SCHMIERGELD: Korruptionsaffäre kreist über dem Bodensee

Der Airbus-Konzern wird von Ermittlungen wegen schwarzer Kassen durchgeschüttelt. War bisher die Flugzeug- und Helikoptersparte betroffen, so führen nun auch Spuren zur Satellitentochter bei Friedrichshafen.

Stefan Borkert
Merken
Drucken
Teilen
Ein Umweltsatellit mit Technik aus Immenstaad an Bord. (Bild: PD)

Ein Umweltsatellit mit Technik aus Immenstaad an Bord. (Bild: PD)

Der grösste Satellitenstandort der Weltraumsparte von Airbus Defence and Space liegt am Bodensee in Immenstaad bei Friedrichshafen. Es sieht so aus, als ob die Korruptionsaffäre beim Airbus-Konzern nun auch den Bodensee erreicht hat. Die Regionalzeitung «Südkurier» berichtet, dass neue Hinweise auch auf die Weltraumsparte des Unternehmens deuten. Und damit rückt der Standort Immenstaad auch in den Fokus.

Laut Unternehmenssprecher Ralph Heinrich ist der Bereich Raumfahrt der grösste Bereich bei Airbus in Immenstaad. «Rund 60 Prozent der 2200 Mitarbeiter arbeiten an Satelliten und wissenschaftlichen Missionen für die Raumfahrt», erklärt er. Airbus weise Umsatz und Gewinn nur als Sparte aus, weshalb er keine Zahlen für einzelne Standorte herausgeben könne. «Die Verteidigungs- und Raumfahrtsparte von Airbus machte 2016 einen Umsatz von rund zwölf Milliarden Euro und kam auf einen operativen Gewinn von einer Milliarde Euro», fährt er fort. Nachdem im Zentrum der Ermittlungen bislang dubiose Zahlungsströme beim Verkauf von Kampfflugzeugen, Helikoptern und Verkehrsjets gestanden hatten, führten nun auch Spuren zu deutschen Satellitenbauern, schreibt der «Südkurier». Es gebe Hinweise darauf, dass auch die Weltraum-Tochter des Konzerns von Schmiergeldern profitiert habe. Diese hat mehrere Standorte in Deutschland: Bremen, Ottobrunn und Immenstaad am Bodensee.

Verdächtige Millionenzahlungen

Die Zeitung beruft sich dabei auch auf einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Gemäss diesem seien airbus- interne Ermittler bereits im Jahr 2015 auf verdächtige Millionenzahlungen der Airbus-Satellitentochter Astrium gestossen. Astrium heisst inzwischen Airbus Defence and Space. Die verdächtigen Zahlungen gingen, gemäss dem Bericht, an zwei Firmen des Lobbyisten und tunesischen Geschäftsmanns Lyes Ben Chedli. Dieser sei Teil einer als «Kasachgate» bezeichneten Affäre um den Verkauf von Hubschraubern und weiteren Industriegütern an Kasachstan. Die Geschäfte sollen von der französischen Regierung um Ex-Staatspräsident Nicolas Sarkozy eingefädelt und nur durch umfangreiche Schmiergeldzahlungen in Gang gekommen sein.

Der «Spiegel» zitiert aus Aufzeichnungen von Airbus-Revisoren. Als Grund für die Millionenzahlungen nannten die Revisoren Unterstützungsleistungen beim Verkauf von zwei Satelliten der deutschen Tochter Astrium an Kasachstan. Bei Airbus hält man sich bedeckt. Ein Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Er betonte aber, dass das Unternehmen vollumfänglich mit den Behörden kooperiere.

Letztes Jahr hat Airbus bei der britischen Antikorruptionsbe-hörde SFO Selbstanzeige erstattet. Das wiederum hat die Ermittlungen dann ins Rollen gebracht. Airbus drohen Bussen in Milliardenhöhe.

Stefan Borkert