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Luzerner Industriebetrieb Schurter stockt auf

Der Luzerner Industriebetrieb Schurter ist im vergangenen Jahr stark gewachsen. Nun wird das KMU umgebaut - und zwar in doppelter Hinsicht.
Raphael Bühlmann
Blick in die Produktion von Schurter Electronics am Standort Hardenberg in Holland. Hier werden Touchscreens hergestellt. (Bild: Romeo Hafner/PD)

Blick in die Produktion von Schurter Electronics am Standort Hardenberg in Holland. Hier werden Touchscreens hergestellt. (Bild: Romeo Hafner/PD)

Sie ragen weit in den Himmel über dem Tribschenquartier. Die ausgesteckten Profile an der Werkhofstrasse verraten: Schurter braucht mehr Platz – und das insbesondere am Hauptsitz in Luzern. Denn das Geschäft brummt. Der Industriebetrieb weist für das abgelaufene Geschäftsjahr den höchsten Umsatz seiner 85-jährigen Unternehmensgeschichte aus. «Für uns war es ein rundum zufriedenstellend gutes Jahr», bilanziert denn auch Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter beim Besuch unserer Zeitung.

Der «zufriedenstellende» Geschäftsgang korreliert dabei weitgehend mit der Entwicklung der Branche. In der gesamten Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) sind 2018 Umsätze, Margen oder Anzahl Beschäftigte deutlich gewachsen. Ralph Müller, CEO der Schurter-Gruppe, hebt für den Luzerner Betrieb zudem die 2017 akquirierten Firmen hervor – die auf Kabelkonfektion und osteuropäischen Vertrieb spezialisierte österreichische Burisch sowie der tschechische Touchpanel-Hersteller Aki Electronic. «Beide Unternehmen haben sich sehr erfreulich entwickelt», sagt Müller.

Die Übernahmen sind Teil der eingeschlagenen Strategie, wonach sich Schurter zunehmend als Anbieter von Komplettlösungen zu profilieren versucht. So liefert Schurter beispielsweise bereits heute ein komplettes Eingabesystem für die Steuerung des Innenraums eines Autos. Über das Touchpanel – nicht grösser als eine Armbanduhr – lassen sich Navigationssystem, Radio oder Klimaanlage per Finger ansteuern.

Schurter will sich in der Automobilindustrie als Nischenplayer etablieren

Zu «einem sicheren Wert» habe sich bereits auch die vor drei Jahren in Polen gegründete Vertriebsgesellschaft entwickelt. Dabei gelte für fast alle Engagements in Osteuropa: alles steht und fällt mit der Entwicklung der Automobilbranche. Besonders in Tschechien und der Slowakei. Zusätzlich weichen die chinesischen Elektronikdienstleister aufgrund der Differenzen zwischen China und USA vermehrt auf osteuropäische Standorte aus. Aber Müller stellt klar: «Automotive ist für uns nach wie vor ein Nischenmarkt, allerdings einer mit grossem Potenzial und einer – und das ist weit entscheidender – der unsere Innovationen vorantreibt». Gleiches gelte für die Medizinalbranche.

CEO Müller betont aber, dass sich der Erfolg nicht unbedingt entlang der einzelnen Branchen klassifizieren lasse, wohl aber nach Regionen. Dabei falle nach wie vor ein Land besonders ins Gewicht. «Wenn Deutschland hustet, dann haben wir ein massives Problem», sagt Müller. Ebenfalls zu einem Gradmesser geworden seien die Bestellungen eines grossen US-amerikanischen Smartphoneherstellers. Auch hier schmückt der Name Schurter die Zulieferliste.

Es sind auch Aufträge wie diese, die den Familienbetrieb in jüngster Vergangenheit an seine Kapazitätsgrenzen gebracht haben – sowohl Produktion als auch Organisation betreffend. Im November 1933 von Heinrich Schurter als Kommanditgesellschaft gegründet, blieb das Unternehmen trotz stetigem Wachstum fest in Familienhand. 22 Gruppengesellschaften zählt Schurter derzeit. Und so ist es nun der Enkel des Firmengründers, der heute sagt:

«Die Strukturen der Firma werden den an sie gestellten Anforderungen nicht mehr gerecht.»

Hans-Rudolf Schurter, während mehr als drei Jahrzehnten selbst erfolgreich operativer Chef, verantwortet nun die Reorganisation «seines» Betriebes. Ein Umbau, für den im Jahr 2015 ein wichtiger Meilenstein gelegt wurde. Mit Ralph Müller übernahm vor vier Jahren erstmals ein Nicht-Familienmitglied den Chefposten. Für die neue Strategieperiode werden nun sieben Organisationen nach Marktregionen gegründet, in welche die einzelnen Gesellschaften eingeteilt werden.

Schurter-Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter (links) und Ralph Müller, CEO der Schurter-Gruppe, in der Produktion in Luzern. (Bild: Philip Schmidli, 20. März 2018)

Schurter-Verwaltungsratspräsident Hans-Rudolf Schurter (links) und Ralph Müller, CEO der Schurter-Gruppe, in der Produktion in Luzern. (Bild: Philip Schmidli, 20. März 2018)

Währenddessen wächst der Konzern weiter. Allein im letzten Geschäftsjahr ist der Personalbestand von weltweit gut 2000 auf 2123 Mitarbeitende angewachsen. Ein Ausbau, der indes nicht mit einem Ausbau der Produktionskapazitäten gleichzusetzen sei. «Wir merken, dass wir immer mehr Personal für den Support innerhalb der Gruppe benötigen», erklärt CEO Müller. Und genau das wirke sich positiv für Luzern aus. Schurter betreibt am Hauptsitz vor allem Innovation und Entwicklung, die Administration und - und das sei für den Ausbau entscheidend – verschiedene Support-Stellen. «Insbesondere für die Anforderungen an die Digitalisierung benötigen wir zusätzliche Ressourcen», so Müller. Allein an der Werkhofstrasse ist der Personalbestand im vergangenen Jahr um fast 12 Prozent auf 392 Vollzeitangestellte angewachsen. Darum auch die Bauprofile in Luzern.

Ein bestehendes Gebäude soll um drei Etagen aufgestockt und mit dem Hauptgebäude verbunden werden. Die Produktionsfläche soll somit um 20 Prozent erweitert werden und schlussendlich Platz für 400 bis 420 Mitarbeiter bieten. Doch dieses Projekt verlief bis anhin nicht reibungsfrei. «Wir waren etwas zu optimistisch, was den Zeitplan angeht», sagt Schurter. Aber man sei zuversichtlich. «Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Tagen die definitive Baubewilligung erhalten werden. Dienstbarkeiten seien neu verhandelt, die Einsprachen damit erledigt worden und man gehe davon aus, dass man im Spätherbst mit den Bauarbeiten beginnen könne.

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