Schwächelnder Franken bringt solide Unternehmensergebnisse

Börsenspiegel

Santosh Brivio
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Die Berichtssaison der Unternehmen zum dritten Quartal ist weit fortgeschritten. Bereits zeichnet sich ab, dass sich der Trend bei Unternehmensgewinnen und -umsätzen weiter positiv zeigt. Im US-Markt, dem Taktgeber für globale Aktienmärkte, konnte der Gewinn bislang um insgesamt 9 Prozent gesteigert werden.

In der Schweiz verläuft die Berichtssaison generell ebenfalls positiv, allerdings bei teilweise zu hohen Markterwartungen. Bei den Finanzwerten zeigte sich eine beruhigende Ertragsdynamik im dritten Quartal. Mit leicht steigenden Zinsen am Horizont könnten sich die Perspektiven sogar weiter aufhellen. Europäische Banken haben diesbezüglich gegenüber ihren Pendants aus den USA noch Aufholpotenzial. Ein rascher Zinsanstieg zeichnet sich allerdings nach wie vor nicht ab. Die Fed hat letzte Woche keine weitere Zinserhöhung vollzogen. Nach Zinserhöhungen im März und Juni dürfte im Dezember der nächste Schritt erfolgen.

Wichtiger noch als der Zinsentscheid war die Nominierung von Jerome Powell als neuer Fed-Vorsitzender. Powell, seit 2012 Mitglied im Federal Open Market Committee, hat bislang immer die Konsenslinie mitgetragen und will nur einige Stellschrauben nachjustieren. Er steht also insgesamt für Kontinuität. Bei den Langfristzinsen war zuletzt ein Marschhalt zu beobachten. Der Beginn der Reduktion der Fed-Bilanz und die Ankündigung der EZB, ab 2018 die monatlichen Anleihenkäufe vorerst auf 30 Milliarden Euro zu reduzieren, haben die Märkte nicht beeindruckt. Temporär tiefere Inflationszahlen halten die Kapitalmarktrenditen im Zaum.

Zinstrend zeigt leicht aufwärts

Dagegen deuten auch die jüngsten Konjunkturindikatoren darauf hin, dass der Zinstrend mittelfristig leicht aufwärts zeigen sollte. Die Einkaufsmanagerindizes für Oktober deuten eine anhaltend gute Dynamik an. Auch in der Schweiz schätzen die Umfrageteilnehmer die Produktion, aber auch den Auftragsbestand insgesamt positiv ein. Die jüngste Industriebefragung dürfte sicher auch vom leicht schwächelnden Franken profitiert haben. Neben weiteren Q3-Zahlen – wie etwa von Swiss Life oder Zurich – stehen diese Woche in der Schweiz die jüngsten Daten zur Inflation an. Sie hat im September mit 0,7 Prozent den höchsten Stand seit 2011 erreicht, getrieben einerseits durch die Energiepreise und andererseits durch Verteuerung der Importe aufgrund der Frankenabschwächung.

Santosh Brivio

Senior Investment Specialist

Raiffeisen Schweiz