Schweizer Tesla unter den Füssen

Was mit der Weiterentwicklung von Hoverboards begann, ist inzwischen ein international tätiges Start-up. SoFlow baut unter anderem E-Skateboards und E-Scooter. Die Erfinder sind für den Preis Startfeld Diamant nominiert.

Sarah Bünter
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SoFlow-Mitgründer Manuel Hug tourt auf einem seiner E-Scooter durch die Stadt St. Gallen. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

SoFlow-Mitgründer Manuel Hug tourt auf einem seiner E-Scooter durch die Stadt St. Gallen. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Tesla hat die Elektroautos zu einem Statussymbol gemacht. Dass es nachhaltige und digitalisierte E-Mobilität auch im Individualverkehr gibt, ist weitaus weniger bekannt. Ein St.Galler Start-up namens SoFlow hat dieses Marktpotenzial bereits 2015 erkannt. Ihre ausgeklügelte Ingenieurskunst ist auch Grosskonzernen wie etwa BMW nicht verborgen geblieben. Die Jungunternehmer konnten damit der internationalen Konkurrenz die Stirn bieten. Mit ihren Produkten wollen sie «der Tesla des Mikro-Mobilitätssektors werden.»

«Die Benutzerfreundlichkeit zeichnet unsere Produkte aus.», sagt Mitgründer Manuel Hug bei einer Testfahrt in der Stadt St.Gallen. Tatsächlich kann man auf dem E-Scooter stehen, den Gashebel bedienen, und los geht’s. Ebenso unkompliziert funktioniert ihr eigens entwickeltes E-Skateboard «LOU». Mit einer Fernsteuerung in der Hand wird durch einen Regler nach vorne Gas gegeben, nach hinten gebremst. Dabei schaltet sich das Skateboard automatisch ein und aus. Neben den E-Scootern und E-Skateboards gibt es von SoFlow auch E-Bikes und E-Karts.

Bis vor 18 Monaten wurden die Gründer Manuel Hug, Zi Fong Giang und Martin Neuckel noch in der Schweiz für ihre Produkte belächelt. Doch die zunehmenden Verkehrsprobleme in den Städten führen zu vermehrten Restriktionen für den Individualverkehr mit Autos. Die daraus resultierenden Engpässe im öffentlichen Verkehr lassen, laut Hug, den Trend von Sharing-Scootern boomen. Wo der öffentliche Verkehr an seine Grenzen komme, werde heute immer mehr auf Mikro-E-Mobilitätslösungen wie jene von SoFlow gesetzt. Sie seien nicht nur ökologisch, sondern bieten den Nutzern auch Flexibilität. Durch diese Entwicklung sei das Ansehen von SoFlow gestiegen, sagt Hug. Für viele Kunden seien ihre SoFlow-Produkte zum flexiblen Autoersatz im Stadtverkehr geworden.

Mit einer Lieferung an Manor von 28 Hoverboards hat im Jahr 2015 das Geschäft von SoFlow begonnen. Bereits nach ein paar Wochen durften sie 300 Boards liefern. Weitere Produkte führten zur Erfolgsgeschichte. So verkauften sie beispielsweise den ersten in der Schweiz zugelassenen elektrifizierten Scooter. Neben der Erweiterung des Produktportfolios kamen auch neue Grossverteiler wie Mediamarkt und Fust als Kunden hinzu.

«LOU» ist in den USA ein Hit

Für ihr Skateboard namens «LOU» sei der grösste Absatzmarkt heute Amerika, und Hug fährt fort, dass dies vor allem auf gesetzliche Restriktionen in der EU zurückzuführen sei. Auch in der Schweiz sind die E-Skateboards noch verboten. Doch die Zukunft sieht gut aus, denn in Deutschland werden im kommenden Juni E-Scooter zugelassen und im Herbst folgen die E-Skateboards. Hug äussert sich überzeugt, dass die EU bald nachziehen werde. Wann die Skateboards in der Schweiz zugelassen werden, sei aber noch ungewiss.

Die Neugierde für Selbstentwickeltes hat die Freundschaft zwischen Hug und Zi Fong Giang schon in der frühen Kindheit geprägt. Sie sind beide in Wil aufgewachsen, und trotz unterschiedlicher Berufsrichtungen haben sie sich nie aus den Augen verloren. Durch die Tätigkeit von Hug bei Manor kam es zum Dritten im Bunde, Martin Neuckel. «Dass wir eines Tages alle unseren Job an den Nagel hängen für eine eigene Firma, davon hätten wir nie geträumt» sagt Hug.

Nach langjähriger Tätigkeit in der Schweiz durfte Zi Fong Giang für die Firma Bühler nach China reisen. Auch in geografischer Distanz teilten die Freunde ihre Neugierde weiter und durchdachten mindestens ein Dutzend eigene Geschäftsideen. Einige davon verwarfen sie bereits nach fünf Minuten, andere nach zwei Wochen. Doch keine überzeugte die beiden zur Umsetzung, bis ein Mikro-E-Mobility-Produkt zur Diskussion kam. Aufgewachsen in einem Umfeld von Elektroengineering entfachte das Produkt Hugs Begeisterung vom ersten Tag an. Eine Passion, die auch nach drei Jahren noch immer nicht endet.

In der Zwischenzeit ist das Unternehmen in Europa, den USA und China vertreten. In Flawil ist die Hauptniederlassung, in der die ganze Entwicklung stattfindet. In China ist noch heute Mitgründer Zi Fong Giang vor Ort. Dank ihm werden die Produktionsprozesse erheblich erleichtert. Dies ermögliche ­SoFlow eine wesentlich flexiblere Entwicklung und die Produktion zu attraktiveren Bedingungen, so Hug. In den USA befinden sich Marketing und Vertrieb. In Europa ist ein weiterer Standort geplant, um die Geschäfte innerhalb der EU einfacher abwickeln zu können.

Bereits nach dem ersten Jahr stand bei dem Start-up ein Umsatz von mehr als zwei Millionen Franken zu Buche. Einen bedeutenden Erfolg feierte das junge Unternehmen im vergangenen Dezember, als die exklusive Partnerschaft mit BMW unterschrieben wurde. Diese Zusammenarbeit entstand durch einen Glücksfall. So wurde das Unternehmen an der Ispo, der grössten Sportmesse der Welt in München, von Verantwortlichen für das BMW-Projekt «Personal Mover» entdeckt. Auf ein Gespräch folgten konkrete Entwürfe und Planungen sowie schlussendlich die exklusive Partnerschaft mit dem bayrischen Unternehmen. Dadurch darf SoFlow nun das gemeinsam entwickelte und patentierte Mikro-E-Mobilitätsfahrzeug weltweit weiterentwickeln, produzieren und vermarkten.

Mit dieser Partnerschaft hat SoFlow nach drei Jahren Tätigkeit ein Zeichen für seine Zukunft gesetzt. Doch die Gründer ruhen sich nicht aus: «Wir denken immer einen Schritt weiter», sagt Hug, während er begeistert weiter von neuen Ideen und Projekten erzählt.

Startfeld Diamant

Zum achten Mal vergibt die St. Galler Kantonalbank den Startfeld Diamant. Das ist eine Auszeichnung für Ostschweizer Jungunternehmen. Die Preisverleihung findet am 12. Juni statt. Unsere Zeitung porträtiert die fünf Finalisten in loser Reihenfolge. (red)