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Schlamm hält Beton zusammen

Bei der Produktion von Erdbeton fällt Kiesschlamm an, der bis anhin als Abfallprodukt auf Deponien entsorgt werden musste. Die Kies und Beton AG Pizol in Bad Ragaz hat ein Verfahren entwickelt, diesen Schlamm zu verwerten.
Martin Rechsteiner
Die Kies und Beton AG Pizol in Bad Ragaz, Entwicklungs- und Herstellungsort des Erdbeton-Bindemittels «Reba 25». (Bild: Urs Bucher)

Die Kies und Beton AG Pizol in Bad Ragaz, Entwicklungs- und Herstellungsort des Erdbeton-Bindemittels «Reba 25». (Bild: Urs Bucher)

BAD RAGAZ. Schlamm, Staub und Lärm. Im Werk der Kies und Beton AG Pizol in Bad Ragaz herrscht Hochbetrieb. Ein Bagger kurvt über das Gelände, eine riesige Steinzerkleinerungsmaschine tut lärmig ihren Dienst, und an den Füssen eines jeden, der das Gelände betritt, klebt Schlamm. Dieser Kiesschlamm war bis anhin ein Abfallprodukt: Das Werk in Bad Ragaz nimmt Baustellenaushub an, der bis zu 40 Prozent Schlamm enthält. Der wird bei der Aufbereitung zu Kies abgewaschen.

Was vor allem bei Besuchern mit unpassendem Schuhwerk für Missmut sorgen kann, ist bei der Kies und Beton AG Pizol aber nicht mehr nur «Dreck»: Denn der Kiesschlamm ist Hauptbestandteil des neuen Bindemittels für Erdbeton, «Reba 25». Dieses ist mit dem Schweizer Umweltpreis 2014 ausgezeichnet worden.

In eigener Sache

Hinter der Entwicklung von «Reba 25» steht Bernhard Zindel, Vorsitzender der Kies, Sand und Beton Gruppe (KSB), zu der auch das Werk in Bad Ragaz gehört. Seit fast 30 Jahren steht er an der Spitze des Unternehmens. Unter seiner Führung rückte «Nachhaltigkeit» tief ins Zentrum der Firma. «Das Schonen von Ressourcen ist eine Pflicht, wir wollen eine möglichst hohe Verwertungsquote erzielen», sagt Zindel. Über die Auszeichnung freut sich der Maienfelder Unternehmer, merkt jedoch an: «Auf den Schweizer Umweltpreis haben wir nicht direkt hingearbeitet.» Die Entwicklung des neuartigen Bindemittels sei vornehmlich im eigenen Interesse geschehen, Ressourcen besser zu nutzen, so Zindel.

Fünf Jahre Entwicklungszeit

So kam es zur Entwicklung des prämierten Erdbeton-Bindemittels. Hergestellt wird es hauptsächlich aus sehr feinkörnigem Kiesschlamm mit einem Korndurchmesser von weniger als 0,06 Millimetern. Im Bad Ragazer Kies- und Betonwerk ist es innerhalb von fünf Jahren gelungen, den Kiesschlamm zu einem wertvollen Basisrohstoff für das Bindemittel aufzuwerten und den neuen Zusatzstoff industriell herzustellen.

Dafür mussten nicht nur Maschinen umgebaut, sondern auch neue technische Verfahren entwickelt werden. «Besonders im Bereich Technik waren wir auf Hilfe von aussen angewiesen. Deshalb haben wir mit der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) zusammengearbeitet», sagt Zindel.

Das Endresultat vermochte die Jury der Stiftung pro Aqua – pro Vita, die den Umweltpreis jährlich verleiht, offenbar zu überzeugen. «<Reba 25> bietet als Bindemittel gleich drei Vorteile für die Herstellung von Erdbeton: Es besteht hauptsächlich aus wiederverwertetem Abfall, spart die Hälfte an umweltbelastendem Zement ein und ist ein sehr leichtes Material, was beim Transport Treibstoff spart», sagt Bernhard Zindel stolz.

Gesetze als grosse Hürde

Für den Schritt vom Schlamm zum umweltfreundlichen Erdbeton-Bindemittel brauchte es nicht nur Innovation, sondern auch Durchhaltewillen: «Verschiedene kantonale Gesetzgebungen und Vorgaben machen solche Projekte manchmal schwierig», sagt Bernhard Zindel. Allein Bauaushub über eine Kantonsgrenze zu transportieren, sei wegen der Gesetze eine Herausforderung, sagt der Unternehmer, dessen Betriebe sich sowohl im Kanton St. Gallen als auch im Nachbarkanton Graubünden befinden. «Die Gesetze sind eine Hürde, vor der viele aufgeben. Es ist wichtig zu wissen, wie man damit umgehen muss», fährt Zindel fort.

Internationale Möglichkeiten

Das Interesse, aus Kiesschlamm ein umweltfreundliches Bindemittel für Erdbeton herzustellen, besteht indes nicht nur im Rheintal: «Wir haben einige Anfragen erhalten», bestätigt Zindel. «In der Schweiz wird der Zementhersteller Holcim das Bindemittel unter Lizenz produzieren und vertreiben», sagt der Unternehmer. «Anfragen aus dem Ausland werden wir uns diesen Frühling zuwenden», so der 56-Jährige. Der Einstieg ins internationale Geschäft ist für Zindel neu und bedeutet eine Abkehr von der Firmenphilosophie, nur regional zu operieren. Mit dem neuen Bindemittel seien jedoch Türen aufgestossen worden, freut sich Zindel. «<Reba 25> hat Potenzial für mehr als nur den lokalen Vertrieb.»

Bernhard Zindel Vorsitzender der Kies, Sand und Beton Gruppe (KSB) (Bild: Urs Bucher)

Bernhard Zindel Vorsitzender der Kies, Sand und Beton Gruppe (KSB) (Bild: Urs Bucher)

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