Ranking
Schweizer Banken sind nur noch im oberen Mittelfeld

Beim Eigenkapital sind die Schweizer führend – bei der Bonität liegen andere vorne. bei den Ratings läuft die Raiffeisen den anderen Schweizer Banken den Rang ab.

Matthias Niklowitz
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Schweizer Banken, im Bild der Zürcher Paradeplatz (Archiv)

Schweizer Banken, im Bild der Zürcher Paradeplatz (Archiv)

KEYSTONE

Die Schweizer Grossbanken schneiden beim Eigenkapital gut ab, wie die einschlägigen Rankings zeigen. Ende März, nach Abschluss des ersten Quartals, liegt die UBS mit 10,1 Prozent Eigenkapital im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiven knapp vor BNP Paribas aus Frankreich und vor HSBC mit Sitzen in London und in Hongkong.

Etwas zurück liegt die Credit Suisse. «Gegenüber ihrer Vergleichsgruppe grosser internationaler Banken weist UBS die höchste Basel-III-Kernkapitalquote auf Basis einer vollständigen Umsetzung auf», kommentiert die Grossbank ihre Eigenkapitalausstattung.

«Die Credit Suisse wies per Ende des ersten Quartals 2013 eine Kernkapitalquote von 9,8 Prozent aus», heisst es bei der Credit Suisse. «Wir gehen davon aus, dass wir um die Mitte dieses Jahres 10 Prozent übertreffen werden.»

Und auch die dritte «heimliche» Grossbank, Raiffeisen, verweist auf ihre solide Kapitalausstattung: «Raiffeisen ist gut kapitalisiert und erfüllt die Anforderungen von Basel III auch mit dem angekündigten antizyklischen Puffer bereits heute», wie ein Sprecher auf Anfrage sagt.

Bei Kreditanalysten ist das Eigenkapital zwar ein wichtiger, aber nicht der einzige Faktor, der in ihre Bewertungen einfliesst. Diese Ratings, die mit den bekannten Buchstaben- und Zahlenkombinationen von AAA (sehr solide) bis zu D (pleite) reichen, bilden die Entscheidungsgrundlage für gut informierte Gläubiger wie beispielsweise die Käufer von Banken-Obligationen.

Von den drei erwähnten grossen schweizerischen Banken liegt Raiffeisen mit einer Bewertung von Aa2 (von Moody’s) am besten. Damit wären die St. Galler auch im weltweiten Vergleich vor HSBC, der US-Bank JP Morgan und Credit Suisse führend.

Die UBS liegt etwas zurück, wenn man auf diese Credit Ratings abstellt. Und noch einmal anders präsentiert sich das gestern von der Zürcher Research-Boutique Independent Credit View (I-CV) publizierte Ranking, das auch einen Stresstest mit drastischem Wachstumseinbruch und steigender Arbeitslosigkeit umfasst:

Diesem Ergebnis zufolge ist die Svenska Handelsbanken die – hinsichtlich ihrer Bonität – führende Bank vor den beiden kanadischen Grossbanken Royal Bank of Canada (RBC) und Bank of Nova Scotia sowie den beiden US-Grossbanken JP Morgan und Citigroup. Raiffeisen (Schweiz) ist auf Platz sieben das am besten klassierte schweizerische Institut vor Credit Suisse (Platz 9) und UBS (Platz 21).

Dass kanadische und eine schwedische Bank vorne liegen, ist laut einem Sprecher von I-CV keine Überraschung: In diesen Ländern läuft die Wirtschaft gut und die meisten Banken waren vor den Auswirkungen der Finanzkrise verschont geblieben.

Das konnte man von der Citigroup seinerzeit nicht behaupten. In den USA wurden die Grossbanken in der schlimmsten Phase der Finanzkrise im Herbst 2008 ruckzuck mit viel (staatlichem) Eigenkapital versorgt. Diese Banken halten auch heute noch mehr Eigenkapital als die Europäer, wo bei Bankenrettungen eher die Liquiditätssicherung als der Abbau fauler Papiere im Vordergrund gestanden hatte.

Dass hier die Credit Suisse trotz geringerem Eigenkapital besser als die UBS abschneidet, liegt an einem kleinen, aber für Kreditanalysten wichtigen Detail: Zwar haben beide nur kleine Anteile fauler Kredite in ihren Büchern.

Aber bei der Credit Suisse stehen diesen etwas mehr freie Mittel gegenüber. Vor einem Desaster im schlimmsten Fall wären die Gläubiger der Credit Suisse theoretisch etwas besser geschützt.

Aber vorher würden laut Analysten in der Praxis andere Mechanismen wie der Einlagenschutz greifen. Selbst die Bonitätswächter tun sich sehr schwer damit, die Wirkung unausgesprochener staatlicher Garantien sauber zu modellieren.

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