Schweiz überwindet Frankenschock

Börsenspiegel

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Bis heute fehlen die Anzeichen, dass die Schweizer Wirtschaft in diesem Jahr auf Touren kommt. Ein starker Franken zu Jahresbeginn bremste den Aussenhandel und belastete das Wirtschaftswachstum. Das Bruttoinlandprodukt der Schweiz wuchs im zweiten Quartal lediglich um 0,4 Prozent im Vorjahresvergleich. Die Eurozone wies im gleichen Zeitraum mit 2,3 Prozent ein deutlich stärkeres Wachstum auf. Sogar Italien, notorisch das Schlusslicht Europas, konnte mit 1,5 Prozent eine höhere Wirtschaftsdynamik vermelden als die hiesige Wirtschaft.

Die schwache Konjunktur der vergangenen Quartale beeinträchtigte auch die Beschäftigung. Diese nahm bis Mitte Jahr nur schwach zu. Während der Abbau von Arbeitsplätzen in der Industrie mit Ausnahme des Uhrensektors langsam zu Ende geht, fehlen im Dienstleistungssektor die Impulse.

Wirtschaftswachstum und Beschäftigung deuten nicht darauf hin, dass sich die Schweiz bereits von der starken Franken­aufwertung zu Beginn des Jahres 2015 erholt hat.

Zuversicht für kommendes Jahr

Trotz des bisher enttäuschenden Wachstums blickt das UBS Chief Investment Office Wealth Management (CIO WM) zuversichtlich ins nächste Jahr. Die Schweizer Wirtschaft profitiert seit ­Mitte Jahr von einer deutlichen Abschwächung des Frankens gegenüber dem Euro. Ausserdem hilft die robuste europäische Konjunktur den Schweizer Exporten. Die europäische Konsumentenstimmung notierte im November so stark wie zuletzt vor 16 Jahren. Die guten Rahmenbedingungen spiegeln sich in der Stimmung der Schweizer Unternehmen. Der Einkaufsmanagerindex der Industrie ist mittlerweile auf das höchste Niveau seit dem Jahr 2011 geklettert und deutet auf eine deutliche Beschleunigung der hiesigen Konjunktur hin. Einen ersten handfesten Hinweis auf eine Belebung erhoffen wir uns von den Wachstums- und Beschäftigungsdaten für das dritte Quartal. Diese werden vom Staatssekretariat für Wirtschaft und dem Bundesamt für Statistik diese Woche veröffentlicht.

Selbst wenn der prognostizierte deutliche Aufschwung in den letzten Monaten des Jahres noch eintritt, rechnen wir in ­diesem Jahr lediglich mit einer Wachstumsrate von 0,8 Prozent. Der zögerliche Start der Schweizer Wirtschaft ins Jahr lastet auf dem Gesamtwachstum. Für das nächste Jahr geht das UBS CIO WM allerdings mit 1,8 Prozent vom stärksten Wachstum seit vier Jahren aus. Der Frankenschock, der die Schweizer Wirtschaft seit Januar 2015 belastet, wird damit 2018 endgültig überwunden sein.

Alessandro Bee, Ökonom,

UBS Chief Investment Office

Wealth Management