Schweizer Finanzplatz
Die UBS-Finanzen sind künftig in Frauenhand

Die Grossbank wird bei der Suche nach einer neuen Finanzchefin noch einmal in den USA fündig.

Daniel Zulauf
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Sarah Youngwood wird Finanzchefin bei der UBS.

Sarah Youngwood wird Finanzchefin bei der UBS.

Zvg / Aargauer Zeitung

Die Finanzen der UBS liegen künftig in Frauenhand. Die Bank hat am Mittwoch die Verpflichtung der Franko-Amerikanerin Sarah Youngwood als neue Finanzchefin bekanntgegeben. Die 51-jährige Managerin ist seit 25 Jahren für die aktuell grösste US-Bank JP Morgan Chase tätig. Seit 2016 führt sie die Finanzen des Privatkundengeschäfts, der umsatzmässig grössten Sparte des Bankkonzerns.

Youngwood werde Anfang März zur UBS stossen und nach einer zweimonatigen Einführungsphase die Position des derzeitigen Finanzchefs Kirt Gardner übernehmen. Der 61-jährige Amerikaner werde «neue Chancen ausserhalb von UBS wahrnehmen», heisst es in der Medienmitteilung.

Karriere gemacht bei JP Morgan

Die Nomination von Sarah Youngwood trägt offensichtlich die Handschrift von UBS-Chef Ralph Hamers. Der Niederländer war im November 2020 zu der grössten Schweizer Bank gestossen mit dem Auftrag, deren Digitalisierung stärker voranzubringen. Sarah Younwood dürfte diesbezüglich ein für den Niederländer hilfreiches Wissen mitbringen. JP Morgan betreut gemäss Geschäftsbericht rund 63 Millionen Privatkunden.

80 Prozent der Kontoneueröffnungen erfolgen digital. Über 40 Millionen Kunden nutzen nach Angaben der Bank das Mobiltelefon für ihre Bankgeschäfte. Die von Youngwood mitverantwortete Geschäftssparte ist in puncto Gewinn deutlich weniger gross als zum Beispiel die Investment Bank. Dennoch erreicht die Sparte eine respektable Eigenkapitalverzinsung von 15 Prozent. Offensichtlich versteht es JP Morgen im Retailgeschäft die bedeutenden Grösseneffekte zu nutzen und mit Hilfe der Digitalisierung die Produktivität zu steigern.

Vor der Beförderung zur Divisions-Finanzchefin arbeitete die gebürtige Französin in der Investor-Relations-Abteilung. Diesen Job übernahm sie im Januar 2012 nur wenige Monate bevor der als «London Whale» bekanntgewordene Trading-Skandal ruchbar geworden war, der JP Morgan einen Verlust von 6 Milliarden Dollar, eine Milliardenstrafe und einen gravierenden Reputationsschaden eingetragen hatte.

Zuvor arbeitete Youngwood während 14 Jahre im Investment Banking von JP Morgan. Dort erlebte sie hautnah die Exzesse im Handel mit hypothekarisch gedeckten Anleihen, mit denen die UBS rund 40 Milliarden Franken verlor und deshalb 2008 vom Staat gerettet werden musste.

Vier Frauen und acht Männer

Youngwood wird die vierte Frau in der 12-köpfigen UBS-Konzernleitung. Die 3-fache Mutter ist bei JP Morgan auch Leiterin des «Diversity & Inclusion Teams», das für gesunde Zusammensetzung Personals sorgen soll. Die Managerin sitzt auch im Beirat von «Wall Street Women’s Alliance», einer Lobbyorganisation von Wall-Street-Bankerinnen.

Wie Hamers seine neue Finanzchefin künftig einbinden und einsetzen will, wird man mindestens teilweise am Kapitalmarkttag der UBS im Februar erfahren. Dann will der der Niederländer den ganzen Schleier über seiner Digitalstrategie lüften.

Der scheidende Finanzchef Kirt Gardner ist seit Anfang 2016 in dieser Rolle für UBS tätig. Er hatte die Position von Tom Naratil übernommen, der seither in den USA das Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS leitet. Gardner war 2013 von Citigroup zur UBS gestossen und hatte zunächst die Verantwortung für die Finanzen des grössten Geschäftsbereichs UBS Wealth Management. Während die UBS bei der Suche nach Finanzchefs schon seit längerem immer wieder in den USA fündig wird, erhält die Grossbank im kommenden Frühjahr mit Colm Kelleher erstmals auch einen amerikanischen Verwaltungsratspräsidenten – wenn auch mit irischen Wurzeln.

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