Schiffbau versinkt im Konkurs

Die Mehrzahl der Schiffe auf dem Bodensee kommt von der Bodan-Werft Kressbronn. Im März hat die Werft den Konkurs angemeldet, und inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Konkursvergehen.

Lieselotte Schiesser
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Stolzes Schiff: Die MS St. Gallen ist, wie fast alle Bodensee-Passagierschiffe, in der Bodan-Werft Kressbronn gebaut worden. (Bild: SBS)

Stolzes Schiff: Die MS St. Gallen ist, wie fast alle Bodensee-Passagierschiffe, in der Bodan-Werft Kressbronn gebaut worden. (Bild: SBS)

KRESSBRONN/ROMANSHORN. Von der «Munot» bis zur «Sonnenkönigin» und alle Fähren – bis auf eine – auf dem Bodensee liefen seit 1919 in Kressbronn vom Stapel. Das gleiche gilt für viele Zürichsee- und Limmat-Schiffe. Und noch heute wirbt die Bodan-Werft auf ihrer Internet-Homepage damit, sie betreibe «Schiffbau aus Leidenschaft». Die Leidenschaft ist bei Werftbesitzer Robert Dittmann aber deutlich abgekühlt. Die Werft hat mindestens 13 Millionen Euro Schulden und ist seit März 2011 in Konkurs (Insolvenz). Dittmann selbst spricht davon, dass die «Gesellschaft einige Millionen Schulden» habe.

Zusammenarbeit scheitert

2010 noch liefen Verhandlungen zwischen der Romanshorner Werft der Schweizerischen Bodensee-Schiffsbetriebe, der Werft der Konstanzer Bodensee-Schiffsbetriebe und der Bodan-Werft über eine Zusammenarbeit. Die Pläne scheiterten im August 2010. Ende Dezember kündigte die Gewerkschaft IG Metall den Werftbeschäftigten an, ihr Arbeitgeber würde den Schiffsbaubetrieb schliessen, und 60 von 95 Angestellte verlören ihre Arbeitsplätze.

Mitte März 2011 verpflichtete sich Dittmann vertraglich – im Beisein eines Richters – auf Sozialplanzahlungen für die Gekündigten in Höhe von 1,9 Millionen Euro, 450 000 davon sicherte er schriftlich über Grundstücke ab. Diese wiederum gehörten nicht der Werft, sondern seit 1990 einer Tochtergesellschaft der Werft-Holding. Ende März reichte die Werft beim Gericht in Ravensburg den Insolvenzantrag ein. Kurz darauf teilte der Insolvenzverwalter mit, der Sozialplan könne nicht in der versprochenen Höhe aufrecht erhalten werden. Man einigte sich auf nur noch 200 000 Euro. Inzwischen hat der Insolvenzverwalter der Gewerkschaft mitgeteilt, dass auch dafür kein Geld vorhanden sei. Seither habe sie vom Insolvenzverwalter nichts mehr gehört, sagt die Gewerkschaftsfunktionärin Lilo Rademacher. Dittmann wiederum wolle von der Zahlung der zugesicherten 450 000 Euro nichts mehr wissen.

Die Grundstücke gehören inzwischen nicht mehr der Tochterfirma der Werft-Holding, sondern einer im September 2010 gegründeten neuen Gesellschaft, die von Dittmann geleitet wird. Dieser will – zusammen mit einem Partner – eine Überbauung mit Wohnungen, Läden und einem Hotel realisieren. Dazu würde dann auch der Bootshafen der Werft gehören. Dieses Vorhaben ist ins Stocken geraten. Grund eins ist ein seit Ende Oktober laufendes Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Ravensburg wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und anderer Konkursdelikte. Dittmann betont, das sei lediglich das übliche Insolvenz-Prüfverfahren. Darüber ist die Staatsanwaltschaft bereits hinaus: Es bestehe ein Anfangsverdacht, sagte ihr Sprecher gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa. Grund zwei für die Verzögerung ist der Denkmalschutz. Das Regierungspräsidium Tübingen hat, nach eigenen Angaben, Dittmann bereits im Mai und die Ortsbehörden Ende Juni/Anfang Juli darüber informiert, dass die Werft zum Kulturdenkmal erklärt wurde. Derzeit erstellt Dittmann ein Inventar. Er behauptet: «Kein Eigentümer kann dazu verpflichtet werden, ein Kulturdenkmal zu erhalten, wenn das nicht wirtschaftlich ist.»

Widerstand der Kressbronner

Michael Ruhland, im baden-württembergischen Regierungspräsidium Freiburg zuständig für Denkmalschutz, betont, bis auf weiteres sei man mit dem Eigentümer und der Gemeinde darüber im Gespräch, was mit der Werft geschehe.

Verzögerungsgrund drei könnte der wachsende Widerstand der Kressbronner Bevölkerung werden. Sie fordert von den Ortsbehörden mit rund 1700 Unterschriften (bei 8100 Einwohnern), die Planung für den Werftbereich neu anzugehen. Sie kritisiert, in den bisherigen vom Gemeinderat abgesegneten und vom Bürgermeister unterstützten Plänen seien wesentliche Anliegen – beispielsweise ein öffentlicher Seezugang – nicht berücksichtigt.