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Interview

Die Rübe muss interessant bleiben: «Die heimische Zuckerproduktion hat Zukunft»

Der CEO der Schweizer Zucker AG, Guido Stäger, ist überzeugt, dass die heimische Zuckerproduktion Zukunft hat.
Interview: Stefan Borkert
Zuckerchef Guido Stäger in der Schweizer Zuckerfabrik. Mit neuen Geschäftsfeldern werden bereits 10 Millionen Franken Umsatz erzielt. Bild: Andrea Stalder

Zuckerchef Guido Stäger in der Schweizer Zuckerfabrik. Mit neuen Geschäftsfeldern werden bereits 10 Millionen Franken Umsatz erzielt. Bild: Andrea Stalder

Droht dem Schweizer Zucker das Aus? Die aktuelle Untersuchung «Betriebswirtschafts- studie Schweizer Zucker» empfiehlt mittelfristig über das Ende der Zuckerproduktion in der Schweiz nachzudenken. Der Weltmarkt schüttelt auch den Schweizer Zucker mächtig durch.

Die neue Studie zum Schweizer Zucker rät, dass über ein Ende der Zuckerproduktion in der Schweiz nachgedacht werden soll. Haben Sie sich schon dazu Gedanken gemacht?

Guido Stäger: Die Studie ist sehr breit gefasst und betrachtet verschiedene Szenarien unter anderem auch die Ausstiegsoption. Wir hingegen glauben an die Schweizer Zuckerproduktion und einen sinnvollen Selbstversorgungsgrad mit Zucker.

Was würde passieren, wenn beide Zuckerfabriken geschlossen würden?

Die Schweiz wäre zu 100 Prozent von Zuckerimporten abhängig und auf den frei werdenden Ackerflächen müsste etwas anderes angebaut werden. Das ist keine sinnvolle Option.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass es betriebswirtschaftlich keinen Sinn macht, nur eine Zuckerfabrik zu schliessen. Sehen Sie das auch so?

Ja wir stehen zur Zwei-Werk-Strategie. Sie hat viele logistische Vorteile und ist deshalb auch langfristig nachhaltig. Wir wollen einen Rübenanbau über das ganze Mittelland mit möglichst kurzen Wegen für Rüben, Futtermittel und Zucker.

Das tönt paradox. Die Anbaufläche schrumpft und damit auch die Auslastung. Müssen also mehr Rüben importiert werden?

Es ist unser Ziel, die Anbaufläche wieder auf 20000 Hektaren zu erhöhen, zwischenzeitlich werden wir komplementär Rüben und auch Zucker importieren. Um 20000 Hektaren zu erreichen, muss die Rübe eine interessante Ackerfrucht bleiben im Vergleich zum Beispiel zu Raps, Getreide und Mais.

Lohnt sich das? Biorüben sind ja schon Importware.

Wir fördern den Bioanbau in der Schweiz mit grossem Engagement und haben sehr gute Wachstumsraten. Der Schweizer Biozucker findet auch guten Absatz.

Warum schrumpft die Anbaufläche von Rüben? Landwirte sagen, der Rübenanbau sei riskant.

Wir brauchen gesicherte und stabile Rahmenbedingungen für den Anbau. Das haben wir im Moment mit dem Bundeslandwirtschaftspaket. Aber wir brauchen auch Lösungen für neue Herausforderungen wie resistentere Sorten gegenüber Krankheiten und Trockenheit. Der Landwirt braucht Unterstützung, um die Risiken tragen zu können. Dazu gehört ein angemessener und möglichst stabiler Rübenpreis.

Die Zuckerfabrik in Frauenfeld. Bild: Reto Martin.

Die Zuckerfabrik in Frauenfeld. Bild: Reto Martin.

Der Schweizer Zucker ist dem Spiel der Kräfte ausgeliefert. Über die Grenze geblickt hat Südzucker ja auch Probleme. Was ist also los auf dem Weltmarkt?

Der Weltmarktpreis ist zu tief, weil grosse Produzenten ihre Überschüsse zu Dumpingpreisen mit Subventionen exportieren. Da haben wir das Recht, unsere, der Selbstversorgung dienende Produktion, angemessen zu schützen. Die EU schützt ihren Markt mit 419 Euro je Tonne Grenzschutz und hat nur Probleme, wenn sie Überschüsse für den Weltmarkt produziert.

Der Bundesrat hat dem Schweizer Zucker unter die Arme gegriffen. Aber laut Bericht reicht das nicht. Was also braucht es noch?

Das Bundespaket bringt einigermassen stabile Rahmenbedingungen für drei Jahre. Unterdessen erholen sich die EU-Preise schrittweise. Wir wollen jetzt die Optimierungsmassnahmen aus dem Bericht umsetzen. Gleichzeitig müssen wir aber über eine Verlängerung oder Anpassung der Bundesmassnahmen diskutieren.

Die Politik ist das eine, Ökonomie das andere. Optimierungen laufen ja schon seit Jahren. Wo sehen Sie beim Schweizer Zucker noch weiteres Optimierungspotenzial?

Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen, dann sind auch weitere Optimierungen entlang der Wertschöpfungskette möglich. Aber am Schluss müssen der Konsument und die Industrie einen Mehrpreis für die nachhaltige Schweizer Zuckerproduktion bezahlen. Die Landwirtschaft hat höhere Produktionskosten in der Schweiz. Der Transport ist aufwendig und teuer, aber nachhaltig. Die Verarbeitung bekommt übrigens in der Studie gute Noten. Die Fabrikationskosten sind auf EU-Niveau.

Werden auch neue Geschäftsfelder erschlossen?

Wir sind schon länger daran, neue Geschäftsfelder zu erschliessen. Wir machen bereits 10 Millionen Franken Umsatz mit Biozucker und -Futtermitteln, und die Pektinproduktion in Frauenfeld ist angelaufen.

Grossverteiler bieten immer mehr Getränke und Lebensmittel mit reduziertem Zuckergehalt an. Trägt das auch zur Zuckerkrise bei?

Wir schreiben niemandem vor, wie viel Zucker er einsetzen soll. Sie können Ihren Kaffee auch schwarz oder mit viel Milch trinken. Aber wir möchten einen vernünftigen Anteil des Schweizer Zuckerverbrauchs zusammen mit den Schweizer Bauern selber in der Schweiz produzieren.

Weihnachten ist ein Zuckerfest. Da sind auch Ihre Nächte ruhiger, oder?

Wie gesagt, wir möchten, dass die Schweizer Guetzli und unsere Schokolade mit Schweizer Zucker hergestellt werden. Dann schmecken sie nämlich auch deutlich besser.

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