Schutzgeldzahlungen an IS?

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Syrien Der Zementriese Lafarge-Holcim hat im ersten vollen Jahr nach dem Zusammenschluss zwar unternehmerisch Tritt ­gefasst, Altlasten von Lafarge sorgen jedoch für Negativschlagzeilen. Wie der schweizerisch-französische Konzern gestern mitteilte, seien in Syrien im Jahr 2013 Schutzgeldzahlungen an ­lokale Kriegsparteien getätigt worden. Dies habe eine interne Untersuchung ergeben, heisst es. Französische Medien behaupteten zuvor, Lafarge hätte in Syrien Schutzgelder an den Islamischen Staat (IS) gezahlt.

«Lage war schwierig einzuschätzen»

Im Zentrum des Verdachts steht ein Zementwerk, dass Lafarge in Syrien für 680 Mio. $ baute. Im Mai 2010 nahm die Fabrik die Produktion auf. Laut Lafarge waren zahlreiche Mitarbeiter aus den umliegenden Orten angestellt. Das Werk belieferte verschiedene Kommunen in Syrien mit Zement. Nach Ausbruch des Krieges hätten «Lafarge-Mitarbeiter im Jahr 2013 Vereinbarungen mit gewissen bewaffneten Gruppierungen und sanktionierten Parteien getroffen», gibt man bei Lafarge-Holcim zu. Die Zahlungen seien in der Absicht erfolgt, den Betrieb der Fabrik sowie die Sicherheit von Mitarbeitern und Warenlieferungen zu gewährleisten.

Nach Abschluss einer internen Untersuchung betont man bei Lafarge-Holcim, dass es für die Verantwortlichen in Syrien äusserst schwierig war, die Lage einzuschätzen, schliesst jedoch mit der Erkenntnis: «Aus heutiger Sicht kann festgestellt werden, dass die für den weiteren Betrieb des Werks erforderlichen Massnahmen nicht akzeptierbar waren.» Aufgrund der Untersuchung könne man nicht eindeutig sagen, an wen die an Mittelsmänner bezahlten Schutzgelder geflossen seien. Das verlassene Syrien-Werk von Lafarge-Holcim trug weniger als 1% zum Konzernumsatz bei. (eme)