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Rolle der Landwirtschaft: Ohne sie «wäre die Schweiz ein grosser Wald»

Der Anteil der Agrarwirtschaft an der Schweizer Gesamtwertschöpfung ist klein. Kaum zu beziffern wären gemäss Bauernverband aber die Kosten ohne eigene Produktion – insbesondere in dezentralen Regionen.
Raphael Bühlmann
SBV-Direktor Jacques Bourgeois betont die lokale und regionale Bedeutung des Agrarsektors. (Bild: Pius Amrein; Hergiswil, 3. Januar 2019)

SBV-Direktor Jacques Bourgeois betont die lokale und regionale Bedeutung des Agrarsektors. (Bild: Pius Amrein; Hergiswil, 3. Januar 2019)

Wieso unterhält die Schweiz eine eigene Landwirtschaft? Gemäss offizieller Statistik trägt die Produktion gerade einmal 0,6 Prozent zum hiesigen Bruttoinlandprodukt (BIP) bei. Zudem verteuert der Grenzschutz importierte Lebensmittel für den Konsumenten, und die Direktzahlungen kosten den Steuerzahler zusätzlich Geld. Soweit die häufig ins Feld geführten Kritikpunkte, gegen welche sich die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft immer wieder zur Wehr setzen muss. Heute allerdings drehte der Schweizer Bauernverband (SBV) den Spiess um. Nicht die Kosten, sondern der nicht monetäre Wert der landwirtschaftlichen Produktion machte der Bauernverband an seiner traditionellen Jahresmedienkonferenz zum Hauptthema.

SBV-Direktor Jacques Bourgeois rechnete dabei vor, was alleine die Bewirtschaftung der Schweizer Agrarflächen kostet. Denn eines sei klar: «Ohne Landwirtschaft wäre die Schweiz ein grosser Wald», so Bourgeois. Würden nämlich landwirtschaftliche Nutzflächen nicht regelmässig gemäht oder beweidet, gewännen Tannen oder Laubholz schnell Oberhand.

Offenhaltung kostet 6,2 Milliarden

Diese Offenhaltung von Acker- und Grünflächen stehe aber nicht zur Diskussion, weil diese schlicht in der Verfassung festgeschrieben und nach wie vor im Sinne der Bevölkerung sei. Wenn also nicht von den Bauern, müsste diese von der öffentlichen Hand sichergestellt werden. «Alleine das Mähen der 1,5 Millionen Hektaren Landwirtschaftsfläche würde jährlich rund 6,2 Milliarden Franken kosten», sagte Bourgeois. Damit wäre allerdings erst die Flächenbewirtschaftung sichergestellt.

Noch nicht Rechnung getragen wäre damit einem weiteren in der Bundesverfassung verankerten Auftrag der Landwirtschaft: der dezentralen Besiedelung. Nicht zufällig hielt der Bauernverband deshalb die diesjährige Jahresmedienkonferenz in Hergiswil bei Willisau ab. Das Dorf im Luzerner Hinterland sei ein Beispiel dafür, welche wirtschaftliche und soziale Bedeutung die Landwirtschaft im peripheren Gebiet habe. Denn im Vergleich mit den urbanen Zentren mit ihren wertschöpfungsstarken Branchen wie Pharmaindustrie, Banken oder Versicherungen geht die Landwirtschaft schlicht unter. Dieser Vergleich unterschlägt für den SBV aber die Tatsache, dass die Prosperität einiger Gebiete sehr wohl stark von der Landwirtschaft sowie den von ihr abhängigen vor- und nachgelagerten Branchen abhängig ist.

Ebenfalls in Bezug auf die Anzahl Beschäftigte greife der Vergleich von Landwirtschaft und der übrigen Wirtschaft zu kurz. Laut SBV steigt der Anteil der in der Landwirtschaft beschäftigten Personen in ländlichen Gemeinden stark an. «In fast der Hälfte aller Schweizer Gemeinden arbeiten mehr als zehn Prozent der Berufstätigen im ersten Sektor und ein Viertel der Gemeinden kommen auf einen Beschäftigungsanteil von über 25 Prozent.»

Der SBV geht zudem davon aus, dass sich die jährlichen Ausgaben von Schweizer Bauernfamilien auf rund 6,3 Milliarden Franken belaufen. Geld, das fast ausschliesslich dem lokalen Gewerbe zugutekomme. Landmaschinenhändler, Zimmermänner, Stallbauer oder Tierärzte seien hierfür gute Beispiele. Darüber hinaus ist der SBV überzeugt, dass Personen aus der Landwirtschaft vor allem in ländlichen Gegenden auch ein wichtiges Arbeitskräftereservoir für die übrigen Branchen darstellen. Dazu gehörten der Pflegebereich, das Baugewerbe, Restaurants und andere Dienstleistungsbetriebe im Tourismus. Gemäss SBV stammten 2017 fast ein Drittel des Gesamteinkommens der bäuerlichen Haushalte von ausserhalb der Landwirtschaft. Der Agrarsektor sei damit eine tragende Stütze der lokalen Wirtschaft, der örtlichen Infrastruktur und des Dorflebens.

Agrarrohstoffe für zehn Milliarden

Unter dem Strich bilanzierte der Bauernverband, dass heute gerade dank der sogenannten Koppelproduktion (mit der Bewirtschaftung von Agrarflächen geht eine Produktion von Agrargütern einher) – jährlich Lebensmittelrohstoffe im Wert von rund zehn Milliarden Franken hergestellt würden. Daraus entstünde ein Gesamtmarkt auf Stufe Verarbeitung und Handel von fast 60 Milliarden Franken. «Das Aufgeben einer eigenen Produktion hätte in vielen ländlichen Gebieten einen massiven Einfluss auf die lokale Wirtschaft und einen entsprechenden Arbeitsplatzverlust zur Folge», sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter abschliessend.

40 Prozent hängt an den Bauern

Schweizweit sind auf die Landwirtschaft mit vor- und nachgelagerter Wertschöpfungsstufe rund 300000 oder 8 Prozent aller Arbeitsplätze zurückzuführen. In Hergiswil bei Willisau sind es mehr als 40 Prozent, wie Gemeindepräsident Urs Kiener an der Jahresmedienkonferenz des Schweizer Bauernverbands ausführte. Diese fand auf dem Milchwirtschaftsbetrieb von Renate und Bruno Ambühl statt.

Umgebung von der Landwirtschaft geprägt

Der Agrarsektor sei gemäss Gemeindepräsident Kiener eine tragende Stütze für die lokale Wirtschaft. Nebst Metzgerei oder Sägerei beschäftige alleine die Napfmilch AG rund 20 Mitarbeiter. Rund 147 Betriebe zählt die 31 Quadratkilometer grosse Gemeinde heute. Mit einem Anteil von 40 Prozent an der Gesamtfläche präge vor allem die Landwirtschaft das Dorf mit seinen 1900 Einwohnern am Fusse des Napf. Wegen der natürlichen Voraussetzungen betreiben die Landwirtschaftsbetriebe vor allem Milchwirtschaft und Mutterkuhhaltung. Ein weiteres Standbein ist die Schweinehaltung. (rab)

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