SCHWEIZER ZUCKER: «Rechnen 2017 mit besserer Ernte»

2016 war ein schlechtes Rübenjahr. Entsprechend mussten die Zuckerfabriken Aarberg und Frauenfeld (ZAF) reagieren. Geschäftsführer Guido Stäger stimmt die Lage an der Verkaufsfront zuversichtlich.

Stefan Borkert
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Wegen der tiefen Zuckerpreise mussten auch die Rübenpreise gesenkt werden. (Bild: Donato Caspari (Oberstammheim, 25. September 2016))

Wegen der tiefen Zuckerpreise mussten auch die Rübenpreise gesenkt werden. (Bild: Donato Caspari (Oberstammheim, 25. September 2016))

Stefan Borkert

Sie investieren in Aarberg 90 Millionen Franken in ein Kraftwerk. Ist das der Anfang vom Ende der Zuckerproduktion in der Schweiz?

Wir sind in der Planungsphase, bisher ist kein Investitionsentscheid gefallen. Das Holzheizkraftwerk soll die Zuckerfabrik mit Wärme versorgen und ist deshalb nur rentabel, wenn in der Schweiz Zucker produziert wird.

Immerhin war das Jahr 2016 recht durchwachsen. Haben die Massnahmen, wie doppelt so viele Biorüben aus Bayern zu importieren und aus Österreich auch konventionelle Rüben, sich bewährt?

2016 war in der Schweiz ein schlechtes Rübenjahr. Die erhöhte Biorübenproduktion war möglich, weil die Nachfrage nach Biozucker steigt, daraus ergibt sich eine bessere Fabrikauslastung und ein vom konventionellen Zucker unabhängiges Geschäftsfeld. Der Import von konventionellen Rüben aus Österreich soll helfen, den Zuckerbedarf unserer Kunden zu decken, und ersetzt Importzucker, gleichzeitig steigt die Fabrikauslastung.

Warum ist der Biorübenanbau in der Schweiz eigentlich nicht so lukrativ? Sie müssen ja immer Biorüben aus dem Ausland kaufen.

Bioanbau verlangt viel Handarbeit, die ist in der Schweiz teurer als im Ausland. Wir sind aber an einem Projekt, um den Schweizer Biozucker zu fördern, einerseits durch verstärkte Automation in der Landwirtschaft und andererseits versuchen wir herauszufinden, ob die Kunden bereit sind, für Schweizer Bio-Zucker eine Prämie zu bezahlen. Das würde uns erlauben, mehr für Schweizer Biorüben zu zahlen.

Durch den Mischzucker verlieren Sie in Frauenfeld teils das Label Suisse Garantie. Müssen Sie diesen Zucker billiger verkaufen?

Der Mischzucker wird getrennt vermarktet, er enthält im Maximum zehn Prozent EU-Rüben. Wir verkaufen diesen Zucker nicht billiger.

Es hiess, der Import von konventionellen Rüben sei eine einmalige Massnahme. Was spricht gegen eine Wiederholung, wenn die Ernte wieder ähnlich schlecht ausgeht wie dieses Jahr?

Der Rübenimport war eine Reaktion auf die schlechte Ernte. Wir haben die Zuckerquote 2017 leicht erhöht und rechnen mindestens mit einer durchschnittlichen Ernte. Sollte sich wieder eine schlechte Ernte abzeichnen, behalten wir uns alle Optionen offen.

Für das kommende Jahr rechnen Sie mit einer besseren Ernte und einer höheren Zuckerausbeute. Was macht Sie optimistisch?

Die Ernte wird einerseits durch die angesäte Fläche und andererseits durch die meteorologischen Bedingungen bestimmt. Die Rübe ist grundsätzlich eine recht widerstandsfähige Pflanze und bringt bei einigermassen normalen Witterungsbedingungen gute Erträge.

Konnten Sie mit der Erhöhung der Beiträge an die Rübenpflanzer ehemalige zurückholen und neue ­gewinnen?

Die Erhöhung des Einzelkulturbeitrags hilft sicher ein wenig. Wir haben aber den Rübenpreis wegen der schlechten Zuckerpreise senken müssen, darunter hat die Anbaubereitschaft gerade auch in der Ostschweiz stark gelitten. Die zwei aufeinanderfolgenden schlechten Rübenjahre haben den Landwirten tiefe Hektarerträge gebracht. Da ist es verständlich, dass die Stimmung im Rübenanbau nach wie vor eher gedrückt ist.

Wie ist die Lage an den Märkten? Der Zuckerpreis hat ja wieder leicht angezogen.

Richtig. Die Lage an der Verkaufsfront stimmt doch zuversichtlich. Der Weltmarktpreis hat deutlich angezogen und auch in der EU sind die Preise gestiegen. Leider war die Schweizer Ernte 2016 klein und schon früh verkauft. Jetzt müssen die Kunden teuren Importzucker kaufen und unsere Bauern können nicht davon profitieren. Die besseren Aussichten stimmen uns und die Pflanzer doch zuversichtlich. Wenn es uns gelingt, genug Rüben anzupflanzen und eine gute Ernte einzufahren, können hoffentlich auch die Schweizer Bauern von den besseren Preisen profitieren.

Was würde dem Schweizer Zucker helfen, um die Schwankungen des Zuckerpreises am Weltmarkt, vor allem auch die Ausschläge nach unten, abzufedern? Braucht es Subventionen oder sollte man an den Zöllen schrauben?

Die Einzelkulturbeiträge wurden zuerst gesenkt und jetzt noch nicht auf das ursprüngliche Niveau erhöht. Sie sind wichtig, wenn wir in der Schweiz Zucker zu mit der EU vergleichbaren Preisen produzieren wollen. Das verlangt unsere Nahrungsmittelindustrie, um auf dem EU-Markt mit ihren Produkten konkurrenzfähig zu sein. Andererseits hebt die EU ihre Quotenregelung auf Oktober 2017 auf, und sie wird ihre Produktion massiv ausdehnen. Wir befürchten deshalb, dass aus der EU Überschusszucker zu Dumpingpreisen in die Schweiz kommt.

Wie also kann dem begegnet werden?

Wir verlangen einen tempo- rär und moderat verbesserten Grenzschutz, um uns vor den EU-Überschüssen zu schützen. Das kann durch einen Schwellenpreis oder durch einen leicht erhöhten Zollansatz erreicht werden. Unser Ziel ist ein minimaler Zuckerpreis ab Fabrik von 60 Rappen pro Kilogramm. Damit könnte der Rübenanbau in der Schweiz einigermassen gesichert werden.