SFS GROUP: Der Frankenschock ist verkraftet

Der Rheintaler Technologiekonzern arbeitet fieberhaft an seiner Produktivität, an Innovationen und an seiner Internationalisierung. Das soll die Wettbewerbsfähigkeit trotz Frankenstärke erhalten.

Thomas Griesser Kym, Zürich
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Prüfung hochpräziser Bauteile der SFS für die Autoindustrie. Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2016 erhöht die SFS Group die Dividende von 1.50 auf 1.75 Franken je Aktie. Die Dividende wird steuerfrei aus Kapitaleinlagereserven ausgeschüttet. (Bild: PD)

Prüfung hochpräziser Bauteile der SFS für die Autoindustrie. Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2016 erhöht die SFS Group die Dividende von 1.50 auf 1.75 Franken je Aktie. Die Dividende wird steuerfrei aus Kapitaleinlagereserven ausgeschüttet. (Bild: PD)

Thomas Griesser Kym, Zürich

2300 Mitarbeitende hat die SFS Group in der Schweiz, vornehmlich im Rheintal. Diese Zahl ist seit mehreren Jahren stabil, «und das soll auch so bleiben», sagt Konzernchef Jens Breu. Die SFS hält am Standort Schweiz fest, obwohl dieser vergleichsweise teuer ist, und das nicht erst seit der Frankenaufwertung als Folge der Aufhebung des Euromindestkurses durch die Nationalbank Anfang 2015. Um dennoch wettbewerbsfähig zu bleiben, ist die SFS bestrebt, die Produktivität der Schweizer Produktionswerke ständig zu steigern. Diese nahm, gemessen am Gewinnbeitrag pro Mitarbeitenden, 2016 gegenüber dem Vorjahr um 16% zu. Damals hatte die SFS einen Dämpfer samt Gewinndelle erlitten als Folge des Frankenschocks. Dieser ist mittlerweile überwunden, und die ergriffenen Gegenmassnahmen wie längere Arbeitszeit, Einstellungsstopp und Lohnreduktion des Topmanagement konnten im Verlaufe von 2016 wieder aufgehoben werden. Nur bei den Einstellungen ist die SFS restriktiv geblieben: «Jede Neueinstellung in der Schweiz geht über meinen Tisch», sagte Breu an der Bilanzpressekonferenz in Zürich.

In Flugzeugen, Autos oder Smartphones

Die Produktivität der Schweizer Werke lag zuletzt gar 6% höher als 2014. Um das zu schaffen, verlagert die SFS kontinuierlich arbeitsintensive Produkte an ausländische Standorte und konzentriert in der Schweiz technisches Wissen und die Entwicklung von Innovationen, wobei parallel da­zu die Automatisierung fortlaufend zunimmt. Ein Resultat der Anstrengungen ist, dass der Kostenanteil, der in Schweizer Franken anfällt, seit 2012 von 57% auf 44% gesunken ist.

Die SFS erfreut sich aber auch wieder einer stärkeren Nachfrage nach ihren mechanischen Befestigungssystemen und Präzisionsformteilen. Die damit verbundene Auslastung der Fabriken führt da und dort gar zu Produktionsengpässen, vor allem in der Wärmebehandlung in Heerbrugg. Darum geht Finanzchef Rolf Frei von anhaltend hohen Investitionen aus, zumal sich hier ein paar Projekte verzögert hätten. Vergangenes Jahr investierte die SFS 85 Mio. Fr. oder 6% des Umsatzes, im laufenden Jahr geht Frei von 6% bis 7% aus, und dies bei einer Prognose von 8% bis 10% Umsatzzunahme.

Zum Wachstum der Verkäufe und zur Steigerung der Profitabilität haben auch neue Produkte beigetragen. Die SFS ist dick im Geschäft mit Befestigungen im neuen Airbus A350 oder mit Miniaturschrauben für Smartphones, wobei Apple mit dem iPhone ein gewichtiger Kunde ist, die SFS kürzlich aber auch die chinesische Huawei als Neukundin gewonnen hat. Zudem mischt die SFS im florierenden Automobilbau mit, etwa bei Komponenten für elektronische Bremssysteme oder Parksensoren. Künftige Geschäftschancen sieht Breu beispielsweise bei Drohnen, dem autonomen Fahren oder Smart Homes. Zudem hat die SFS dank letztjähriger Akquisitionen ihren Horizont erweitert: Mit dem Kauf der Hallauer Stamm AG hat sie Kompetenz in der Mikrospritzgusstechnik erworben, mit der amerikanischen Tegra Medical hat sie ihr Geschäftsfeld Medizinaltechnik gestärkt. Dieses trägt erst 1% zum Konzernumsatz bei, wird von Breu aber als sehr zukunftsträchtig erachtet.

In die Hände spielen der SFS ferner die nach wie vor rege Bautätigkeit sowie die robuste US-Wirtschaft, wo die SFS 2016 am stärksten gewachsen ist, was die geografische Abstützung besser ausbalanciert hat. Auch im Geschäft der digitalen Warenbewirtschaftung in Unternehmen kommt die SFS voran, hat sie 2016 doch 25 Neukunden gewonnen sowie 27 Produktions- und Unterhaltsstandorte der SBB, einer Schlüsselkundin, mit einem solchen System ausgerüstet. Dieses Jahr will die SFS Group ihre Ertragskraft weiter erhöhen – zumal Breu davon ausgeht, dass «der Franken in zwei, drei Jahren Parität zum Euro erreicht».