«Sia Abrasives auf dem Radar»

Zürich. Ende August hatte der Unternehmer Giorgio Behr seine Beteiligung an Sia Abrasives auf fast 40% aufgestockt und seine Übernahmepläne für das Unternehmen angekündigt. Im Verlauf des Septembers kam es zu einem Kampf zwischen den Parteien.

Martin Sinzig
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Mit flexiblen Schleifmitteln und -systemen zur Bearbeitung von Oberflächen von Werkstücken ist Sia Abrasives die Weltnummer drei ihrer Branche. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Mit flexiblen Schleifmitteln und -systemen zur Bearbeitung von Oberflächen von Werkstücken ist Sia Abrasives die Weltnummer drei ihrer Branche. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Zürich. Ende August hatte der Unternehmer Giorgio Behr seine Beteiligung an Sia Abrasives auf fast 40% aufgestockt und seine Übernahmepläne für das Unternehmen angekündigt. Im Verlauf des Septembers kam es zu einem Kampf zwischen den Parteien.

Als «weisser Ritter» tritt nun der Bosch-Konzern auf den Plan. Für 154 Millionen Franken hat er das Aktienpaket von Behr erworben. Das entspricht einem Kaufpreis von 515 Franken je Aktie. Für die restlichen 60 Prozent will Bosch ein öffentliches Kaufangebot unterbreiten – von 435 Franken je Aktie. Das sei ein «attraktives Angebot für die Publikumsaktionäre», sagte Bosch-Manager Boris Gleissner vor den Medien. Behr hatte 385 Franken geboten.

Die 435 Franken enthalten eine Prämie von 22,7 Prozent auf dem Schlusskurs der Sia-Aktie vom 25. August, dem Tag, bevor Behr sein Übernahmeangebot ankündigte. Dass Behr sein Paket Bosch für 515 Franken pro Aktie verkaufen konnte, ist rechtlich einwandfrei: Gemäss Börsengesetz Art. 32.4 darf das öffentliche Kaufangebot unter anderem höchstens 25 Prozent unter dem höchsten Preis liegen, den der Anbieter in den letzten zwölf Monaten bezahlt hat.

Gemeinsamkeiten betont

Mit blumigen Worten begrüsst die Sia-Führung die Avance von Bosch. Sia-Verwaltungsratspräsident Peter Schifferle sprach von einem «Freudentag» und bekräftigte die industrielle Logik und kulturelle Gemeinsamkeiten beider Unternehmen. Der Einstieg von Bosch kröne eine langjährige Freundschaft und enge Zusammenarbeit, sagte Uwe Raschke, Geschäftsführer der Robert Bosch Gmbh und zuständig für den Geschäftsbereich Power Tools. In diese Sparte wird Sia Abrasives integriert. Bosch und Sia arbeiten in Entwicklung und Vertrieb bereits seit Jahren zusammen.

Zubehör-Segment stärken

Bosch Power Tools setzt umgerechnet 4,9 Milliarden Euro um. Der Thurgauer Schleifmittel-Hersteller ist mit 300 Millionen Franken und 1150 Beschäftigten vergleichsweise klein, soll aber Bosch Power Tools im stark fragmentierten Zubehör-Markt für Elektrowerkzeuge stärken. Die Marke Sia Abrasives soll besonders im Industriegeschäft erhalten bleiben. In den Vertriebskanälen Fachhandel und Baumärkte verspricht sich Bosch Synergien. «Sia Abrasives und Bosch ergänzen sich sehr gut», bekräftigte Raschke. Seit 1904 ist Bosch in der Schweiz tätig und setzt mit 2864 Angestellten 370 Millionen Euro um.

Schon lange auf dem Radar

Bosch Power Tools beabsichtigt, in Frauenfeld sein weltweites Kompetenzzentrum für flexible Schleifmittel anzusiedeln. Damit gehe für ihn «ein Wunschtraum in Erfüllung», sagte Sia-Chef Roland Eberle. Die Übernahme durch Bosch nannte er eine «Lösung, die uns weiterbringen wird». Die Nachricht habe eine lange Zeit der Ungewissheit beendet und sei von der Belegschaft entsprechend positiv aufgenommen worden.

Bosch habe sich aufgrund der Geschäftsbeziehungen mit Sia schon früh mit einer möglichen Akquisition beschäftigt, sagte Raschke. Nun habe sich eine Gelegenheit ergeben. «Sia war natürlich auf unserem Radar», bestätigte Gleissner. Sonst wäre nicht eine so rasche Einigung zustande gekommen. Gleissner verteidigte den Preisaufschlag beim Kauf des Aktienpakets: Nur durch die Einwilligung Behrs in den Verkauf sei es möglich gewesen, einen so grossen Anteil zu erwerben.

Gute Chancen für die Investition

Für die geplante und vom Sia-Verwaltungsrat Ende August beschlossene Investition von 45 Millionen Franken in eine neue Produktionsanlage gebe es zwar keine direkte Garantie, räumte Eberle ein. Bosch habe das Recht, sich mit diesem Projekt noch detailliert zu befassen. «Unsere Einstellung zum Standort Frauenfeld ist eine sehr positive», sagte Raschke, und er habe hohes Vertrauen in die Sia-Führungskräfte. «Aus heutiger Sicht gibt es gute Chancen, diese Investition zu realisieren.»

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