SCHWARZE ZAHLEN: Festen Boden unter den Füssen

Der entbehrungsreiche Konzernumbau hat den Thurgauer Gebäudezulieferer Arbonia 2016 operativ vorangebracht. Er hat die roten Zahlen hinter sich gelassen und ist eine Spur optimistischer.

Thorsten Fischer
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Der Gruppensitz von Arbonia, der ehemaligen AFG Arbonia-Forster. (Bild: Hanspeter Schiess (Arbon, 28. Februar 2017))

Der Gruppensitz von Arbonia, der ehemaligen AFG Arbonia-Forster. (Bild: Hanspeter Schiess (Arbon, 28. Februar 2017))

Thorsten Fischer

Wo im Vorjahr ein Verlustloch klaffte, zeigen sich nun wieder vorsichtig schwarze Zahlen. Alexander von Witzleben, Chef und Verwaltungsratspräsident von Arbonia, hat die vor Jahresfrist in Aussicht gestellten Fortschritte mit dem aktuellen Konzernergebnis bekräftigen können. Die Resultate 2016 sind unter anderem die Folge anforderungsreicher Restrukturierungen, die auch einige Ostschweizer Standorte des international tätigen Thurgauer Bauausrüsters betrafen. An der gestrigen Bilanz- medienkonferenz in Zürich hiess es, dass bei den betroffenen Produktionsstätten die entsprechenden Sozialpläne unterzeichnet seien.

Abgeschlossen ist die Verlagerung der Fertigung für Sonderheizkörper von Arbon ins tschechische Stribro. Planmässig voran kommt laut Arbonia die Verlagerung der Holz-Aluminium-Fensterproduktion von Altstätten ins deutsche Langenwetzendorf. Im Sommer soll die Herstellung dieser Produkte am thüringischen Standort hochgefahren werden. Während des Jahres 2017 werden beide Werke aber zuweilen noch parallel laufen. Hier zieht Arbonia – oder AFG, wie der Konzern vor der Umbenennung im Dezember 2016 hiess – Lehren aus der Vergangenheit. Denn während einer Umstellung sollen Probleme mit Lieferfristen auf jeden Fall vermieden werden.

Hier ein Ausstieg, dort ein Einstieg

Die Strategie, Werke von der Schweiz an Standorte mit vorteilhafteren Kosten zu verlagern, weil der Preisdruck im Markt hoch ist, ist nur ein Teil des grossen Umbaus. Ebenso sind die Divisionen der Gruppe neu aufgestellt worden, und das Holdingdach soll so schlank wie möglich gehalten werden. Dazu gehörte beispielsweise auch der Ausstieg aus dem AFG-Arena-Sponsoring, ebenso wie reduzierte Kompensationen für die oberste Chefetage. Zugleich macht Arbonia aber auch einen beherzten Sprung nach vorne: Als übergeordnetes Ziel strebt die Gruppe seit 2015 an, ein führender Gebäudezulieferer für Zentraleuropa zu werden. Die Übernahmen der Koralle-Gruppe im Sommer sowie der Looser-Gruppe Ende 2016 wertet Arbonia als entscheidende Schritte hin zu diesem Ziel.

Durch die Looser-Übernahme, die im Dezember abgeschlossen wurde, sei Arbonia nicht nur in eine neue Dimension der Unternehmensgrösse vorgestossen. Mit dem Zusammenschluss entstehe zugleich der zweitgrösste Anbieter im Bereich Innentüren in Zentraleuropa. Zahlentechnisch schlägt sich die frisch übernommene Looser vorerst nur in der Konzernbilanz zum 31. Dezember 2016 nieder.

Märkte variieren stark

Den Heimmarkt in der Schweiz sah Arbonia-Chef von Witzleben im abgelaufenen Geschäftsjahr meist seitwärts tendieren. Der starke Wechselkurs des Frankens und die angespannte Wettbewerbssituation lasteten nach wie vor auf dem Geschehen.

Dynamischer für Bauzulieferer zeigte sich das Marktumfeld in Deutschland. Ein positiver Trend wurde vorab bei Neubauprojekten verzeichnet. Wie Arbonia im Jahresbericht feststellt, gaben auch Programme zur Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge sowie die Zuwanderung in die Ballungszentren der deutschen Branche insgesamt Auftrieb.

Eine weitere Beobachtung lautet, dass die zunehmende politische und finanzielle Instabilität in gewissen europäischen Märkten das Investitionsklima beeinträchtige, allen voran in Italien. Die osteuropäischen Märkte Slowakei, Tschechien und Polen entwickelten sich indes erfreulich.

Wie von Witzleben sagte, hat Arbonia ausserdem vor, in den nächsten Monaten in Russland zu investieren. Insgesamt geht die Gruppe nun für das Geschäftsjahr 2017 von 1,3 Mrd. Fr. Umsatz und einem Betriebsgewinn von 110 Mio. Fr. aus.