Schweden schaut genauer hin

Der schwedische Lebensmittelkonzern Findus sieht sich als Opfer von Betrügern. Doch die schwedischen Behörden bleiben vorerst kritisch.

André Anwar
Drucken
Teilen

STOCKHOLM. Findus hat rasch gehandelt. Der schwedische Hersteller, zu dem auch Findus Grossbritannien gehört, informierte die heimische Lebensmittelbehörde bereits Mitte letzter Woche, dass seine Tiefkühllasagne aus Pferdefleisch war statt wie deklariert aus Rindfleisch. Man sei von Unterlieferanten betrogen worden und unschuldig, sagte der Konzern.

Anzeige möglich

Doch Schwedens Landwirtschaftsminister bezweifelte dies. «Derjenige, der ein Produkt auf den Markt bringt, trägt immer die Verantwortung dafür, dass das, was auf der Verpackung steht, auch im Produkt ist. In diesem Fall ist es Findus», kritisierte Eskil Erlandsson gestern im schwedischen Radio (SR). Das schwedische Lebensmittelamt beriet am Montag, ob es gegen das Unternehmen mit Sitz im südschwedischen Bjuv eine Betrugsanzeige einreichen soll. «Wenn ein Lebensmittelunternehmen eine falsche Inhaltsangabe macht, und hier nicht nur eine falsche, sondern eine irreführende, besteht das normale Verfahren darin, den Fall zu überprüfen und eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten», sagte Mona-Lisa Dahlbom-Wiedel, Leiterin der Kontrollabteilung beim schwedischen Lebensmittelamt. «Rindfleisch durch billiges Pferdefleisch zu ersetzen, ist kriminell», sagte sie. Allerdings sei noch nicht entschieden, ob Anzeige erstattet wird. «Wir wissen noch nicht richtig, wie gross das Ganze ist und wer verwickelt ist.»

Der Name Findus ist eine Abkürzung, sie steht für Fruchtindustrie – und die Marke für Qualität. Bereits 1945 bot Findus über Lebensmittelläden in Stockholm die ersten tiefgekühlten Esswaren in Schweden an.

Bis ins Kinderbuch

Von Schweden wuchs Findus dann europaweit. Die Firma blieb so beliebt, dass sie es sogar ins Kinderbuch schaffte: Der Kater Findus, der den alten Pettersson begleitet, war einst in einem Karton mit der Aufschrift «Findus' grüne Erbsen» ins Haus gekommen. Von 1962 bis 2000 gehörte das Unternehmen zu Nestlé. Heute gehört nur noch Findus Schweiz zu Nestlé und ist damit ein unabhängiges Unternehmen.

Einen Trost hat Dahlbom-Wiedel vom Lebensmittelamt ohnehin. «Pferdefleisch statt Rindfleisch ist Betrug an den Konsumenten. Aber es sind uns keine Gesundheitsrisiken diesbezüglich bekannt.»