Kommentar

Schwieriger Neustart für Raiffeisen

Nach der Affäre Vincenz sucht die Raiffeisen Bank den Weg zurück zur Normalität. 

Andreas Möckli
Drucken
Teilen
	Andreas Moeckli

Andreas Moeckli

Der Weg zurück in die Normalität ist lang. Das gilt für Raiffeisen in besonderem Masse. Ein Jahr der «Aufarbeitung und des Neustarts» sei 2018 gewesen, schreibt die Bank in ihrer Mitteilung anlässlich der Präsentation der Jahresergebnisse. Nun folge ein «Jahr des Übergangs». Über all diesen wohlklingenden Formulierungen schweben die Verfehlungen des Managements unter dem ehemaligen Chef Pierin Vincenz, gegen den ein Strafverfahren läuft. Dessen abenteuerliche Strategie mit dem Kauf von Beteiligungen zu überhöhten Preisen führt nun zu einem massiven Abschreiber. Der Grossteil dieser 270 Millionen Franken an Gewinnverlust geht auf das Konto von Vincenz. Der Gewinn von Raiffeisen schmilzt dadurch um satte 41 Prozent.

Alles halb so wild, könnte man sagen: Die Bank verzeichnet trotz Negativschlagzeilen neue Kunden, baut den Marktanteil im Hypothekargeschäft aus, und hält den Ertrag im dominierenden Zinsengeschäft stabil. Doch gerade mit dem weiterhin teils aggressiven Wachstum bei den Hypotheken wird die Abhängigkeit von diesem Geschäft weiter zementiert. Zwar will die neue Führungscrew bei Raiffeisen neue Ertragsquellen suchen, um die Abhängigkeit vom Zinsengeschäft zu reduzieren. Bislang bleiben diese Pläne sehr vage, da viel Zeit für die Aufarbeitung der Ära Vincenz beansprucht wurde. Angesichts ausstehender Hypotheken von 180 Milliarden Franken kann man nur hoffen, dass Raiffeisen bald neue Ertragsquellen findet. So könnte es sich die Genossenschaftsbank eher leisten, ihren aggressiven Kurs im Hypothekengeschäft zu drosseln.