SCHROTTHYPOTHEKEN: CS vor Milliardenverlust

Die Schlussrechnung für die Credit Suisse im Fall verbriefter US-Hypotheken ist teuer, dürfte aber weniger hoch sein, als es scheint.

Daniel Zulauf/Zürich
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Wegen verbriefter US-Schrotthypotheken wird die Credit Suisse mit 5,3 Milliarden Dollar bestraft. (Bild: Ennio Leanza/KEY (Zürich, 10. Februar 2016))

Wegen verbriefter US-Schrotthypotheken wird die Credit Suisse mit 5,3 Milliarden Dollar bestraft. (Bild: Ennio Leanza/KEY (Zürich, 10. Februar 2016))

Daniel Zulauf/Zürich

Die Credit Suisse (CS) schliesst ein weiteres Kapitel ihres einst unrühmlichen US-Geschäfts mit einer Milliardenzahlung ab. Diesmal geht es um Geschäfte aus den Jahren 2005 bis 2007, in denen die Grossbank einen schwungvollen Handel mit verbrieften US-Hypotheken betrieben hatte. Dass viele dieser Schuldpapiere eine Mogelpackung waren, zeigte sich erst, als die Preisblase im US-Immobilienmarkt platzte und zahllose Hausbesitzer mit nied­rigen Einkommen ihre heillos übersetzten Hypothekarschulden nicht mehr bedienen konnten. Die von der CS und vielen anderen Grossbanken strukturierten Hypothekenanleihen, denen die Kreditbewertungsagenturen oft beste Noten erteilt hatten, wurden praktisch über Nacht faulig.

Die US-Justiz wirft den meisten beteiligten Banken vor, ihren Kunden falsche Tatsachen vorgespiegelt zu haben. In der Klageschrift des New Yorker Staats­anwalts Eric Schneiderman aus dem Jahr 2012 wird das anfängliche Volumen der von der CS verbrieften Hypothekenpapiere auf über 90 Mrd. $ veranschlagt. Dar­aus hätten Verluste von 11,2 Mrd. $ resultiert, stellte er fest.

Rückstellungen glatt verdoppelt

Gestern meldete die CS, dass sie sich mit der US-Justiz auf einen Vergleich geeinigt hat. Dieser umfasst die Zahlung einer Zivilstrafe über 2,48 Mrd. $, wobei es sich um eine Mischung aus Busse und Schadenersatz handelt. Dar­über hinaus soll die CS den Hypothekarschuldnern über die nächsten fünf Jahre gewisse Erleichterungen im Wert von 2,8 Mrd. $ gewähren. Diese zielen auf eine Lockerung der Kreditbedingungen, mit der die Bank den Hausbesitzern die fristgerechte Zahlung der Raten erlaubt und damit hilft, einen Zwangsverkauf der Liegenschaft zu verhindern. Analysten nehmen an, dass sich diese Form der Wiedergutmachung nur teils in der Erfolgsrechnung der Bank niederschlägt.

Die Deutsche Bank, die ihren Hypothekenstreit gestern mit einem Vergleich über 7,2 Mrd. $ ebenfalls ad acta legen konnte, schreibt: «Ob die Erleichterungen für Verbraucher finanzielle Auswirkungen haben, hängt von den endgültigen Bedingungen des Vergleiches ab. Derzeit wird daraus kein wesentlicher Einfluss auf das Ergebnis des Geschäftsjahres 2016 erwartet.»

Die CS musste gestern allerdings eine Aufstockung ihrer Rückstellungen für den Hypothekenstreit um 2 Mrd. $ ankündigen. Dieser Betrag wird die Jahresrechnung belasten und dürfte der Bank 2016 einen Milliardenverlust bescheren. Das wird auch die Kapitalstärke der CS schmälern. Die harte Kernkapitalquote gemäss Basel III, die per Ende des 3. Quartals bei 12% angelangt war, dürfte unter die Marke von 11,5% zurückfallen. Damit wird der Weg für die CS noch etwas steiler: Bis 2018 will sie eine Kernkapitalquote von 13% erreichen und sich damit für die erwartete weitere Verschärfung des Basler Standards wappnen.

Die Deutsche Bank zahlt 3,1 Mrd. $ Strafe und eine Art Wiedergutmachung bei den Hausbesitzern im Wert von 4,1 Mrd. $. Noch im September hatte der Markt über eine Busse von bis zu 14 Mrd. $ spekuliert, was die finanziellen Möglichkeiten des angeschlagenen grössten deutschen Geldhauses bei weitem überstiegen hätte. Besonderes Aufsehen erregte, dass die US-Justiz die britische Grossbank Barclays und zwei ihrer Manager wegen betrügerischer Hypothekengeschäfte verklagen werde. Barclays habe «mit schlichtweg unverantwortlichen und unehrlichen Praktiken Milliarden von Dollar an Vermögen aufs Spiel gesetzt», liess US-Justizministerin Loretta Lynch verlauten. Die Bank wies die Anschuldigungen zurück und will sich nach Kräften wehren.