns schon während der Lehre klar», sagt Füllemann. «Und wir wollten das zusammen machen», ergänzt Schefer.

Denn das Duo ergänzt sich: Füllemann ist der Verkäufer, der auch zuständig ist für Marketing und Finanzen. Schefer ist der Techniker, der die Entwicklung und Produktion und damit das operative Geschäft verantwortet. Das war schon so während ihrer früheren gemeinsamen Zeit bei der MS Protect. Schefer:

«Ich habe damals als Projektleiter verarbeitet, was Manuel zuvor verkauft hat.»
Visualisierung einer automatischen Kundenmietfachanlage. Bild: PD

Visualisierung einer automatischen Kundenmietfachanlage. Bild: PD

Die MS Protect ist zu 70 Prozent im Schweizer Markt aktiv, zu 30 Prozent im Export nach Deutschland. Als einer von zwei führenden Betrieben der Branche – der massgebliche Mitbewerber ist ein schwedischer Konzern – bezeichnet sich das Unternehmen bei automatischen Kundenmietfachanlagen. Früher war es die Regel, dass Kunden bei ihrer Bank in den Tresorraum ins Untergeschoss gingen und dort vor der Wand mit Schliessfächern ihr Fach öffneten. Die moderne Variante davon sind automatische Anlagen. Dazu begibt sich der Kunde in der Bank nach der Identifikation in einen sicheren Raum, und ein Roboter schickt ihm sein Schliessfach nach oben.

Füllemann nennt zwei Vorteile gegenüber der herkömmlichen Variante:

«Es ist sicherer, und es ist rund um die Uhr verfügbar und nicht nur während der Öffnungszeiten der Bank.»

Auf einem Rundgang durch den Betrieb zeigt sich, dass die MS Protect gerade eine solche automatische Anlage für ein deutsches Geldinstitut herstellt. «Wir punkten mit Schweizer Qualität und Präzision, mit unserer grossen Fertigungstiefe, mit gutem Service sowie mit der Kombination aus Metallbau und Elektronik», sagt Schefer. Zentral sei auch der Produktionsstandort Schweiz. Zwar sei Lenggenwil in der Schweiz nicht zentral gelegen, aber man führt auch Büros in der Westschweiz, in Basel und Bern, und zur Bearbeitung des deutschen Marktes sei die relative Grenznähe ideal.

Auch Privatpersonen in der Kundenkartei

«Karl Schlierenzauer war sehr innovativ», sagt Fülleman. Diese Innovationskraft will man beibehalten. Wichtig sei aber auch eine gewisse Kontinuität, denn «Sicherheit ist Vertrauenssache». Abstriche an den bewährten Tugenden seien deshalb kein Thema. Hingegen ­wolle man interne Prozesse verbessern und so effizienter werden. Auch die Automatisierung bei ihren Produkten wollen die beiden Jungunternehmer vorantreiben, denn diese sei ihr Alleinstellungsmerkmal. Zudem wollen sie in weitere europäische Märkte in der EU und in Osteuropa expandieren und tragen sich mit dem Gedanken, auch ihre Lehrlingsausbildung auszubauen. «Das Unternehmen ist gesund, und wir pflegen eine gesunde Streitkultur», sagen die beiden Compagnons.

«Wir sind uns lange nicht immer einig, finden aber in Diskussionen immer eine Lösung.»

Privatpersonen zählen ebenfalls zu den Kunden der MS Protect, ab und zu bei Sicherheitstüren, oft aber bei Tresoren. Von einem Panzerschrank mit einem herkömmlichen mechanischen Schloss aber hält Füllemann nicht viel. «Das verleitet Einbrecher nur dazu, auf der Suche nach dem Schlüssel das ganze Haus zu durchwühlen.»