SENSORTECHNIK: Hightech rettet Mäusen das Leben

Die Vigilitech AG aus Heiden hat ein System entwickelt, das kabellos die Vitalfunktionen von Kleintieren überwacht. Das Appenzeller Start-up ist für den Startfeld Diamant nominiert.

Stefan Borkert
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Erfinder und Mitgründer von Vigilitech, Marc Zünd, demonstriert, wie das kabellose System funktioniert. (Bild: Michel Canonica)

Erfinder und Mitgründer von Vigilitech, Marc Zünd, demonstriert, wie das kabellose System funktioniert. (Bild: Michel Canonica)

Stefan Borkert

Auch für Tiere wird heute Spitzenmedizin eingesetzt. Und Marc Zünd, Geschäftsführer der Vigilitech AG, will einen Beitrag dazu leisten. Zünd ist gegenwärtig Neurowissenschafter und Doktorand bei Professor Bruno Weber an der Universität Zürich, in einem Labor für Hirnforschung. Mit seiner Doktorarbeit bewegt er sich auf der Zielgeraden. Da die Forschung am Menschen sehr eingeschränkt ist, muss Zünd wie viele andere Forscher auf andere Modellorganismen ausweichen. In seinem Metier hat er es viel mit Mäusen zu tun.

Bei Kleintieren wie Mäusen und ähnlichen Tieren sei es nicht einfach, mit den bestehenden Technologien die Vitalfunktionen zu überwachen. Vor allem das Fell und die Grösse ist ein Problem «Das wollte ich verbessern», sagt Marc Zünd. Zusammen mit seinem Bruder Daniel, einem Computerwissenschafter, dem Elektronikingenieur Harald Osswald, dem Designspezialisten Lukas Treyer und Henning Richter, einem Tierarzt, hat Zünd ein ausgefeiltes Monitoringsystem für chirurgische Eingriffe bei Kleintieren mitentwickelt. Wobei das System nicht nur bei Kleintieren zum Einsatz kommen kann, erklärt Zünd. «Unser Ziel ist, dass das System auch beim Menschen Anwendung findet.»

Sensor misst kontaktunabhängig

Schon letzten November konnten sie erfolgreich beim Venturekick das Startkapital in Höhe von 130000 Fr. gewinnen. Noch ist das Produkt nicht ganz serienreif, aber schon sind auch viele Interessenten weltweit auf die Erfindung aufmerksam geworden. «Wir führen Gespräche und freuen uns natürlich, dass unsere Erfindung auf Interesse stösst, sagt Marc Zünd. Das Herzstück des Systems ist ein kontaktunabhängiger Sensor, der sehr präzise unter anderem Herzschlag und Atemtätigkeit überwacht. Alle gewonnenen Daten können per App an ein Smartphone, Tablet oder einen Computer gesendet und dort visualisiert werden. Zudem können erhobene Daten, Notizen und Fotos synchronisiert, Überwachungsprotokolle geteilt und Analysetools auf einer Cloud genutzt werden.

Was zunächst für die Forschung gedacht war, entpuppte sich rasch als praktikable Möglichkeit auch für Tierärzte. «Veterinäre sind sehr interessiert, denn das System funktioniert auch in deren Alltag.» Man habe es mit Kleintieren getestet. Schliesslich seien die Tiere immer grösser geworden. Ratten, und grosse Vögel wurden überwacht. Und Zünd fährt fort, dass es auch schon Lösungen für Katzen und Hunde gebe.

Reptilien und Schlangen überwachen

Zünd zeigt auf das System und sagt: «Wir können es auch bei Reptilien einsetzen.» Bekommt eine Schlange etwa Hunger, dann wäre es möglich, dass der Halter eine SMS erhalte, die ihn auffordere, das Tier nun zu füttern. Die kabellose Überwachung von verschiedenen Funktionen des Körpers könne auch beim Menschen, etwa beim Sport, eingesetzt werden. Ohne viele Gerätschaften sei so die Aufzeichnung von Daten kein Problem. Im Vergleich zu den existierenden Möglichkeiten, könne das System von Vigilitech wesentlich einfacher ge- und benutzt werden. Und es liefere zudem sehr genaue Daten. «Es ist einfach ein cooles Projekt», sagt Zünd, als er sich daran erinnert, dass er die ersten Geräte noch selbst zusammengelötet hat. Er betont aber, dass es ohne das Engagement und das Team von Vigilitech nicht gegangen wäre. Mehrere günstige Faktoren seien zusammengekommen. Und für ihn ist das System auch der Beweis dafür, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit hoch­interessante Ergebnisse bringen kann.