Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Schweizer Drohnen trumpfen in Paris auf

Schweizer Firmen und Tüftler sorgen an der Pariser Technologie-Messe Vivatech besonders in einem Produktesegment für Furore: den Drohnen für den professionellen Gebrauch.
Stefan Brändle, Paris
Niels Delore mit der Drohne "Elios". (Bild: Stefan Brändle)

Niels Delore mit der Drohne "Elios". (Bild: Stefan Brändle)

«Kuckuck!», sagt die Wanduhr, doch als sich das Türchen über dem Zifferblatt öffnet, erscheint kein Vögelchen – sondern eine flinke Drohne. So zu sehen ist die Sequenz im neuen Videoclip von Présence Suisse, dem Marketingorgan des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten.

Auch im Schweizer Pavillon der Vivatech-Messe in Paris hängen mehrere Kuckucksuhren an der Wand. Doch nicht deswegen ist der Stand wie eine Voliere mit einem Netz geschützt: Vielmehr hatten die französischen Organisatoren des Salons – nach wenigen Jahren zu einem der grössten seiner Art geworden – den Schweizern die Auflage gemacht.

Markt für Drohnen beläuft sich auf 40 Milliarden

Sie brachten nämlich eine ganze Reihe von «seltsamen Vögeln» mit, wie Nicolas Bideau von Présence Suisse gestern meinte. Drohnen eben. Gemeint sind aber nicht die fliegenden Plastikdinger mit Fernsteuerung aus China. «Die Stärke der Schweiz liegt nicht in der Billigproduktion für den Massenkonsum», erklärte Bideau dieser Zeitung. «Unsere Firmen produzieren hochwertige Industrieapparate, die hochkomplex sind, aber zugleich absolut zuverlässig sein müssen.»

Der weltweite Drohnenmarkt wächst rasant. Er wiegt bereits 40 Milliarden Dollar. 2005 waren es erst zwei Milliarden gewesen; und in einem Jahrzehnt dürfte der Umsatz 100 Milliarden erreicht haben, schätzt Présence Suisse. Schweizer Firmen schneiden sich ein kleines, aber feines Stück vom Kuchen ab. Rund ein Dutzend Unternehmen exportiert schon in grossem Umfang.

Die Lausanner Firma Flyability führte in Paris etwa ihre Drohne «Elios» vor, die auch an «gefährlichen Orten oder in geschlossenen Räumen» einsetzbar ist – etwa zur Überwachung von Reaktorräumen in Atomkraftwerken, von Hochöfen oder von Galerien in Bergwerken. 400 dieser Geräte hat das junge Unternehmen mit 70 Angestellten bereits in alle Kontinente verkauft. Das macht, wenn man den Stückpreis von 25000 Franken hochrechnet, allein schon 10 Millionen Franken Umsatz. Das Ganze dank einer einfachen, aber einleuchtenden Idee und der adäquaten Umsetzung: «Andere Berufsdrohnen für heikle oder enge Orte versuchen mit Sensoren jeden Kontakt oder Aufprall zu vermeiden», erklärte Niels Delore von Flyability, und spielt mit dem filigranen Ding, als wäre es kein Kondensat von Spitzentechnologie, sondern ein biederer Fussball. «Wir haben die Drohne im Gegenteil stosssicher und schlagresistent gemacht.»

«Drohnenindustrie muss sich nicht verstecken»

Gute Ideen allein genügen dafür aber nicht. Auch das Umfeld muss stimmen. Berufsdrohnen seien wie gemacht für die Schweiz, meinte Mauro Dell’Ambrogio, Staatssekretär für Bildung, Forschung und Innovation, am Schweizer Stand. «Vor weniger als hundert Jahren hat die Schweiz noch ganze Autos hergestellt. Diesen umfassenden Aufwand können sich heute nur noch Grossstaaten leisten. Aber Drohnen sind unsere Grösse.» Ein Standortvorteil ist laut Dell’Ambrogio gerade in Zukunftssektoren wie den Drohnen die enge Kooperation der technischen Hochschulen und der Privatwirtschaft. Ein Beispiel ist die viereckige Riesendrohne, an der das Unternehmen Skypull in Lugano tüftelt. Das mit vier Propellern und einem Grundriss von 17 auf 17 Meter ausgestattete Ungetüm soll auf einer Flughöhe von 600 Metern Strom produzieren – dank Winden, die dort viermal stärker blasen als auf Höhe der Windrotoren. Jetzt sucht Skypull private Investoren. Startklar ist diese Winddrohne noch lange nicht. «Aber welche nachhaltige Neuerung war kein kommerzielles Risiko?», frage Mona.

Eine Frage stellt sich ob des ganzen Auftritts in Paris: Warum ist die Drohnen-Industrie eigentlich im eigenen Land nicht bekannter? Das Image sei schlecht, weil mit den neuen fliegenden Untertassen Themen wie Unsicherheit oder Einbruch in die Privatsphäre verbunden würden, sinniert Nicolas Bideau. «Dabei sind professionelle Drohnen zur Kontrolle des Luftraums oder von Waldbrandgebieten sehr sinnvoll. Die Schweizer Drohnenindustrie muss sich nicht verstecken», fordert Bideau. Présence Suisse verteilt deshalb in Paris eine leuchtend rote Broschüre mit dem noch knalligeren Titel «Switzerland, home of drones» – «Die Schweiz, Heimat der Drohnen». In Paris fällt halt nur auf, wer sich auch bemerkbar zu verstehen weiss. Am 26. Juni will Bundesrätin Doris Leuthard in Zürich ihrerseits ein Netzwerk für «Drohnen-Innovatoren» ins Leben rufen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.