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Schweizer BIP im ersten Quartal schneller gewachsen als erwartet

Die Pharmabranche und ausgabenfreudigere Konsumenten geben dem Wachstum neue Impulse. Doch die Industrie zeigt Schwächen.
Daniel Zulauf
In der Industrie lief es auch schon besser. (Bild: KEYSTONE/AP dapd/ROBERTO PFEIL)

In der Industrie lief es auch schon besser. (Bild: KEYSTONE/AP dapd/ROBERTO PFEIL)

Das Wachstum der Schweizer Wirtschaft hat sich in den ersten drei Monaten des Jahres spürbar belebt. Nach den vorläufigen Berechnungen der Konjunkturexperten des Bundes ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) im ersten Quartal teuerungsbereinigt um 0,6 Prozent gewachsen. Gegenüber dem Schlussquartal des Vorjahres hatte das Wachstum lediglich 0,3 Prozent betragen.

Ronald Indergand vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) spricht auf Anfrage von einer «positiven Überraschung». Für das Gesamtjahr rechnet das Seco in seiner Prognose vom März mit einem BIP-Wachstum von 1,1 Prozent. Eine «substanzielle» Anpassung der Prognose nach oben sei trotz der aktuell guten Entwicklung «eher nicht zu erwarten». Dafür seien auch die Aussichten für die Weltwirtschaft zu unsicher.

Derweil hat die UBS ihre Jahresprognose am Dienstag aber bereits auf 1,3 Prozent angehoben. Mit ihrer bisherigen Voraussage von 0,9 Prozent lag sie allerdings auch deutlich unter dem Konsens der Schweizer Konjunkturauguren.

Höhere Konsumausgaben

Die positive Entwicklung der Schweizer Wirtschaft passt zu der konjunkturellen Beschleunigung, wie sie jüngst auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten war. Das Wachstum der 28 EU-Staaten hat sich über den Jahreswechsel hinaus von 0,3 Prozent auf 0,5 Prozent beschleunigt. In Deutschland, dem Abstand wichtigsten Handelspartner der Schweiz, expandierte das Bruttoinlandprodukt zuletzt um 0,4 Prozent, verglichen mit einer Stagnation im Winterquartal.

Die im europäischen Vergleich überdurchschnittlich starke Tempoerhöhung der Schweizer Wirtschaft ist primär auf höhere Konsumausgaben zurückzuführen. Diese erreichten gemäss den Berechnungen des Bundes erstmals seit eineinhalb Jahren wieder einen Wert, der leicht über dem 25-jährigen Durchschnitt liegt. Die Konsumausgaben tragen rund 50 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei. Entsprechend stark wirken sich schon kleine Veränderungen auf die Wirtschaftsleistung aus. Ein zuverlässiger Treiber der Konsumausgaben sind die administrierten Preise im Gesundheitswesen, allen voran die Krankenkassenprämien. Diese sind für 2019 um durchschnittlich 1,2 Prozent gestiegen. Allerdings fiel der Anstieg geringer aus als in den Vorjahren, sodass auch genügend Raum für freiwillige Ausgaben blieb.

Indergand geht davon aus, dass sich die zuletzt wieder rückläufige Teuerung «tendenziell belebend» auf den Konsum ausgewirkt hat. Im vergangenen Jahr waren die Reallöhne aufgrund der höheren Inflation (0,9 Prozent) um 0,4 Prozent gesunken. Zurzeit bewegt sich die Inflation im Bereich von 0,7 Prozent, bei einer vom Bundesamt für Statistik ermittelten Steigerung der Nominallöhne im ersten Quartal um 0,5 Prozent.

Einen positiven Wachstumsbeitrag lieferten auch die Exporte, die das robuste Wachstum aus dem Schlussquartal des Vorjahres (6,4 Prozent) nochmals um 1,2 Prozent übertroffen haben. In der Exportwirtschaft ist das Wachstum aber nicht sehr breit abgestützt. Während sich die Pharmabranche und auch die Uhrenindustrie vor allem in den ersten zwei Monaten des Jahres mit guten Exportleistungen hervortun konnten, verlief die Entwicklung in der Maschinenindustrie nur schleppend.

Die ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Exportdaten der Eidgenössischen Zollverwaltung und des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie für den Monat April weisen in eine weniger günstige Richtung. Die Ausfuhren von Uhren sind im Vorjahresvergleich 0,4 Prozent auf 1,8 Milliarden Franken zurückgegangen und auch bei den Maschinen weist der Trend nach unten.

Zu den Uhren gilt es allerdings zu bemerken, dass der Vergleichsmonat April 2018 aufgrund eines starken Lageraufbaus bei britischen Händlern mit Blick auf den Brexit ein ungewöhnlich hohes Exportniveau erreicht hatte. Dass sich das Klima in der Industrie dennoch verschlechtert, wird auch durch vorauslaufende Konjunkturindikatoren wie den Einkaufsmanagerindex bestätigt, der aktuell eine Kontraktion anzeigt.

Abnehmender Auftragsbestand

Die sich verflachende Industriekonjunktur trifft nicht zuletzt die kleinen Unternehmen. Dies zeigt eine neue Quartalsbefragung der Mitgliedsfirmen von Swissmechanic, dem führenden Verband von KMU in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Gemäss der ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Umfrage berichtet ein Drittel der Unternehmen von einem abnehmenden Auftragsbestand, während etwa ein Viertel der Unternehmen einen steigenden Auftragsbestand vermeldet. Für den erwarteten Auftragsbestand im zweiten Quartal 2019 akzentuiere sich dieses Bild weiter.

Obschon die Eskalation des Handelsstreites zwischen den USA und China einen raschen Wiederaufschwung der Mitte 2018 ins Stocken geratenen Weltwirtschaft infrage stellt, wie die Ökonomen der UBS feststellen, kann die Schweiz der unsicheren Zukunft einigermassen zuversichtlich entgegensehen.

Diesen Schluss lässt mindestens der am Dienstag aktualisierte Index des Lausanner Managementausbildungszentrums IMD in Lausanne zu, der die Wettbewerbsfähigkeit der Länder misst. Nachdem das Land 2017 vom dritten auf den fünften Platz zurückgefallen war, hat es sich heuer wieder auf den vierten Platz verbessert. Ausschlaggebend für den Aufstieg waren das robuste Wirtschaftswachstum im Vorjahr, die relative Stabilität des Frankens und die hohe Qualität der Infrastruktur. Die USA mussten den Spitzenplatz an Singapur abgeben und stehen im Ranking nun direkt vor der Schweiz.

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