Schweiz Tourismus bejubelt Allzeit-Rekord im Jahr 2019 – und veröffentlicht Corona-Szenarien für den chinesischen Markt

So viele Hotelübernachtungen wie 2019 habe der Tourismus noch gar nie verbucht – doch der Corona-Virus könnte den chinesischen Markt dauerhaft einbrechen lassen.

Niklaus Vontobel
Drucken
Teilen
Touristen auf dem Jungfraujoch - eine Aufnahme aus Vor-Corona-Zeiten.

Touristen auf dem Jungfraujoch - eine Aufnahme aus Vor-Corona-Zeiten.

Bild: Anthony Anex / KEYSTONE

Der Schweizer Tourismus erlebt in diesen Wochen schwierige Zeiten. Die Branche ist vom Corona-Virus direkt betroffen. Reisen und Hotelbuchungen werden abgesagt, viele Gäste bleiben lieber zu Hause.

Doch davon war an der Jahreskonferenz von Schweiz Tourismus zunächst nicht die Rede. In einer Medienmitteilung freut sich die Marketingorganisation über einen Rekord, der bereits im Vorjahr erreicht wurde.

«So viele Hotelübernachtungen wie 2019 wurden in der Geschichte des Schweizer Tourismus noch gar nicht verbucht», schreibt Schweiz Tourismus. Annähernd 40 Millionen Hotellogiernächte habe die Branche erreicht. Gegenüber dem Vorjahr sei dies ein Plus von 1,9 Prozent.

Freund und Leid liegt nahe beieinander

In seiner Rede ging der Direktor von Schweiz Tourismus, Martin Nydegger, jedoch sogleich auf die aktuellen Herausforderung ein. Manchmal liege Freud und Leid nahe beieinander, machte Nydegger den Übergang von den Rekordzahlen zum Corona-Virus.

Die Frage, was dies für den Schweizer Tourismus bedeutet, sei gar nicht so leicht zu beantworten. Die Folgen für den chinesischen Markt liessen sich noch vergleichsweise leicht beziffern. Man habe im ersten Quartal jeden zweiten chinesischen Gast verloren.

Doch wie andere Märkte reagieren würden, sei schwieriger abzuschätzen. Erste Zahlen liegen aber für den Februar vor. Insgesamt habe man im Februar rund 2 Prozent an Gästen verloren. Bei den Bergbahnen habe es ein Minus von 4,8 Prozent gegeben.

Auch 2021 könnten noch chinesische Gäste wegbleiben

Als Nächstes stellte Nydegger verschiedene Szenarien für den chinesischen Markt vor. In einem moderaten Szenario werde es dieses Jahr einen Verlust von 20 Prozent geben. Im folgenden Jahr werde sich schon wieder ein Plus im Vergleich zu 2019 ergeben.

Im negativeren Szenario werde es für China einen Gästeverlust von 75 Prozent geben. Selbst im Folgejahr gibt es keine Erholung. Gegenüber 2019 stünde man noch immer bei einem Verlust von 43 Prozent.

Einbussen in ganz Asien

Ein Szenario erstellte Schweiz Tourismus auch für den gesamten asiatischen Raum. Im milden Szenario würde dieses Jahr jeder zehnte Gast aus Asien verloren gehen. Im Folgejahr ergäbe sich schon wieder ein Plus.

Im negativen Szenario bleibt jeder vierte asiatische Gast weg. 2021 wäre es noch ein Minus von 5 Prozent. Erst 2022 wäre der Corona-Effekt ausgestanden.

Wird Europa von einer «Reiseangst» erfasst?

Noch gar keine Szenarien liessen sich erstellen für den Fall, dass Europa von einer eigentlichen «Reiseangst» erfasst wird. Solche Phasen habe es in der Vergangenheit auch schon gegeben, sagte Schweiz-Tourismus-Direktor Martin Nydegger.

Mehr zum Thema