Schwäbische Konzerne planen Elektro-Hochzeit

Der Autobauer Daimler und der Elektrokonzern Bosch wollen ein gemeinsames Unternehmen für die Motorenentwicklung und -produktion gründen.

Ulrich Glauber
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Frankfurt. Bisher ist es nur eine Absichtserklärung. Doch Daimler und Bosch drücken bei der Elektromobilität aufs Tempo. Bis Juni wollen die beiden Weltkonzerne schwäbischer Herkunft die Verhandlungen für ein Gemeinschaftsunternehmen abschliessen, an dem die beiden Partner je zur Hälfte beteiligt sein sollen. Die Produktion von Motoren im Bosch-Werk im niedersächsischen Hildesheim und im Grossraum Stuttgart soll bereits im 2012 anlaufen.

Alleingänge zu teuer

Noch im gleichen Jahr sollen die ersten Exemplare der gemeinsam entwickelten Antriebsaggregate in Personenwagen der Marke Mercedes-Benz und in eine Elektroversion des Stadtautos Smart eingebaut werden. Später soll Bosch die Motoren auch anderen Autoherstellern anbieten, wie aus einer Medienmitteilung der beiden Unternehmen hervorgeht.

Daimler verfügt mit Mercedes-Benz nach eigenen Angaben zwar über die wertvollste Automarke der Welt, verkauft von den Wagen der oberen Mittelklasse und der Oberklasse aber – im globalen Massstab gesehen – relativ kleine Stückzahlen. Die Entwicklung einer völlig neuen Antriebstechnik für die eigenen Modelle wäre da zu teuer. Zudem investieren die Schwaben auch in Hybridantriebe, bei denen Strom für den Elektromotor zur Erhöhung der Reichweite während der Fahrt mit einem Benzinmotor produziert wird, sowie in die Brennstoffzelle. Denn noch ist laut Branchenkennern nicht ausgemacht, welche alternative Antriebsform sich schliesslich durchsetzt.

Alles wird anders

«Neue Technologien erfordern neue Formen der Kooperation», sagte denn auch eine Daimler-Sprecherin der Düsseldorfer Wirtschaftszeitung «Handelsblatt» zur Begründung der Pläne. Tatsächlich hat der Zwang zur Abkehr von fossilen Antrieben bereits eine Vielzahl von Kooperationen hervorgebracht. Daimler selbst arbeitet bei Elektromotoren und Batterien für Smart und Twingo bereits mit der französisch-japanischen Allianz Renault-Nissan zusammen. Konkurrent BMW hat mit dem französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën das Joint Venture Peugeot Citroën Electrification gegründet. Neu ist an der Strategie von Daimler allerdings, dass sich ein Autohersteller mit einem wichtigen Zulieferer zusammentut. Und in beiden Firmen befürchten Arbeitnehmervertreter bereits Stellenverluste.

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