Schnelles Geld an der Börse

Trotz Krise sind die Aktien an der Athener Börse dieses Jahr um fast 30 Prozent gestiegen. Dahinter stecken nicht Kleinanleger, sondern Hedge-Fonds, die das schnelle Geld suchen.

Ferry Batzoglou
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Angestellte an der Athener Aktienbörse, deren Leitindex seit Jahresbeginn um fast 30 Prozent gestiegen ist. (Bild: epa/Alkis Konstantinidis)

Angestellte an der Athener Aktienbörse, deren Leitindex seit Jahresbeginn um fast 30 Prozent gestiegen ist. (Bild: epa/Alkis Konstantinidis)

ATHEN. Gestern notierte der Leitindex Athen Composite bei 1173 Punkten. Das sind gut 28% mehr als zu Jahresbeginn. Die Rally an der Athener Börse hat besonders in den vergangenen Wochen an Dynamik gewonnen. Denn innert 90 Tagen kletterte der Leitindex gar um stattliche 40%. Wer am 5. Juni 2012 Athener Aktien kaufte, kann sich mittlerweile über noch weitaus höhere Profite freuen. Damals war der Leitindex auf ein Tiefst von 476 Punkte abgesackt.

Banken an der Spitze

Die Marktkapitalisierung an der Athener Börse beträgt aktuell 70 Mrd. € (85 Mrd. Fr.). Davon entfallen gut die Hälfte auf die Top fünf der in Athen kotierten Unternehmen. Darunter sind drei der insgesamt vier in Griechenland als systemrelevant eingestuften Geldinstitute. Lediglich 14 der insgesamt 275 an der Athener Börse notierten Unternehmen haben einen Wert von über 1 Mrd. €.

Bisher geht die Rechnung auf

Spitzenreiter ist die private Geschäftsbank National Bank of Greece (NBG) mit einer Marktkapitalisierung von 10 Mrd. €. Es folgen die Piräus-Bank und der Getränkeabfüller Coca-Cola Hellenic (CCH). Dieser verlegte im Herbst vergangenen Jahres seinen Firmensitz nach Zug.

Analysten zufolge ist der Kursanstieg an der Athener Börse nicht auf ein jüngst gestiegenes Interesse von Investoren aus Griechenland zurückzuführen. Der Grund: Ob private Kleinanleger oder institutionelle Investoren: Den Griechen fehlt es unisono an Liquidität. Für die jüngste Athener Rally zeichnen laut den Experten vielmehr international agierende Hedge-Fonds verantwortlich. Diese rechneten wegen der zuletzt niedrigen Kurse an der Athener Börse sowie der langsamen Erholung der Konjunktur im Euroland, das seit sechs Jahren in der Rezession steckt, mit kurzfristigen Börsengewinnen. Bisher geht ihre Rechnung auf. Ihr Motto: Die Talsohle in Griechenland sei durchschritten.

Premier wirbt um Investoren

Ins gleiche Horn stösst der konservative Premier Antonis Samaras. Der studierte Ökonom buhlt seit seinem Amtsbeginn im Juni 2012 um ausländische Investoren für sein Land, auch für einen Einstieg an der Athener Börse. Anfang Monat traf sich Samaras bei seinem jüngsten Besuch in den USA mit hochrangigen Vertretern finanzkräftiger US-Hedge-Fonds und Banken. Darunter waren auch die Chefs von JP Morgan Chase, Goldman Sachs, Lazard und Paulsen. Samaras' Absicht: für den Finanzplatz Griechenland werben.

Wie gewonnen, so zerronnen

Der jüngsten Rally zum Trotz: Bis zum Allzeithoch an der Athener Börse ist es noch ein weiter Weg. Am 17. September 1999 hatte die Euphorie wegen des bevorstehenden Euro-Beitritts Griechenlands den Leitindex auf sagenhafte 6355 Punkte katapultiert. Die Marktkapitalisierung betrug damals fast 210 Mrd. €. Ob Hirte, Lehrer oder Arzt: Im Gegensatz zu heute entdeckte das Gros der Griechen die Börse als Ort, Geld leicht und rasant zu vermehren. Ihr Erspartes haben die Griechen indessen längst verloren. Der Schock sitzt noch tief. Und: Für eine Anlage an der Börse haben die krisengebeutelten Griechen sowieso kein Geld mehr übrig.