Wachstumsmarkt Medizinaltechnik: SFS will global mitspielen und baut den Standort in Schaffhausen massiv aus – das wird in den nächsten Jahren neue Arbeitsplätze geben

Der Rheintaler Technologiekonzern will als Zulieferer des rasch wachsenden Gesundheitsmarkts schnell vorwärtskommen. Dank des Einbezugs von Produktionsstandorten in der Schweiz und Asien soll die Medizinaltechnik ausgehend von Nordamerika weltweit expandieren.

Thomas Griesser Kym
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Die Fläche des SFS-Betriebs der Stamm AG in Hallau wird für rund 14 Millionen Franken mehr als verdoppelt.

Die Fläche des SFS-Betriebs der Stamm AG in Hallau wird für rund 14 Millionen Franken mehr als verdoppelt.

Bild: PD

Vor vier Jahren, Ende 2016, hat die SFS Group mit Hauptsitz in Heerbrugg die amerikanische Tegra Medical übernommen. Das US-Unternehmen mit damals 700 Mitarbeitenden und 80 Millionen Dollar Jahresumsatz entwickelt und produziert für die Medizinaltechnik Einwegprodukte aus Metall und Kunststoff. Die Schrauben, Stifte, Implantate und Instrumente werden in der Orthopädie, der interventionellen Therapie und der minimalinvasiven Chirurgie verwendet.

Seit der Übernahme des Unternehmens bildet Tegra Medical, die in den USA drei Werke hat und eines in Costa Rica, die SFS Division Medical. Nun will der Technologiekonzern fünf weitere bestehende SFS-Standorte in der Schweiz, in Malaysia und China einbeziehen und so in der Medizinaltechnik eine globale Fertigungsplattform schaffen, vergleichbar mit jener Plattform, die SFS bereits im Geschäft als Zulieferer der Autoindustrie errichtet hat. Das Ansinnen: SFS will neben Kunden in Nordamerika künftig auch Kunden in Europa und Asien lokal unter der Marke Tegra Medical bedienen.

Die SFS Group möchte als Zulieferer der Medizinaltechnik weiter an Dynamik gewinnen.

Die SFS Group möchte als Zulieferer der Medizinaltechnik weiter an Dynamik gewinnen.

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Von Amerika nach Europa und Asien

Dieser Entscheid basiert darauf, dass die Medizinaltechnik weltweit ein rasch wachsender Markt ist. Das hat zu tun mit der demografischen Entwicklung (Alterung der Gesellschaft), einer hohen Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen, besserem Zugang zu Gesundheitssystemen und einer hohen Innovationsrate.

Die SFS selber spürt laut eigenen Angaben in der Medizinaltechnik «eine anhaltend gute Nachfrage und fortgesetzte Wachstumsdynamik». Deswegen will man die Fertigung der Tegra Medical nun von Amerika nach Europa und Asien ausdehnen und so auch auf diesen beiden Kontinenten Medizinaltechnikkunden akquirieren respektive an bereits bestehende Kunden näher heranrücken, wie SFS-Sprecher Claude Stadler sagt.

Walter Kobler übernimmt die Leitung

Das Vorhaben bringt einige Änderungen mit sich. Zum einen bündelt die SFS Group sämtliche Aktivitäten in der Medizinaltechnik unter der Marke Tegra Medical in der Division Medical. Bisher erbrachte auch die Division Industrial Leistungen in der Medizinaltechnik, die nun in die Division Medical verschoben werden.

Walter Kobler.

Walter Kobler.

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Zweitens regelt SFS die Führungsverantwortung neu. Konzernleitungsmitglied Walter Kobler, seit 1987 bei SFS und seit 2014 Leiter der Division Industrial, übernimmt auf Anfang 2021 zusätzlich die Führung der Division Medical. Diese wird gegenwärtig interimistisch von SFS-Konzernchef Jens Breu geleitet.

In Hallau wird ausgebaut

Drittens wird in der Schweiz seit Februar 2020, beruhend auf einem Konzeptplan von 2018, der Schaffhauser Standort Hallau ausgebaut. Dieser Standort gehört seit Anfang 2016 der SFS. Diese übernahm die Stamm AG in Hallau mit 60 Beschäftigten und 15 Millionen Franken Jahresumsatz im Rahmen einer Nachfolgelösung.

Stamm ist auf die Herstellung hoch präziser Kunststoffspritzgussteile spezialisiert. Schon damals bekundete die SFS die Absicht, den Standort der Stamm AG auszubauen und vor allem als Kompetenzzentrum für Anwendungen in der Medizinaltechnik zu stärken und weiterzuentwickeln. Jetzt sagt Claude Stadler:

«Wir erweitern die Produktionskapazität substanziell.»

Fläche wird mehr als verdoppelt

Spritzgussteile von Stamm für Hörgeräte.

Spritzgussteile von Stamm für Hörgeräte.

Bild: PD

Den Ausbau ermöglicht hätten Gewinne von Projekten besonders bei Kunden im Umfeld der Medizinaltechnik. Erstmals nennt Claude Stadler konkrete Zahlen. Demnach wird mit der Gebäudeerweiterung die bestehende Fläche von 4378 auf 10'727 Quadratmeter mehr als verdoppelt. Nach der für August 2021 geplanten Fertigstellung stehen vor allem deutlich mehr Mikrospritzgussanlagen in Reinraumumgebung zur Verfügung.

Spritzgussteile von Stamm für Instrumente für Augenoperationen.

Spritzgussteile von Stamm für Instrumente für Augenoperationen.

Bild: PD

Zusätzlich werden der Werkzeugbau erweitert und Büroflächen sowie Lagerkapazitäten geschaffen. Auch Nachhaltigkeit spiele eine grosse Rolle, etwa betreffend Energieeffizienz und Installation einer Fotovoltaikanlage.

14 Millionen Franken Investitionen, 20 bis 40 neue Stellen

Wie Stadler sagt, belaufen sich die Investitionen in den Erweiterungsbau ohne Betriebseinrichtungen auf rund 14 Millionen Franken. Aktuell sind am Standort Hallau rund 70 Mitarbeitende beschäftigt, also etwa zehn mehr als bei der Übernahme Anfang 2016. Und Claude Stadler stellt weitere neue Arbeitsplätze in Aussicht:

«In den nächsten Jahren sollen, je nach Fortschritten bei den Kundenprojekten, zwischen 20 und 40 Stellen geschaffen werden.»
Mikrospritzgussteile von Stamm im Vergleich zu einem Zündholz.

Mikrospritzgussteile von Stamm im Vergleich zu einem Zündholz.

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Nähe zu Boston als strategischer Vorteil

Viertens erweitert SFS auch die Produktion von Medizinaltechnikkomponenten am Tegra-Medical-Hauptsitz in Franklin im US-Staat Massachusetts. Der Hauptsitz liegt strategisch günstig in der Nähe der Grossstadt Boston, wo sich rund um die grossen Spitäler (Massachusetts General Hospital, Massachusetts Eyes and Ears Hospital) zahlreiche Biotechnologieunternehmen etabliert haben.