Schönheit zahlt sich aus

Ökonomen zeigen in einer Studie auf, dass mit zunehmender Attraktivität der Firmenchefs die Aktienkurse steigen. Und schöne Chefs verdienen mehr.

Adrian Lobe
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Zählen laut einer Untersuchung zu den schönsten Firmenchefs: Yahoo-Chefin Marissa Mayer und Qualcomm-Chef Paul Jacobs. (Bilder: ap/Julie Jacobson)

Zählen laut einer Untersuchung zu den schönsten Firmenchefs: Yahoo-Chefin Marissa Mayer und Qualcomm-Chef Paul Jacobs. (Bilder: ap/Julie Jacobson)

Kann ein Unternehmen seinen Wert steigern, indem es einen gutaussehenden Chef einstellt? Das klingt zunächst etwas abwegig. Doch genau mit dieser Frage beschäftigt sich ein Arbeitspapier der Universität Wisconsin in Milwaukee. Die Autoren Joseph T. Halford und Scott H. C. Hsu kommen zum Schluss, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Attraktivität der Chefs und dem Aktienkurs. Sobald gutaussehende Firmenbosse im TV auftreten, schiessen die Kurse in die Höhe. Und auch am Verhandlungstisch schlagen sich schöne Chefs besser.

Es gab schon zuvor Studien, die den materiellen Wert von Schönheit untersuchten. Gut aussehende Politiker gewinnen eher Wahlen, lehrte man uns, machen schneller Geld und erreichen höhere Ränge im Militär.

Wie misst man Schönheit?

Halford und Hsu griffen auf den Facial Attractive Index der Seite Anaface.com zurück. Die Software errechnet auf Grundlage der Symmetrien im Gesicht einen Schönheitswert. Dieser setzt sich zusammen aus wissenschaftlichen Ergebnissen, Elementen neoklassischer Schönheit und statistischer Analyse. Die Skala reicht von 1 bis 10 Punkte, wobei 10 als besonders schön gilt. Die Wissenschafter luden 677 Fotos von Chefs hoch und massen die Aktienkursentwicklung der Unternehmen zu verschiedenen Zeitpunkten (etwa zur Ernennung des Chefs oder bei der Bilanzpräsentation). Die Chefs kamen auf einen durchschnittlichen Schönheitswert von 7,29, was für das fortgeschrittene Durchschnittsalter von 56 Jahren bei den überwiegend männlichen Protagonisten ein ordentlicher Wert sein dürfte.

Marissa Mayer ist top

Filmstars wie Angelina Jolie oder Brad Pitt erreichen im Test Werte zwischen 8 und 9. Yahoo-Chefin Marissa Mayer gehört mit 8,5 Punkten zu den attraktivsten Chefs. Seit Mayer im Juli 2012 zur Leiterin des Internetkonzerns ernannt worden war, ist der Aktienkurs von Yahoo kontinuierlich gestiegen. Paul Jacobs, Chef des Chipherstellers Qualcomm, landet bei 8,19 Punkten. Seit seinem Amtsantritt im Juli 2005 hat sich der Börsenwert des Unternehmens fast verdoppelt.

Daraus leiten die Forscher ab, dass die Attraktivität der Firmenbosse den Wert für die Aktionäre steigert. Ob es sich hier um eine Scheinkorrelation oder tatsächlich einen Kausalzusammenhang handelt, erklären die Autoren aber nicht.

Wer schön ist, wird belohnt

Schönheit zahlt sich auch für die Chefs aus, indem sie eine «Schönheitsprämie» kassieren. Ein Punkt mehr auf der Skala bringt einen jährlichen Zugewinn von 873 000 $. «Unsere Befunde legen nahe, dass attraktive Chefs einen höheren Lohn erzielen, weil sie mit Verhandlungsgeschick und Sichtbarkeit Mehrwert für die Aktionäre schaffen», resümieren Halford und Hsu.

Joseph T. Halford, Scott H. C. Hsu: «Beauty is Wealth: CEO Appearance and Shareholder Value», 2013. papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2357756

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