Sie machen Strasse und Schiene frei

Der «Terratrac» des Bergbauern, die Schneeschleuder der Rhätischen Bahn und das Riesenschneeräumgerät des Flughafens Leipzig (D): Alles sind «Thurgauer». Ihre Herstellerfirmen gehören zur Aebi-Schmidt-Holding AG, Frauenfeld.

Lieselotte Schiesser
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Im Einsatz auf der Autobahn. (Bild: Ralph Ribi)

Im Einsatz auf der Autobahn. (Bild: Ralph Ribi)

FRAUENFELD. In Frauenfeld sitzt die Aebi-Schmidt-Holding (ASH) erst seit November. Vorher logierte die Holding, die 2010 rund 316,3 Millionen Euro Umsatz auswies, in Bussnang (mit Zweitadresse in Zürich). Und beim Ortsnamen Bussnang fällt wohl den meisten Ostschweizern sofort Stadler Rail und Peter Spuhler ein. Womit sie auch für die ASH auf dem absolut richtigen Weg sind.

Spuhler kauft Aebi 2006

Die Burgdorfer Firma Aebi baut seit 1863 Geräte und Maschinen für die Landwirtschaft. Bekanntestes Fahrzeug ist der eingangs genannte Terratrac – ein Ladefahrzeug für Hanglagen. 2006 wurde Aebi im Rahmen einer Nachfolgeregelung an eine Unternehmergruppe um Stadler-Rail- Eigner Peter Spuhler verkauft. Aebi erwirtschaftete damals mit rund 450 Angestellten einen Jahresumsatz von rund 100 Mio. Franken. Zum Zeitpunkt dieser Übernahme zu einem nicht veröffentlichten Preis, hielten Peter Spuhler 56 Prozent, Swiss-Steel-Verwaltungsrat Gerold Büttiker 20, Benninger-Finanzchef Hansruedi Geel vier und Aebi Geschäftsführer Roger Kollbrunner 20 Prozent der Aktien. Noch im Januar 2007 präsentierte Kollbrunner der «Wochenzeitung» (WoZ) stolz die Firma.

Wenige Monate später war er nicht mehr Mitbesitzer und schied 2009 auch bei Aebi aus. Seine Aktien wechselten den Besitzer, als Aebi 2007 mit der deutschen Firma Schmidt fusionierte. Die in St. Blasien im Schwarzwald beheimatete Firmengruppe mit Produktionswerken in Deutschland, den Niederlanden und Polen (und 15 Vertriebsgesellschaften) stellt Maschinen für den Strassen- und Flugplatzunterhalt her.

BWK und Kollbrunner gehen

Sie kam mit über 1200 Beschäftigten auf 360 Mio. Franken Jahresumsatz. Mit der Schmidt-Gruppe kam auch deren Tochter Beilhack zur ASH. Beilhack-Schneeschleudern räumen beispielsweise die Gleise der Rhätischen Bahn und der Appenzeller Bahnen frei. Gebaut werden sie im polnischen Werk der ASH.

Zum Zeitpunkt der Fusion von Aebi und Schmidt hielt die Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft BWK einen Anteil an der Schmidt-Gruppe – und damit auch an der neuen Aebi-Schmidt-Holding. Das solle auch so bleiben, hiess es damals. Ein Jahr später verschwand die BWK aus der ASH. BWK und Kollbrunner seien etwa zum gleichen Zeitpunkt ausgeschieden, sagt ASH-Finanzchef Stephan Naef auf Anfrage. Die Aktien der Holding gehören heute zu 58 Prozent Peter Spuhlers PCS Holding AG, und zu 39,3 Prozent Gerold Büttikers Gebuka AG. 2,7 Prozent der ASH-Aktien sind im Besitz einzelner Verwaltungsrats- und Geschäftsleitungsmitglieder.

Schlecht vergleichbare Zahlen

Der Nettoumsatz der ASH lag 2010 bei rund 316,3 Mio. Euro – gut 17 Mio. Euro höher als ein Jahr zuvor. Den Gewinn weist die Gesamtholding nicht öffentlich aus. Der deutsche Holdingteil erwirtschaftete 2009 einen Überschuss von 3,47 Mio. Euro. 2010 wies die ASH-Gruppe 1315 Vollzeitstellen aus. Im Fusionsjahr 2007 war von 1700 Mitarbeitern die Rede.

ASH-Finanzchef Stephan Naef meint dazu, der Unterschied erkläre sich daraus, dass man bei der Fusion «schlecht vergleichbare Zahlen» gehabt habe, einen Personalabbau habe es nicht gegeben.