SCHWEIZER ZUCKER AG: Bittere Momente für den Zucker

Zwei magere Ernten in Serie und die Liberalisierung des EU-Zuckermarktes belasten die hiesige Branche. Ob Zuckerfabriken oder Rübenbauern – unter Druck stehen sie alle.

Thomas Griesser Kym
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Thomas Griesser Kym

Ein lediglich «durchschnittliches Ergebnis» hat die Schweizer Zucker AG im vergangenen Geschäftsjahr 2015/16 verbucht. Und es könnte noch dicker kommen: Im laufenden Jahr wird in der EU erstmals ohne die Quoten der bisherigen Zuckermarktordnung produziert werden. Zwar ist gegenwärtig noch ungewiss, wie viel zusätzlicher Zucker in der EU hergestellt wird und wie dies den Schweizer Zuckermarkt beeinflusst. Doch Andreas Blank, Präsident des Verwaltungsrates der Schweizer Zucker AG, stellt sich «auf eine Überproduktion in der EU ein». Dies werde zur Folge haben, dass «noch mehr überschüssiger Zucker zu Tiefpreisen» auf den Schweizer Markt dränge.

Die Schweizer Zucker AG betreibt die beiden Schweizer Zuckerfabriken in Frauenfeld und im bernischen Aarberg. Nach der roten Null im Vorjahr (Verlust von 48000 Fr.) resultierte diesmal mit einem Gewinn von 28000 Fr. ei­ne schwarze Null. Dazu bedurfte es allerdings erneut der Auflösung von Reserven, denn operativ fiel ein Verlust von 2,7 Mio. Fr. an nach einem solchen von 6,7 Mio. Fr. im Vorjahr.

Sehr ungünstiges Wetter hatte den Schweizer Rübenbauern 2015 eine Ernte von lediglich 1,38 Mio. Tonnen Rüben erlaubt, fast 30% weniger als im Vorjahr. Die kleinste Ernte seit 2006 reduzierte aber den Warenaufwand, die Fabriken steigerten ihre Effizienz, und sie nahmen lediglich notwendige Ersatzinvestitionen vor. In Frauenfeld lag der Schwerpunkt auf der Installation dreier neuer Schnitzelpressen. Positiv war der rekordhohe Zuckergehalt der Rüben von 18,9% (in der Frauenfelder Fabrik gar 19,2%).

«Der attraktivste Absatzmarkt»

Den Schweizer Zuckerfabriken spielte auch die Entwicklung des Weltmarktes in die Hände. Nach sechs Jahren mit hohen Überschüssen wurde Zucker knapper. Während der globale Konsum auf über 180 Mio. Tonnen zunahm, sank die Herstellung vor allem witterungsbedingt. Die Lücke von 10 Mio. Tonnen wurde aus Vorräten gedeckt, was deren Volumen auf unter 40% des Verbrauchs drücke. Als Folge löste sich der Zuckerpreis von einem Tief, das er im Sommer 2015 ­erreicht hatte (siehe Grafik).

Diese «lang ersehnte Preiswende», wie es Blank formuliert, wirkt sich mittlerweile vermehrt auch auf den EU-Zuckerpreis aus, der noch bis gegen Ende 2016 auf ­tiefem Niveau geklebt hatte. Wie lange die Preiserholung anhalten wird, «wissen wir jedoch nicht», sagt Blank. Er geht aber davon aus, dass die Ertragslage der Schweizer Zucker AG «schwierig» bleibt. Denn «die Schweiz ist für EU-Zucker der attraktivste Absatzmarkt ausserhalb der EU». Dabei spielt eine wichtige Rolle, dass die Schweiz Importzucker mit lediglich 8 Fr. pro 100 Kilo belastet (während die EU ihren Zuckermarkt gegen Importe aus Drittstaaten ohne Präferenzabkommen mit 42 € pro 100 Kilo faktisch völlig abschottet).

Die Schweizer Zucker AG hat deshalb gefordert, den Grenzschutz temporär zu erhöhen. Der Ausgang ist ungewiss; entsprechende politische Vorstösse sind in der parlamentarischen Beratung. Immerhin wurden die Einzelkulturbeiträge für die Rübenbauern erhöht. Das allein reiche jedoch nicht, um die Anbau­bereitschaft zu sichern, denn die Rübenpreise sind erneut leicht gesunken, was zudem den Anbau von der Ost- in die Westschweiz verlagert. Blank äussert die Hoffnung, dass als Folge der Swissness-Gesetzgebung eine gewisse Prämie für Schweizer Zucker geheuscht werden könnte. Allerdings: Aus der Ernte 2016, die ins Geschäftsjahr 2016/17 einfliesst, wurden lediglich 210000 Tonnen Zucker produziert – was «die Versorgung mit Schweizer Zucker 2017 erschweren dürfte».