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Schock auf Knopfdruck - Romanshorner Firma bringt Prüfanlage in Schwung

Sie dient wieder dem Bevölkerungsschutz und der Industrie: Die Vertikalschockprüfanlage im bundeseigenen Labor Spiez ist von der Romanshorner Girmatic AG komplett erneuert worden.
Martin Sinzig
Besichtigen die völlig erneuerte Schockprüfanlage: Marc Cadisch, ­Christoph Girsberger und André Zahnd (von links). (Bild: Martin Sinzig)

Besichtigen die völlig erneuerte Schockprüfanlage: Marc Cadisch, ­Christoph Girsberger und André Zahnd (von links). (Bild: Martin Sinzig)

Ein Knall geht durch die Stahl­halle, und der 24 Quadratmeter grosse, 12 Tonnen schwere Prüftisch hebt sich in einigen Tausendstelsekunden um etwa 20 Zentimeter, so schnell, dass kein menschliches Auge es erfassen kann. Marc Cadisch, Leiter des Labor Spiez, blickt nach dieser Demonstration zufrieden in die Runde, mit der Gewissheit, dass sich dieser Vorgang auch mit Prüflingen, die eine Masse von bis zu 10 Tonnen haben, jederzeit wiederholen lässt.

Vor rund 30 Jahren war die sogenannte Vertikalschockprüf­anlage (Vespa) im Labor Spiez vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) in Betrieb genommen worden. Nach einer drei Jahre dauernden Erneuerung ist sie jetzt wieder voll funktionsfähig. Ihr Zweck ist es, Erdstosswirkungen zu simulieren, wie sie von Explosionen, Erdbeben oder anderen Ereignissen herrühren, um einzelne Bauteile oder ganze Geräte auf ihre Schocktauglichkeit zu testen. Auslöser für das weitreichende Sanierungsprojekt war ein Wassereinbruch gewesen, der im Jahr 2015 praktisch alle elektronischen Komponenten sowie Teile der komplexen Hydraulik in Mitleidenschaft gezogen hatte. Konstruiert und gebaut worden war die Vespa ursprünglich von der Romanshorner Hydrel AG. Den Sanierungsauftrag im Umfang von über einer Million Franken erhielt die Girmatic AG. Sie ist 2006 durch ein Management-Buy-Out der Antriebstechnik- und Hydraulik-Aktivitäten der Hydrel entstanden.

«An der Grenze des physikalisch Machbaren»

«Es war ein mutiger Entscheid der Girmatic, Ja zu diesem Auftrag zu sagen», erklärte André Zahnd, Chef Kollektivschutz im Labor Spiez, an einer kleinen Feier zur Wiederinbetriebnahme, und er freute sich über eine integrale Lösung mit Schweizer Know-how von A bis Z. Gleichzeitig lobte er den Mut, den Elan und die unkomplizierte Zusammenarbeit mit dem Girmatic-Team, das zahlreiche Hürden zu bewältigen hatte. Das fünfköpfige Team der Girmatic war von 2015 bis 2018 herausgefordert, nicht nur die Steuerung komplett neu zu entwickeln, sondern auch spezielle Bauteile zu konstruieren oder zu beschaffen.

Darüber hinaus galt es, bestehende Bauteile zu revidieren, von Gelenklagern über den Hauptschieber bis zum Hochdruckspeicher, der einem Druck von über 300 Atmosphären standhalten muss. Die Anlage kann kurzzeitig bis zu 20 Megawatt Leistung abrufen, soviel wie ein kleines Wasserkraftwerk, um mittels eines Hydraulikzylinders mit Titankolben Stösse zu erzeugen. «Damit bewegen wir uns an der Grenze des physikalisch Machbaren», illustrierte Christoph Girsberger, Inhaber und Geschäftsführer der Girmatic AG. Darum sei künftig besonderes Gewicht auf die Wartung dieser einzigartigen Anlage zu legen.

Weltweite Ausstrahlung

Die Vespa dient dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz zur Qualitätskontrolle von Schutzraumkomponenten und -einrichtungen. Aufträge aus der Industrie lasten die Anlage allerdings bereits zu mehr als der Hälfte aus. Weltweit einzigartig dürfte die Fähigkeit der Anlage sein, das Tragverhalten von Dübeln und Ankern bei dynamischer Beanspruchung im gerissenen Beton zu untersuchen, erklärt Zahnd. So werden zum Beispiel regelmässig Befestigungsanker geprüft.

Obwohl die Anlage meistens für Qualifizierungsprüfungen an Produkten für den Schweizer Markt verwendet werde, fänden auch immer wieder Losabnahmeprüfungen zu Gunsten von internationalen Schutzbaugrossprojekten statt. Dadurch reicht der Bekanntheitsgrad der Vespa bis nach Asien.

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