Manager Bernhard Merki: Seine Herkunft wird ihm bei Hochdorf helfen

Als Bauernsohn hätte er sich nicht träumen lassen, einmal CEO zu werden. Nun muss der Manager Bernhard Merki beim Milchverarbeiter Hochdorf für Ruhe sorgen.

Roman Schenkel
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Erfahrener, bodenständiger Manager: Bernhard Merki. (Bild: Philipp Schmidli, Hochdorf, 20. Juli 2017)

Erfahrener, bodenständiger Manager: Bernhard Merki. (Bild: Philipp Schmidli, Hochdorf, 20. Juli 2017)

Früh aus den Federn, melken, misten, heuen, ernten: Bernhard Merki (56) weiss, was es heisst, hart zu arbeiten. Der Bauernsohn aus dem Fricktal ist stolz auf seine Herkunft. «Sie hat mir immer wieder geholfen, mich mit Lagen auseinanderzusetzen, in denen gesunder Menschenverstand gefragt war», sagte Merki in einem Porträt gegenüber der «Handelszeitung». Den gesunden Menschenverstand, den wird Merki auch bei seiner neusten Aufgabe brauchen. Am vergangenen Freitag wählten ihn die Aktionäre von Hochdorf als neuen Präsidenten des taumelnden Milchverarbeiters.

Es war eine veritable Revolte. Dividende: abgelehnt. Entlastung für die Mitglieder des Verwaltungsrats: abgelehnt. Den amtierenden Präsidenten Daniel Suter: abgewählt. An seiner Stelle soll nun Merki, der bereits im Verwaltungsrat der EMS Chemie sitzt, wieder Ruhe ins Unternehmen bringen. Merki war von den Zentralschweizer Milchproduzenten portiert worden. Dem grössten Aktionär war der Geduldsfaden gerissen. Zu schlecht läuft das Geschäft. Hochdorf musste nach Jahren steigender Erträge im letzten Jahr zahlreiche Rückschläge hinnehmen. Gewinnwarnungen, Verspätungen, Übernahmen, die sich noch nicht ausbezahlt haben. Der Aktienkurs von Hochdorf ist arg ins Strudeln geraten. Ein guter Nährboden für eine Aktionärsrevolte.

Und eigentlich auch eine Ausgangslage, bei der man sich nicht die Finger verbrennen will. Doch Merki liess sich von den Milchbauern überzeugen. Das passt zu ihm. Der grossgewachsene und robust gebaute Merki ist keiner, der sich schnell aus der Ruhe bringen lässt. Dafür hat der Manager schon zu viel erlebt. 24 Jahre lang arbeitete Merki für die Glarner Maschinenfabrik Netstal – von 2003 bis 2012 als CEO. Die Firma hat in den 1990er-Jahren und um die Jahrtausendwende turbulente Zeiten erlebt. 1992 stand sie am Rand des Konkurses. 1997 und 2001 strebte Christoph Blocher in zwei Anläufen ihre Aktienmehrheit an, scheiterte aber beide Male. Seit April 2016 gehört die Firma dem chinesischen Staatskonzern Chem China.

Hochdorf ist für Merki kein neues Pflaster. Von 2014 bis 2018 war er CEO des Fensterbauers 4B. Dessen Produktionsstätte liegt nur wenige hundert Meter vom Milchverarbeiter Hochdorf entfernt. Bei 4B hatte Merki keine einfache Aufgabe. Der Ingenieur war der erste Geschäftsführer des Luzerner Traditionsunternehmens, der nicht der Besitzer­familie Bachmann angehört hat. Auch seine Aufgabe hatte es in sich: Die Produktion neu aufzustellen und zu industrialisieren. Heute produziert die Firma über 120 000 Fenster pro Jahr und ist Marktführer in der Schweiz.

Dass er einst CEO werden könnte, habe er sich als Bauernsohn niemals zu träumen gewagt, so Merki. Eigentlich habe er Lehrer werden wollen, sagte der Vater zweier Töchter gegenüber der «Handelszeitung». Sein Lehrer aber habe ihm geraten, Alternativen zu prüfen. Darauf absolvierte er eine Schnupperlehre bei der damaligen Brown, Boveri & Cie. (BBC), der Vorgängerfirma der heutigen ABB. «Das war für mich ein grosser Schritt. Ich werde nie vergessen, wie mich alles beeindruckte, die Ambiance der Grossfirma, aber auch die Produkte.»

Das war der Startschuss für Merkis technische Ausbildung. Er machte eine Lehre als Maschinenzeichner und absolvierte parallel die Berufsmaturität. Danach studierte er an der Hochschule Maschinenbau mit Vertiefungsrichtung Kunststofftechnik und schloss ein Nach-diplomstudium als Wirtschaftsingenieur ab. Seinen Leuten der Maschinenfabrik Netstal habe er manchmal gesagt: «Man muss als Vorgesetzter wissen, was die Unterschiede hinten und vorne an einer Maschine sind.»

2018 hatte Merki genug vom operativen Geschäft. Er verliess den Fensterbauer und verkündete, dass er sich beruflich verändern und «vermehrt auf strategischer Ebene» tätig sein wolle. Dazu findet er nun bei Hochdorf sicher genügend Gelegenheit.