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Showdown bei Syngenta: Public Eye läuft auf

Die Nichtregierungsorganisation Public Eye protestierte beim Basler Agrokonzern und wurde in eine Charmeoffensive verwickelt.
Christian Mensch
Roman Mazzotta, Schweizer Länderchef von Syngenta, stellt sich persönlich vor die aufgefahrenen, «vergifteten» Bilder, um den Stapel mit den Petitionsunterschriften entgegenzunehmen.Bild: Publiceye

Roman Mazzotta, Schweizer Länderchef von Syngenta, stellt sich persönlich vor die aufgefahrenen, «vergifteten» Bilder, um den Stapel mit den Petitionsunterschriften entgegenzunehmen.Bild: Publiceye

Public Eye, wie die Erklärung von Bern heute heisst, ist eine nahezu perfekt organisierte Kampagnenfabrik. Eine ihrer bevorzugten Angriffsflächen ist der Basler Agrochemiekonzern Syngenta, der seit zwei Jahren zur chinesischen Chem China gehört. Syngenta setze vor allem in Brasilien hochgefährliche Pestizide ein, es seien dies «lukrative Giftgeschäfte».

Am Mittwoch war eine weitere Konfrontation angesagt: In weisse Schutzanzüge verpackte Aktivisten reichten beim Syngenta-Hauptsitz eine Online-Petition mit 38 000 Unterschriften ein. Sie fordern die Frima auf, die Produktion und den Verkauf von Pestiziden wie Atrazin, Glyphosat und Paraquat sofort einzustellen.

Startschuss dieser Kampagne war im April, als Public Eye einerseits eine investigativ aufgezogene Recherche publizierte, die im Zusammenhang mit einem brasilianischen Reporterkollektiv entstanden war. Andererseits veröffentlichte die Organisation eine Porträtsserie mit brasilianischen Aktivisten. Der Clou: Die farbigen Aquarellbilder seien mit pestizidbelastetem Wasser gemalt. Wenn auch nicht sie selbst, so ist damit doch das Abbild der Aktivisten vergiftet.

Selten sind Aktivisten freundlicher begrüsst worden

Die Umweltschutz- und Entwicklungsorganisation und der Agrochemiekonzern beharken sich seit Jahren. Syngenta verfolgte dabei lange Zeit die Strategie, die Kritiker zu ignorieren oder ihre Aktionen gar zu kriminalisieren. In der öffentlichen Wirkung arbeitete er damit der Nichtregierungsorganisation zu: Syngenta zeigte die hässlichen Fratze des Grosskonzerns, der sich dem zivilgesellschaftlichen Diskurs verweigert. Doch nun hat Syngenta die Strategie gedreht: Charme statt Konfrontation, wie sich an der Petions-Übergabe zeigte.

Der Schweizer Länderchef Roman Mazzotta stellt sich persönlich vor die aufgefahrenen, «vergifteten» Bilder, um den Stapel mit den Petitionsunterschriften entgegenzunehmen. Die anwesenden Medienschaffenden sind nicht nur von Public Eye aufgeboten worden, auch die Syngenta-Medienabteilung hat zur Übergabe eingeladen. Möglichst viele sollen mitkommen und kolportieren, wie die Aktion der Kampagnenprofis von Public Eye von den Profis von Syngenta unterlaufen wird.

Verkehrte Rollen: Public-Eye als Gesprächsverweigerer

Mazzotta hört aufmerksam zu, was ihm die Aktivisten zu sagen haben. Schliesslich sei er sehr an einem Dialog interessiert. Den könne man auch gerne auf dem Syngenta-Campus weiterführen. Den sicheren Allmend-Boden wollen die Public-Eye-Aktivisten aber nicht verlassen. Daraufhin öffnet sich die Syngenta-Pforte und ein Dutzend Mitarbeiter tritt heraus. Allesamt Experten, die mit der Zulassung von Pestiziden befasst sind und teilweise in den Orten tätig waren, in denen Public-Eye für sie besonders stossende Verhältnisse angetroffen hat.

Eine halbe Stunde lang bietet sich ein besonderes Bild: Bestens vorbereitete Syngenta-Mitarbeiter in Alltagskleidung – nur der Länderchef und sein Kommunikationsbeauftragter erschienen im Anzug – verwickeln die Aktivisten in Einzelgespräche. Gesprächsfetzen offenbaren, wie beide Seiten in ausgewählter Höflichkeit Standardargumente austauschen. Eine Syngenta-Bereichsleiterin zur Public-Eye-Sprecherin: «Wir würden gerne eine Fachdiskussion führen – nicht um eine Einigung zu erzielen, aber um unsere Argumente gegenseitig besser zu verstehen.» Die Public-Eye-Sprecherin: «Da muss ich zuerst unsere Chefs fragen.» Verkehrte Rollen: Public-Eye als Gesprächsverweigerer.

Nach Punkten hat Syngenta diese Runde gewonnen. Nichts gesagt ist damit allerdings, ob Syngenta-Produkte «die Gesundheit von Millionen von Menschen gefährden» (Public Eye) oder ob sie helfen «sichere Lebensmittel herzustellen» (Syngenta).

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