Schmutzwäsche auf Bestellung

Das St. Galler Unternehmen Swissatest ist weltweit einzigartig. Es beliefert seine 1500 Kunden in gut 100 Ländern mit verschmutzten Wäschestreifen für Tests. Nicht nur das, auch Waschmaschinen werden auf Energieeffizienz geprüft.

Stefan Borkert
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ST. GALLEN. Die Luft ist frisch, und trotzdem schwebt der Hauch eines Dufts von Reinigungsmitteln, Kakao, Wein und anderen Stoffen in den Räumen der Swissatest. 25 Menschen arbeiten hier, forschen, tüfteln, entwickeln und produzieren Testmaterialien. 200 000 Teststreifen sind das pro Jahr. Gebraucht werden diese unter anderem zur Prüfung von Waschmaschinen, von der Autoindustrie, von Reinigungsmittelproduzenten usw.

Erstes Spin-off der Empa

Daniel Fäh hatte 2002 den richtigen Riecher. Damals gründete er das erste Spin-off der Empa, die Empa Testmaterialien AG, wie Swissatest bis vor einem Jahr noch hiess. Das war schon ein Abenteuer, als die drei Personen der ersten Stunden loslegten. Banken hatten dem Start-up die kalte Schulter gezeigt. So sprangen neben der Empa auch Familie, Freunde und Verwandte ein. Gründer und Geschäftsführer Fäh sagt denn auch, dass er nicht fremdfinanziere. «Investiert wird nur mit Eigenkapital.» Grosse Wachstumsschritte sieht er nicht voraus. «Inzwischen haben wir fast eine kritische Grösse erreicht.» Es sei aber auch nicht das Ziel, gross zu wachsen. Das ergebe sich dann je nach Aufgaben und Auftragslage.

«Der macht nur Flecken»

Was Swissatest weltweit führend macht in Sachen Kompetenz für Prüfmaterialien und Tests zum Waschen, Reinigen und in der Hygiene, das sind die verwendeten Materialien und das Herstellungsverfahren. Es gibt einen Mitbewerber auf dem Markt. «Aber der macht effektiv nur Flecken und das nicht so definiert wie wir.» Diese Flecken würden im Prinzip nur für Marketingzwecke von Waschmittelherstellern gebraucht. Da stecke eine andere Philosophie dahinter. «Unsere Anschmutzungen werden für wissenschaftliche Zwecke gebraucht, um einen Prozess zu optimieren», sagt Forscher und Unternehmer Fäh. Wichtig sei es für einen Waschmittelhersteller zu wissen, wo es Sparpotenzial gibt. Dabei setzt Fäh auf Schweizer Qualität. Er bezieht den speziell hergestellten Faden und Stoff aus dem Appenzellerland und Glarnerland. Der Stoff wird dann in einer Spezialmaschine angeschmutzt, sei es mit Kakao, Blut, Wein oder Fett.

Dabei wird genau darauf geachtet, dass am Schluss standardisierte Teststreifen herauskommen, die der Kunde für seine Tests verwenden kann.

So wird beispielsweise die Waschwirkung von Waschmittel für das Ecolabel und bei Waschmaschinen für das Energielabel getestet. Oder wie sich welche Verschmutzung auf den Ledersitzen von Autos auswirkt. Auch bei der Swissatest stehen Waschmaschinen. Auch hier ist alle genau geregelt. Das reicht von der exakt definierten Füllung der Maschinen bis hin zur Wassertemperatur und Wasserhärte. Ja sogar die Textilien wie etwa Leintücher haben alle die gleiche Temperatur vor dem Waschgang, weshalb sie in einem Klimaraum lagern. So lässt sich denn auch überprüfen, ob die Einstufung des Herstellers in das Energielabel den Tatsachen entspricht.

Anerkanntes Prüflabor

Oder es kann nachgeprüft werden, welcher Waschvorgang auch noch Sinn macht. Fäh sagt, er habe schon erlebt, dass eine Maschine bei deklarierten 60 Grad effektiv bei 37 Grad wasche. Dies dann aber sechseinhalb Stunden lang, um das Ergebnis einer 60-Grad-Wäsche zu erzielen. Das sei natürlich Unsinn.

Inzwischen hat sich die Kompetenz der Swissatest herumgesprochen. Sollte es beispielsweise eine gerichtliche Auseinandersetzung wegen der Energieeinstufung einer Waschmaschine geben, dann kann Swissatest eine anerkannte Expertise erstellen. Im übrigen ist Fäh Experte in internationalen Gremien und berät unter anderen die deutsche Stiftung Warentest.